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| 17:02 Uhr

Aus dem Gericht
Geständnis im Maskenmänner-Prozess

Cottbus. Im Oktober überfielen Christian W. und Ralf H. Jugendliche und Pizzaboten. Jetzt verantworten sie sich vor Gericht. Von Josephine Japke

In Handschellen werden Christian W. und Ralf H. in den Gerichtssaal im Landgericht Cottbus geführt. Die beiden jungen Männer wirken unbekümmert, scherzen miteinander und tauschen ein paar letzte Hinweise aus. Einzig das Wippen des Fußes zeigt, dass Ralf H. angesichts der Anklageschrift nervös ist. Denn die hat es in sich.

„Handys raus, alle Wertsachen her. Oder denkt ihr, ich mache Spaß?“ So sollen die beiden Angeklagten am 18. Oktober vergangenen Jahres vier Jugendliche bedroht haben. Den Opfern wurde teilweise eine Waffe an die Schläfe gedrückt, wer nichts rausgeben wollte, wurde geschlagen. Eine Stunde später sollen die beiden Männer schwarz ge­kleidet und maskiert mit gezogener Waffe zwei Pizzaboten überfallen und ausgeraubt haben. Auch hier die Drohung: „Wenn ihr jetzt nicht rumschreit und alles hergebt, passiert euch nichts.“ Die Anklage lautet: schwere räuberische Erpressung und versuchte gefährliche Körperverletzung.

Und das alles, um von dem Geld weiter Drogen zu kaufen und seinem, zu diesem Zeitpunkt, ungeborenem Kind etwas zu bieten, wie Ralf H. gesteht. Ecstasy, Koks, Amphetamine und Alkohol konsumierte er zu dieser Zeit regelmäßig. Etwa 30 Euro am Tag gingen für die Drogen drauf.

Doch weil er vom Amt kein Geld bekam und seine Schulden bei Freunden etwa 900 Euro betrugen, entschloss er sich dazu, die Jugendlichen und Pizzaboten zu überfallen. „Es tut mir wirklich leid. Ich habe deshalb nicht mitbekommen, wie mein Kind auf die Welt kommt und kann nicht für meine Familie sorgen. Es tut mir leid“, bereut Ralf H. seine Taten.

Auch Christian W. ist geständig. Er räumt die Taten ein, betont aber immer wieder, dass er sich an den Überfall auf die Jugendlichen nicht erinnern kann. Das Ganze sei spontan und er auf Drogen gewesen. An den Überfall auf die Pizzaboten kurze Zeit später, kann er sich jedoch erinnern, weil das gut durchdacht war. Sein Grund für die Taten ist viel banaler: Er hatte kein Geld, aber Hunger und Durst. Zu seiner Beute zählten neben Geld immerhin auch Pizza und Bananensaft.

Die vier Jugendlichen, alle im Alter zwischen 17 und 19 Jahren, schildern am Dienstag im Landgericht den Vorfall aus ihrer Sicht. Eine Zeugin erklärt, wie ihr beim Überfall die Waffe an die Schläfe gedrückt worden sei, sie diese weggeschoben hat und um Hilfe schreiend davon rannte. Später habe sie geweint und gezittert. Seitdem hat sie Angst davor, im Dunkeln rauszugehen.

Mit einem Schuldgeständnis zu den Überfällen ist es an diesem Tag für Christian W. allerdings nicht getan. In der Justizvollzuganstalt soll er Beamte beleidigt und angegriffen haben. Zwei Vorfälle wurden zur Anzeige gebracht. Während des gesamten Verhandlungstages lässt er sich auch nach kritischen Fragen von Staatsanwaltschaft und Richter nicht aus der Ruhe bringen. Doch in diesem Moment kommen Emotionen hoch.

„Ich hatte Streit mit meiner Freundin, bin aus dem Raum gestürmt und wollte nochmal zurück, als ich mich beruhigt hatte. Doch sie haben mich nicht gelassen“, erklärt Christian W. Das war nicht gut von ihm, die Dinge, die er in dem Moment gesagt hat, tun im leid, er wollte nie einer Fliege was zuleide tun. „Aber manche der Beamten sind auch empfindlicher als andere“, versucht er die Anzeigen zu erklären und verweist darauf, wie schwer das Leben in der JVA sei und wie oft Inhaftierte schikaniert werden würden. Staatsanwältin und Richter haben ein Einsehen und empfehlen, diese Verfahren gegen ihn einzustellen.

Schon zwei Tage vor den Überfällen auf die Jugendlichen und Pizzaboten überfielen Ralf H. und Christian W. einen Asia-Imbiss und erbeuteten mit vorgehaltener Waffe und Pfefferspray etwa 300 bis 400 Euro und Mobiltelefone. Christian W. wurde dafür bereits zu drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ein Urteil zu den weiteren Überfällen könnte Anfang August verkündet werden.