ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:52 Uhr

Streit um Lkw-Fahrverbote
Anwohner der B 169 warten auf Lärmschutz

Mehr als 1000 Lkw fahren täglich durch Kein Oßnig (Spree-Neiße). Lärmschutzwerte werden in den Ortsdurchfahrten an der B 169 tags und nachts weit überschritten. Archivfoto: Ch. Taubert
Mehr als 1000 Lkw fahren täglich durch Kein Oßnig (Spree-Neiße). Lärmschutzwerte werden in den Ortsdurchfahrten an der B 169 tags und nachts weit überschritten. Archivfoto: Ch. Taubert FOTO: Ch. Taubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Klein Oßnig . Befürworter und Gegner eines Lkw-Fahrverbotes auf der B169 zwischen Cottbus und Schwarzheide haben sich am Montagabend in Klein Oßnig mit Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) zu einem Runden Tisch getroffen. Von Christian Taubert

Das Treffen ist Ergebnis der heftigen Debatte um die Lärmbelastung der Anwohner und war in einer öffentlichen Sendung aus der Reihe „radioeins und RUNDSCHAU Spezial“ angeregt worden. Auch ein Jahr nach dem ersten Richterspruch zugunsten der Anwohner ist kein Ende des Streits in Sicht. Ein Lkw-Fahrverbot und die Verdrängung der Schwerlaster auf die A 15 und A 13 wird vom Spree-Neiße-Kreis weiter abgelehnt. Die Anwohner-Interessengemeinschaft B 169 prüft daher erneut rechtliche Schritte.

Die Lärmbelastung für die Anwohner der Bundesstraße 169 übersteigt deutlich die gesetzlich vorgeschriebenen Werte. Das hat das Verwaltungsgericht Cottbus in zwei Urteilen bestätigt. Doch ein Jahr nach dem Klein Oßnig-Urteil ist von Lärmschutz nichts in Sicht. An einem Runden Tisch sollen jetzt die unterschiedlichen Positionen geordnet und nach möglichen Lösungen gesucht werden.

Am Tisch saßen Befürworter und Gegnern eines Lkw-Fahrverbotes sowie Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). Bei der Runde am Montagsabend sind auch die Positionen von Anwohnern erläutert worden, die Ortsumfahrungen an der Bundesstraße ablehnen.

Der Lärm von mehr als 1000 Lkw täglich würde nicht beseitig, sondern nur verlagert.

Unterdessen hat der Spree-Neiße-Kreis den beklagten Bescheid zu „verkehrsbeschränkenden Maßnahmen“ in der Ortsdurchfahrt neu gefasst – mit der gleichen ablehnenden Haltung zur Einschränkung und Umleitung des Schwerlastverkehrs auf die Autobahnen. Den Anwohnern wurde nur ein Blitzer zugestanden, der zur Einhaltung von Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt führen soll.

Pro und Kontra Lkw-Fahrverbot auf der B 169 – die lärmgeplagten Anwohner sehen sich inzwischen höchst unterschiedlichen Positionen gegenüber.

Ihre Interessengemeinschaft will erreichen, dass vor allem der Schwerlast-Transitverkehr, der bisher rund 30 Kilometer Umweg über das Spreewalddreieck meidet, auf die Autobahnen verbannt wird.

Eine Aktionsgemeinschaft B 169 aus ortsansässigen Unternehmern, vor allem Logistikern, plädiert für freie Lkw-Fahrt auf der Bundesstraße.

Die Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz, die für Fahrverbote zuständig sind, wollen die Bundesstraße für die Wirtschaft offen halten.

Wie das Infrastrukturministerium in Potsdam setzen sie auf die seit einem Jahrzehnt in Aussicht gestellten Ortsumfahrungen für Klein Gaglow, Klein Oßnig, Neupetershain, Lindchen und Allmosen.

Seit der Radio-Sendung im Juli zeigt sich zudem eine Anwohner-Initiative öffentlich. Sie lehnt Ortsumfahrungen für Klein Gaglow und Klein Oßnig ab, da ihrer Ansicht nach der Verkehrslärm nur verlagert werden würde.

Da der neue Bundesverkehrswegeplan jetzt Planungen für Ortsumfahrungen an der B 169 zulässt, könnten die Projekte nun vorangetrieben werden. Dass sich der zunehmende Verkehrsstrom schon vor 2030 um die Ortschaften herum bewegen könnte, wird allseits aber als eher unwahrscheinlich angesehen.