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| 14:18 Uhr

Cottbus früher & heute
Der Königsplatz mit dem Enkebrunnen

Königsplatz mit Enkebrunnen.
Königsplatz mit Enkebrunnen. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte des Enkebrunnens anhand einer historischen Postkarte. Sie stammt aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Endlich ist es soweit, nach zweijähriger Pause, weil der beschädigte Brunnen repariert werden musste, sprudelt wieder der Enkebrunnen. Die alte Postkarte aus dem Verlag von Alfred Nitschke, Cottbus, lässt nicht ahnen, was dieser Brunnen in all den Jahrzehnten „erlebt“ hat.

Zunächst möchte ich erst klar stellen, dass der heutige Rudolf-Breitscheid-Platz bis 1946 Königsplatz hieß, wie es auch auf der alten Postkarte zu lesen ist. Diesen Namen hatte der Platz bekommen, weil auf dem Grundstück Nummer zwei, vermutlich in einem Gartenhaus, im Jahre 1759 König Friedrich der Große bei seinem Besuch in Cottbus Quartier genommen hatte. Die „Lausitzer Landeszeitung“ berichtete im Juli 1929 unter anderem: Der Königsplatz in Cottbus wird zur Zeit gründlich umgestaltet und soll zu einem würdigen Schmuckplatz der Stadt werden. Zur Verschönerung des Platzes wird ein Zierbrunnen aufgestellt werden, den wir heute unseren Lesern zeigen. Der Entwurf stammt von Professor Wilhelm Gerstel in Berlin. Hergestellt wurde der Brunnen von Zeidler und Wimmel in Berlin. Die Ausführung liegt in den Händen des Architekten Professor Eugen Schmohl, Berlin. Enthüllung und Übergabe des Brunnens an die Öffentlichkeit wird voraussichtlich Anfang August erfolgen. Bereits am 14. Juli 1929 fand die feierliche Einweihung statt.

Natürlich wurde dieses Schmuckstück von einem Cottbuser gestiftet. Es war der Verleger, Inhaber der Geschäftsbücherfabrik und Großdruckerei Otto Enke. Die Cottbuser nannten deshalb den Brunnen nach dem Stifter Enkebrunnen. Die Bronzefigur wurde als Tänzerin bezeichnet, obwohl deren Schöpfer Wilhelm Gerstel sie als „Schwebende“ bezeichnet hatte, dazu die wasserspeienden Fische.

Der gesamte Platz wurde neu gestaltet. Auf der alten Postkarte lehnt ein Fahrrad an einer niedrigen Mauer. Diese gehört zu einer Treppenanlage, die in den Untergrund führte. Dort war mit der Schaffung für die Wasseranlage des Brunnens, von zwei Seiten zugängig eine öffentliche Toilettenanlage hergestellt worden. Die Cottbuser nannten sie liebevoll „U-Bahn“.

In den 1930er-Jahren musste die Verkehrsführung am Fuße des Spremberger Turms neu ausgebaut werden und dabei setzte man den Enkebrunnen auf den westlichen, den vorderen Teil des damaligen Kaiser-Wilhelm-Platzes, des heutigen Brandenburger Platzes. Dort stand der Brunnen für viele Jahre relativ geschützt auf einem Stück Wiese, umrahmt von Blumenbeeten. Irgendwann gingen die Fische verloren und die „Schwebende“ erhielt schon mal wärmende Bekleidung. Mal war sie aber auch für längere Zeit verschwunden, sichergestellt. Mit dem Bau von Heizleitungen in der Stadt verlor der nicht mehr funktionstüchtige Brunnen seinen Standplatz. Er fand in der Nähe des Carl-Blechen- Denkmals im gleichnamigen Park mit der „Schwebenden“ einen neuen Standort. Die Figur musste allerdings entfernt und sichergestellt werden. Sie fand immer wieder mal einen unerwünschten Liebhaber. Im Blechenpark geriet der Brunnen fast in Vergessenheit.

Dank der Mitglieder des Rotary-Clubs, vieler Cottbuser und hervorragender Handwerker konnten der Brunnen aufwändig restauriert, die Fische wiederhergestellt werden und der Brunnen im Beisein von Enkelin und Enkel des Stifters Otto Enke am Freitag, den 13. Juni 1997 auf seinem angestammten Platz, dem Rudolf-Breitscheid-Platz, wiederaufgebaut, die diesmal als Nymphe bezeichnete „Schwebende“, enthüllt werden. Man kann nur hoffen, dass die Cottbuser auf die zarte Dame mit Fischen und ihren Brunnen gut aufpassen, damit sich die Menschen lange an dem kleinen Kunstwerk erfreuen dürfen.

Der Rudolf-Breitscheid-Platz mit dem wieder sprudelnden Enkebrunnen heute.
Der Rudolf-Breitscheid-Platz mit dem wieder sprudelnden Enkebrunnen heute. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora und Heinrich Liersch
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: LR / Schubert, Sebastian