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| 14:42 Uhr

Mittelalterlicher Fund an der Stadtmauer
Gespräche zu Cottbuser Lehmofen laufen

Der mittelalterliche Ziegelbrennofen in der Cottbuser Altstadt stößt bei Passanten und Interessierten auf großes Interesse.
Der mittelalterliche Ziegelbrennofen in der Cottbuser Altstadt stößt bei Passanten und Interessierten auf großes Interesse. FOTO: LR / Bodo Baumert
Cottbus. Der Fund eines mittelalterlichen Brennofens an der Cottbuser Stadtmauer hat in den vergangenen Tagen für Diskussionen gesorgt. Muss das historische Stück wirklich abgerissen werden? Oder gibt es Hoffnung? Von Bodo Baumert

Die Arbeiten auf der Baustelle in der Cottbuser Mühlenstraße laufen auf Hochtouren. Eigentlich hätten die Archäologen schon fertig sein müssen. Die Zeit, die ihnen der Bauherr zur Verfügung stellen muss, um den Baugrund nach historischen Funden zu untersuchen, ist abgelaufen. Dennoch dürfen sie mit Genehmigung der Firma Alpha  Objektverwaltungsgesellschaft, die an der Stelle ein Wohnhaus baut, weitermachen.

Es muss schnell gehen, denn anders als bei anliegenden Grundstücken haben die Grabungstechniker der Cottbuser Firma ABBU diesmal einen erstaunlichen Fund gemacht. Im Untergrund, unmittelbar an der Stadtmauer, kam ein Brennofen für Lehmziegel zum Vorschein. In der vergangenen Woche hat das Landesamt für Denkmalpflege den Fund öffentlich gemacht. Seitdem laufen die Debatten. Denn – das hat Markus Agthe vom Denkmalamt am Dienstag verkündet – der Brennofen wird nicht erhalten bleiben. Die Kosten für eine Sicherung oder einen Abstransport wären zu groß, als das man sie dem Bauherren zumuten könnte.

Das hat viele Bürger verärgert. Reinhard-Wolfgang Machanow ist einer von ihnen. „Gemeinwohl geht vor Eigennutz“, sagt er und fordert, das Fundstück zu erhalten oder wenigstens so zu sichern, dass es nicht zerstört wird. Auch an die Behörde hat sich Machanow gewandt. Am Freitag gab es einen Vor-Ort-Termin, bei dem Markus Agthe mehreren aufgebrachten Bürgern noch einmal den Stand der Dinge erläutert hat. „Archäologisch haben wir alles getan, was wir mussten – und mehr noch“, sagt Agthe. So wurde ein Filmteam organisiert, das den Fund dokumentiert. Auch mit einem 3-D-Scanner wurde ein Modell erstellt, das später eine genaue Untersuchung am „begehbaren“ Objekt ermöglicht. Proben werden zudem in den kommenden Tagen noch entnommen.

„Aus meiner Sicht ist es frevelhaft, diesen Fund nicht im Original zu sichern und gegebenenfalls an anderer Stelle wieder aufzubauen“, schreibt auch Leser Wolfgang Bauch an die RUNDSCHAU. Es sei nicht nachvollziehbar, „wie hier mit einem Puzzleteil unserer Kultur und Geschichte von nicht nur regionaler Bedeutung umgegangen wird“.

Der Fund sei „einmalig“, bestätigt Agthe. Eine Bergung des aus gestampftem Lehm erbauten Ofens wäre technisch möglich, aber sehr aufwändig. Die Kosten wären so hoch, dass man dies dem Bauherren kaum aufbürden könnte, schätzt Agthe ein.

Dennoch gibt es Gespräche mit der Alpha  Objektverwaltungsgesellschaft, die zur Schnapke-Gruppe gehört. „Völlig ergebnisoffen“, sagt Agthe.

„Wir sind im Gespräch“, bestätigt Jörg Schnapke gegenüber der RUNDSCHAU. Details will er noch nicht nennen. Ob es eine Lösung geben und wie diese aussehen könnte, bleibt also abzuwarten.