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| 02:33 Uhr

Gestorben im Zuchthaus

Stolperstein Wilhelm Bode.
Stolperstein Wilhelm Bode. FOTO: Tino Schulz
Cottbus. Cottbus, Dissenchener Straße. Vor dem Haus Nummer 98 hemmt ein gelber Stolperstein den Schritt. Ehrung und Gedenken an Wilhelm Bode, den sein Widerstand gegen den Faschismus das Leben kostete. Erika Pchalek/epk9

Geboren wurde Wilhelm Bode im April 1886 im thüringischen Mühlhausen. Sein Lebensweg führte ihn aus den Bergen in die Niederlausitzer Ebene.

Seit 1919 arbeitete er als Schlosser bei der Lokausbesserung in den Zentralen Eisenbahnwerkstätten in Ströbitz. Der Sozialdemokrat wirkte aktiv in der Industriegewerkschaft Eisenbahn mit, war dort viele Jahre Mitglied des Hauptvorstandes. In der Firma wählten ihn seine Kollegen in den Betriebsrat. Am 2. Mai 1933 zerschlugen die Faschisten die freien Gewerkschaften. Deren Häuser wurden besetzt, die Kassenbücher beschlagnahmt, die Konten gesperrt. Dafür entstand die Deutsche Arbeitsfront als Einheitsverband für alle Arbeitnehmer. Das Arbeitsordnungsgesetz von 1934 sorgte für das Verbot der Betriebsräte. Gewerkschaftsfunktionäre flohen aus dem Land.

Wilhelm Bode hielt Verbindung zu Kollegen, die nun im Ausland lebten. Nach Amsterdam und ins spanische Bilbao reichten die Kontakte. Trotz Bespitzelung berichtete er den fernen Gefährten über politische Ereignisse in Cottbus. Über Ländergrenzen wurden Aktionen gegen den deutschen und den spanischen Faschismus organisiert. Nach der Besetzung der Niederlande 1940 fanden die Häscher bei der Verhaftung deutscher Emigranten Aufzeichnungen von Wilhelm Bode. Er wurde verhaftet, vor Gericht gestellt und wegen Hochverrat zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.

Die Nazis brachten ihn nach Brandenburg-Görden. Zwischen 1927 und 1935 entstanden, war das Gefängnis in der Weimarer Republik als Musteranstalt für "humanen Strafvollzug" konzipiert worden. Während des Nationalsozialismus entwickelten es die Machthaber zum "festesten Zuchthaus der Welt". Und zur gefürchteten Zwingburg. Etwa 60 Prozent waren politische Häftlinge. Ab Kriegsbeginn verschleppten die Machthaber Menschen aus ganz Europa nach Brandenburg. 1940/41 wurden im "Alten Zuchthaus" etwa 10 000 behinderte Menschen vergast. Zeitgleich begannen Hinrichtungen. Mehr als 2000 Menschen starben bis 1945 unter dem Fallbeil. Ab 1942 gab die Justiz einen Teil der Gefangenen zur "Vernichtung durch Arbeit" an die Konzentrationslager ab.

Hier also sollte Wilhelm Bode acht Jahre seines Lebens verbringen. Schwere Arbeit und Hunger bestimmten den Häftlingsalltag. Gefürchtet war der Arrest: Eine Dunkelzelle, Wasser und Brot als Nahrung, warmes Essen höchstens an jedem dritten Tag. Als Sonderbehandlung Prügel mit dicken Stöcken.

Schwere Erkrankungen wurden im Zuchthaus zum Todesurteil. Die Tuberkulose grassierte und forderte mindestens 440 Opfer. Wilhelm Bode ist nicht zurückgekehrt aus Brandenburg-Görden. Seine Todesursache kennen wir nicht. Aber wir wissen, dass die Haft mörderisch war. Im Norden von Cottbus erinnert die Bodestraße an den Antifaschisten.

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