(ski) Wenngleich einige kälteunempfindliche Piloten auch zur Winterzeit mit ihren bunten Gleitschirmen über dem westlichen Teil der Stadt und den angrenzenden Ortschaften am Himmel zu beobachten waren, hat für die 43 Mitglieder des Cottbuser Drachen- und Gleitschirmfliegerclubs dieser Tage die Saison erst so richtig begonnen.

Da bei jeder Steigung um 100 Meter die Temperatur um mindestens ein Grad sinkt, kann man nachvollziehen, dass die Fliegerei ab Mai natürlich gleich doppelt so viel Spaß macht.

Steffen Sickert ist einer von 30 Aktiven des 1990 gegründeten Clubs, der zunächst auf dem Flugplatz Neuhausen sein Quartier hatte und sich dort stets die „Flugrechte“ mit den Segelfliegern teilen musste.

Er ist begeistert von der neuen Situation, in der man sich seit 2003 befindet. Ihr über 1000 Meter langes Schleppseil können die Flugsportler seitdem auf dem ehemaligen Flugplatzgelände im Cottbuser Nordwesten auslegen: „Gleitschirmfliegen so nah an der Stadt betreiben zu können, erscheint tatsächlich deutschlandweit als ein einmaliges Privileg“, sagt Steffen Sickert, der für die Medienarbeit im Club verantwortlich ist.

Der Blick auf die Stadt, die eigene Wohnlage, den Buga-Park oder die Sportstätten faszinieren die Piloten genauso wie der Blick in die Ferne. „Bei guten Sichtbedingungen ist der Blick bis ins Zittauer Gebirge frei“, hat Sickert erst letzte Woche wieder erleben dürfen.

Mit Hilfe von einer der zwei Winden werden die Piloten nach oben gezogen. In der Höhe von 400 Metern wird das Seil ausgeklinkt. Ab diesem Moment liegt es an den thermischen Verhältnissen und am Geschick der Person unter dem Schirm, wohin die Reise geht und wie lange diese anhält. Angekommen in einer Höhe von 1000 Metern kann die Reise einige zehn Kilometer weit ins Land führen.

Den Rekord des längsten Fluges eines Mitgliedes des Cottbuser Clubs hält Martin Serner, als er im Jahr 2017 von Cottbus bis Usedom stolze 256 Kilometer zurücklegte.

Im Gegensatz zu den Drachenfliegern, die ihr Fluggerät mit viel Aufwand vor dem Start zusammenbauen müssen, ist das Material der Gleitschirmpiloten durchaus überschaubar. So passt die gesamte Flugausrüstung in einen Rucksack und wiegt gerade einmal 15 Kilo. Der Pilot sitzt bequem in einem Sitzgurt, von wo aus er mit Tragegurten, die sich in viele dünne Leinen verzweigen, mit der eigentlichen Tragfläche, dem bunten Gleitschirm, verbunden ist. Mit den Steuerleinen wird das Fluggerät gesteuert.

Wer einen hautnahen Einblick in die lautlose Fliegerei gewinnen will, sollte sich das Himmelfahrtswochenende vormerken.

Zu den „Spreewald Open“ werden vom 30. Mai bis zum 2. Juni 70 Starter aus Deutschland und Polen erwartet. Bereits zum fünften Mal findet dieser Wettbewerb statt, bei dem es darum geht, ein vorab festgelegtes Ziel in kürzester Zeit zu erreichen. „Wir sind dennoch sehr sicher, dass die größer werdende Teilnehmerzahl zu großen Teilen damit zu tun hat, dass wir bei uns die Möglichkeit der Stadtüberflüge haben“, erklärt der Vorsitzende des Vereins Uwe Krenz die gute Resonanz auf das Angebot des Cottbuser Drachen- und Gleitschirmfliegerclubs, in dem das Alter der insgesamt 43 Mitglieder von Anfang 20 bis deutlich  über 70 Jahren gut sortiert ist.