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| 19:06 Uhr

Gesundheit
Ein Meilenstein in der Herzmedizin in Cottbus

Sie bereiten den neuen Hybrid-Saal im Sana Herzzentrum zur Einweihung vor: Projektleiter Michael Brauer, Christine Wenzel (Leiterin OP-Pflege) und  Daniel Zech, Technischer Leiter (v.l.n.r.).
Sie bereiten den neuen Hybrid-Saal im Sana Herzzentrum zur Einweihung vor: Projektleiter Michael Brauer, Christine Wenzel (Leiterin OP-Pflege) und Daniel Zech, Technischer Leiter (v.l.n.r.). FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Im Sana-Herzzentrum Cottbus wird ein neuer Hybridsaal eröffnet. Von Andrea Hilscher

Noch glänzt der neue Anbau im Sana-Herzzentrum in jungfräulicher Pracht. Am Dienstag um 7.30 Uhr wird Leben in den neuen Hybrid-Operationssaal einziehen. Chefarzt Axel Harnath wird das 3,6 Millionen Euro teure Schmuckstück einweihen: Er setzt einer 78 Jahre alten Patientin aus Senftenberg eine neue Aortenklappe ein. Noch vor zehn Jahren wäre ein solcher Eingriff kaum denkbar gewesen.

Der Kardiologe Axel Harnath erinnert sich noch gut an die Zeit, als ältere Patienten mit Aortenklappenstenose, einer Verkalkung und Verengung der Aortenklappe, keine Chance auf eine lebensrettende Operation hatten. Ein konventioneller Eingriff war bei den Patienten, die zumeist erst im hohen Alter zwischen 70 und 80 erkranken, mit zu vielen Risiken behaftet.

„2010 bin ich nach Frankreich gereist, um dort von dem auf seinem Gebiet weltweit führenden Professor Alain Cribier zu lernen, wie sich über einen Katheter Aortenklappenprothesen implantieren lassen“, erklärt der Chefarzt. Es sei damals sehr weitsichtig gewesen, ein interdisziplinäres Team nach Frankreich zu schicken. Ein Herzchirurg, ein Kardiologe, eine OP-Schwester, eine Katheterschwester, ein Kardiotechniker und ein Anästhesist sammelten damals gemeinsam Erfahrungen mit der neuen Technik.

Am Cottbuser Herzzentrum wurde dann ein erster Hybrid-Operationssaal gebaut, in dem Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam arbeiten können. „Die kurzen Wege, die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die raschen Reaktionsmöglichkeiten sind ein enormer Vorteil für unsere Patienten“, so Harnath. Die Hybrid-Operationen beim Ersatz von Aortenklappen haben große Vorteile: keine Anwendung der Herz-Lungen-Maschine, keine Durchtrennung des Brustbeins, kein zeitweises Abklemmen der Aorta und kein längerer Herzstillstand während des Eingriffs. Die Folge: Der Eingriff ist mit rund 90 Minuten deutlich kürzer als konventionelle Herzoperationen, die Patienten erholen sich schneller und die Überlebensrate ist trotz des Hochrisikos der Patienten sehr gut.

Inzwischen entspricht es europäischen Standards, dass Aortenklappen nur in Zentren mit Hybridsälen durchgeführt werden dürfen. Brandenburger werden daher ausschließlich in Bernau oder eben in Cottbus operiert. „Wir haben Menschen aus Neuruppin, Brandenburg an der Havel oder Frankfurt/Oder, die zu uns kommen“, sagt Axel Harnath. Jährlich werden zwischen 350 und 400Aortenklappen mittels Kathetertechnik im Sana-Herzzentrum Cottbus im sogenannten TAVI-Verfahren (Transcatheter Aortic Valve Implantation), in örtlicher Betäubung eingesetzt. Etwa 350 Patienten werden konventionell operiert.

Schon heute ist Cottbus europaweit eines der führenden Zentren im Bereich der TAVI-Eingriffe. Und ihre Zahl wird steigen: Die Bevölkerung altert, im Flächenland Brandenburg sind künftig immer mehr Menschen auf Behandlung angewiesen. Das Problem: Der bisherige Hybridsaal in Cottbus war längst an die Grenzen seiner Kapazität gekommen. Ärzte und Schwestern mussten in Schichten arbeiten, Patienten oft bis 19 oder 20 Uhr behandeln. Trotzdem gab es Wartelisten von vier bis sechs Wochen.

Jetzt, in dem neuen, 70 Quadratmeter großen Hybridsaal, können die Eingriffe in der Tagesschicht abgearbeitet werden. „Die Raumsituation ist wesentlich komfortabler für Patienten und Mediziner“, sagt Harnath. Modernste Technik, dazu die Möglichkeit, Besucher- und Studiengruppen optimal am OP-Geschehen teilhaben zu lassen – Ärzte und Schwester freuen sich riesig über die verbesserten Möglichkeiten, die der Anbau bietet. Weiterer Vorteil: Im alten Hybridsaal können jetzt vermehrt Patienten mit Herzrhythmusstörungen behandelt werden. Die nämlich mussten bisher wegen fehlender Kapazitäten oft nach Leipzig, Dresden oder Berlin geschickt werden.