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Sturm Xavier
Gestrandet im RE2 zwischen Berlin und Cottbus

Ein Baum liegt am 06.10.2017 auf den Gleisen bei Berlin.
Ein Baum liegt am 06.10.2017 auf den Gleisen bei Berlin. FOTO: Ralf Hirschberger / dpa
Cottbus/Berlin. Kalt erwischt hat der Sturm „Xavier“ am Donnerstag Reisende im RE2 zwischen Cottbus und Berlin. Ein Leser beschreibt die Odyssee der Betroffenen, die über Stunden in Grünau fest saßen. Von Bodo Baumert

Leser Benjamin Priebe hat sich am Freitagmorgen mit seinen Erlebnissen im RE2 zwischen Berlin und Cottbus an die RUNDSCHAU gewandt: „Um 15 Uhr verließ der RE2 Berlin, nach kurzer Zeit stoppte der Zug, da sich ein Baum auf der Fahrbahn befand. Nach einer halben Stunde Wartezeit gab es eine weitere Meldung, dass noch ein Baum unmittelbar vor dem Zug umgestürzt war“, schreibt er. Die Gäste im betroffenen RE2 waren nicht die Einzigen, denen es so erging. „Nachdem wir von der DB Netz über die Sperrungen einzelner Abschnitte informiert wurden, haben wir versucht, die Züge an Bahnsteigen zum Halt zu bringen, um Fahrgäste nötigenfalls evakuieren zu können“, bestätigte Jörg Kiehn, Eisenbahnbereichsleiter der Odeg, die den RE2 betreibt.

Für Benjamin Priebe und seine Mitfahrer hat das Abenteuer damit aber erst begonnen. „Der Zug war bis oben hin voll, viele Menschen mussten stehen", schreibt er. Um das Wohl der Passagiere habe sich niemand gekümmert. „Nach zwei Stunden Wartezeit im Zug zwischen Grünau und Eichwalde gab es ein neues Statement, dass wir womöglich rückwärts nach Grünau fahren. Es werde ein Notfallplan entwickelt.“ Nach drei Stunden Wartezeit sei der Zug dann ohne Ankündigung losgefahren.

Auch dies bestätigt Odeg-Sprecher Kiehn. Man habe versucht, den Zug über eine Umleitungsstrecke zum Ziel zu bringen, aber auch dort habe es überall Sturmschäden gegeben. Die Lage sei schwierig gewesen. „Ich bin immer zurückhaltend mit solchen Formulierungen. Aber das war eine Extremsituation.“ Das Zugpersonal habe versucht, sich um die Passagiere zu kümmern. Nachdem von diesen der Wunsch geäußert wurde, den Zug zu verlassen, habe man dies eingeleitet. Zunächst musste dafür aber der Strom auf dem benachbarten S-Bahn-Gleis abgeschaltet werden.

„In Grünau musste man den Zug verlassen, dort wartete keine Polizei und auch keine Feuerwehr, das Zugpersonal evakuierte den Zug und ließ alle Menschen dort stehen“, berichtet Benjamin Priebe. Es seien keinerlei Informationen mehr ausgegeben worden. „Man wurde allein in Berlin stehen gelassen und musste schauen, wie man nun nach Cottbus kommt. Der Notfallmanager verließ unmittelbar nach der Evakuierung den Bahnhof mit den Worten er sei nicht zuständig, die Odeg werde sich um uns kümmern."

Die Deutsche Bahn will sich auf Nachfrage dazu nicht äußern. „Alle Belange der Reisenden sind durch das Zugpersonal des Verkehrsunternehmens wahrzunehmen“, sagt ein Pressesprecher auf Nachfrage lediglich.

Odeg-Sprecher Kiehn gibt zu, dass man die Evakuierung „mit mehr Fingerspitzengefühl“ hätte durchführen können. Statt alle Fahrgäste zu evakuieren, hätte man nur denen ein Aussteigen ermöglichen können, die selbst nach Berlin zurückreisen wollten. Stattdessen musste alle den Zug verlassen. Man habe versucht, über die Feuerwehr und das THW eine Versorgung der Wartenden in Grünau zu ermöglichen. Diese hätten allerdings aufgrund anderer Einsätze keine Kapazitäten gehabt. Als sich ein Mitarbeiter der Odeg endlich bis Grünau durchgeschlagen hatte, seien Geschäfte geschlossen gewesen, sodass keine Versorgung mehr organisiert werden konnte.

Der Eindruck bei den gestrandeten Passagieren war eindeutig. „Der Zug fuhr dann nach 30 Minuten weg, in Richtung Königs Wusterhausen. Die Passagiere wurden allein und ohne Hilfe stehen gelassen. Junge Leute ohne Geld für ein Taxi selbst eine Schwangere wurde sich selbst überlassen", beklagt Leser Benjamin Priebe.

Versuche der Odeg, einen Ersatzverkehr mit Bussen aufzubauen, scheiterten. Die Busbetriebe hätten angesichts der Wetterlage abgelehnt, ihre Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen, berichtet Jörg Kiehn. Aufgrund der Sturmschäden auf den Straßen verständlich. Erst gegen 23.30 Uhr gelang es, eine Ersatzmöglichkeit für die Betroffenen zu organisieren, die dann schließlich Cottbus erreichen konnten. Die Odeg bedauert die Unannehmlichkeiten, die den Passagieren dadurch entstanden sind.