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Geschichte zum Fühlen und Anfassen

Fachsimpeln, Kontakte pflegen, Geschichte schnuppern bei der Sammlerbörse in Sachsendorf.
Fachsimpeln, Kontakte pflegen, Geschichte schnuppern bei der Sammlerbörse in Sachsendorf. FOTO: Stephan Meyer
Cottbus. Münzen und Briefmarken sammeln – ein Hobby, das offenbar niemals unpopulär wird. Am Wochenende verwandelte sich das Soziokulturelle Zentrum in Sachsendorf in ein Mekka für Münz- und Briefmarkensammler. Stephan Meyer

Der Verein Cottbuser Münzfreunde hatte zur 46. Münzen- und Sammlerbörse geladen. An 27 Ständen konnten die Besucher ihr Hobby ausleben.

"Das sind hier über 60 laufende Meter Geschichte pur" erzählt Alexander Miller vom Verein Cottbuser Münzfreunde. Der 1994 gegründete Verein veranstaltet zwei Mal im Jahr eine Börse, die bei Sammlern aus der Region regen Zuspruch erhält. "Das Interesse ist da" so Miller. "Wir versuchen hier ein Netzwerk aufzubauen, um uns gegenseitig zu unterstützen." Dafür waren Sammler, Händler und Vertreter von Münzvereinen unter anderem aus Guben, Hoyerswerda, Spremberg und Polen angereist. Der Berliner Händler Peter Helmering etwa war positiv überrascht. "Hier herrscht eine angenehme Atmosphäre, ich kann auch meine Kontakte pflegen."

Für Wilfried Schiemann geht es bei seinem Hobby hauptsächlich um den historischen Aspekt. Er nimmt Münzen als Zeitzeugnisse wahr. "Da taucht man in die Vergangenheit ein. Mich interessiert es, was man früher für den Nennwert der Münzen kaufen konnte und wie sich die Zahlungsmittel im Lauf der Geschichte geändert haben" so Schiemann. Seine Sammlung begann er im Kindesalter mit Hindenburg-Talern, die ursprünglich für Zahnfüllungen eingeschmolzen werden sollten. Helmut Müschner hat erst mit 51 angefangen professionell zu sammeln. Der jetzt 91-Jährige tauschte zwar bereits als Soldat Zigaretten gegen ausländische Münzen, seine Schätze landeten aber zu Hause nur in einem großen Topf. "Ich hatte dann mal Besuch von einem anderen Sammler, der zu mir meinte, dass man die Münzen so nicht aufbewahren sollte." Müschner hatte sich mit seiner Frau darauf geeinigt, nicht mehr als 100 Mark pro Monat in die Sammlung zu investieren. "Da bin ich schnell an meine Grenzen gestoßen" gesteht das älteste Mitglied der Münzfreunde. Alexander Miller würde sich freuen, wenn es mehr Nachwuchs in der Szene geben würde. Die meisten Sammler seien jedoch über fünfzig Jahre alt. "Darum hatten wir uns gefreut, als wir bei der letzten Börse im März einen zehnjährigen Sammler begrüßen konnten."