Bis zum Frühjahr 2021 soll in Cottbus die Mehrzahl der Gewerbegebiete mit schnellen Internet ausgestattet sein. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) zufolge kann die Stadt damit Standortnachteile – etwa in Bezug auf das Straßennetz – wettmachen. „Wir werden bis 2022 flächendeckend ein Breitbandnetz für das gesamte Stadtgebiet anbieten können“, sagt er. „Das ist ein wichtiger Standortvorteil.“ Damit würde Cottbus zu den wenigen Städten in Deutschland gehören, die solch eine umfassende Infrastruktur zu bieten hätten.

1,5 Millionen Euro für zwölf Kilometer Glasfaser

Dabei arbeite die Stadt bereits seit sechs Jahren partnerschaftlich mit dem Telekommunikationsdienstleister Envia TEL zusammen. Das Unternehmen werde die Gewerbegebiete eigenwirtschaftlich mit den für das schnelle Internet nötige Glasfasernetz ausstatten. Dafür will das Unternehmen nach eigenen Angaben ab September zwölf Kilometer Glasfaserleitungen an den Gewerbestandorten verlegen. Der Ausbau wird demnach im Süden – in Gallinchen – beginnen und sich über den Osten nach Norden fortsetzen. Die Investition umfasse 1,5 Millionen Euro und komme 450 ansässigen Unternehmen zugute, die dann auf ein Internet-Leitungen zurückgreifen können, die eine Übertragungskapazität bis zu zehn Gigabit pro Sekunde ermöglichen.
Für Envia TEL-Geschäftsführer Stephan Drescher ist klar: „Wer solch ein Netz in fünf Jahren nicht vorweisen kann, gerät ins Hintertreffen.“ Das 5 G-Netz und Industrie 4.0 – also einer Maschine-zu-Maschine-Kommunikation – seien wichtige Stichworte für die Wirtschaft der Zukunft. Diese seien von möglichst kurzen Antwortzeiten abhängig. „Die sind nur durch Glasfaser zu erreichen“, sagt Geschäftsführer Drescher. Sein Unternehmen habe deshalb frühzeitig auf den Glasfaserleitungsausbau gesetzt.

Lücke wird mithilfe von Fördergeld geschlossen

Oberbürgermeister Kelch ergänzt: „In der Stadt bleibt nur eine kleine Lücke von zwei Prozent, für den sich der Breitbandausbau wirtschaftlich nicht rechnet.“ Diese Lücke werde aber auch geschlossen – durch Fördergeld. Der Stadt liegen laut Holger Kelch dazu bereits Zuwendungsbescheide von Bund und Land vor. Dazu zählten 13 Gewerbegebiete und 36 Schulgebäude. Deshalb geht das Stadtoberhaupt davon aus, dass Cottbus im Jahr 2022 flächendeckend über ein hochleistungsfähiges Breitbandnetz verfügt.

Deutschland weit abgeschlagen

Das Bundesverkehrsministerium hat die Maßgabe ausgerufen, dass Deutschland bis zum Jahr 2025 über ein flächendeckendes Gigabit-Netz verfügt. Allerdings ist das Land beim Glasfaserausbau im weltweiten Vergleich weit abgeschlagen. Gerade einmal vier Prozent sind laut Statista mit einem Breitbandnetz ausgestattet. Spitzenreiter sind dagegen Südkorea und Litauen. Diese Länder bieten demnach 83 und 75 Prozent des Landes ein solches Netz.