ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:25 Uhr

Stadtgeschichte
Mit der Sanierung kehrten auch die Holzschindeln zurück

... und das Teehäuschen heute.
... und das Teehäuschen heute. FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora Liersch
Cottbus. Dora Liersch erzählt die Geschichte des japanischen Pavillons anhand einer historischen Postkarte. Sie stammt aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Der seit 1872 bestehende „Verschönerungsverein“ in Cottbus hatte als letzte größere Aufgabe im Jahre 1901 die Schlosslehne mit einem Wasserfall und besonders auch gärtnerisch recht ansprechend gestaltet. Die Kosten trug der Verein. Die Mitglieder hatten es sich zur Aufgabe gemacht, den grünen Ring um die Altstadt weiter auszubauen. Gegenüber des im Osten befindlichen Schlossberges, also an der westlichen Seite der Stadtmauer, stand der alte Töpferturm, ein etwas höher als die Stadtmauer gebautes Ziegelgebäude mit kräftigem Schornstein. In dem Haus konnten die Töpfer ihre Erzeugnisse brennen. Davor, an der Außenseite der Stadtmauer, befand sich der sogenannte Fliederberg, an dessen Hang die Robelsche Baumschule lag. Das Areal war städtischer Besitz, wurde nicht mehr genutzt und sah verwildert aus. Nach Rücksprache mit dem Magistrat der Stadt beschloss der Verschönerungsverein am 10. Februar 1905 „... noch in diesem Jahre die Herrichtung der Schmuckanlage am Luckauer Wall zwischen der Münzstraße (heute Töpferstraße) und der Klosterstraße auf dem Terrain der ehemaligen Robelschen Baumschule in Angriff zu nehmen. Herr Friedhofsinspektor Kurfeß hat die Pläne für diese Anlage ausgearbeitet. Diese haben die Zustimmung des Vereins gefunden. Die Kosten sind auf rund 3500 Mark veranschlagt und sollen aus den laufenden Einnahmen (des Vereins) gedeckt werden. Auf dem hügligen Terrain der geplanten Anlage werden Terrassen entstehen, auch die Errichtung eines zierlichen Pavillons ist an geeigneter Stelle vorgesehen ...“

Der frühere japanische Tempel ...
Der frühere japanische Tempel ... FOTO: Liersch Dora und Heinrich / Dora Liersch

Im Laufe des Jahres 1905 wurden die geplanten Erdarbeiten durchgeführt, das Gelände mit Terrassen neu gestaltet, Wege und Treppen angelegt, Findlinge als Schmuckstücke verteilt. Im Frühjahr 1906 erfolgten die Anpflanzungen von Laub- und Nadelbäumen, Sträuchern und Stauden. Der geplante Pavillon sollte die gesamte Anlage krönen, doch an der angedachten Stelle stand immer noch der Töpferturm. Bei der Stadtverordnetenversammlung im Juni 1906 bat Oberbürgermeister Paul Werner um die Bewilligung des Abrisses des Bauwerkes und die Genehmigung der Finanzen für den Pavillon und wies nochmals darauf hin, dass die Schmuckanlage die Stadt sonst nichts koste. Daraufhin genehmigten die Stadtverordneten einen Betrag von 2000 Mark. Den Entwurf für den japanischen Pavillon, so seine offizielle Bezeichnung, hatte der Architekt Arno Pasig, der beim Stadtbauamt angestellt war, gefertigt. Gewerbe- und auch Weltausstellungen wie 1896 in Berlin und 1900 in Paris lenkten die Blicke auf die Kulturen und die Baukunst in Fernost. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Cottbuser Architekten diesem Trend folgten.

FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Gleich nach dem Abriss des Töpferturms noch im Juni 1906 begann der Aufbau des Pavillons. Die Erd-, Maurer- und Zimmermannsarbeiten führte der Zimmermeister Alfred Simon, Sohn des Karlstraßennamengebers, mit seiner Firma für 1300 Mark aus. Die Dachdeckerarbeiten waren an einen Fachmann im Riesengebirge, die Firma A. Weißmann in Hirschberg, mit rund 514 Mark vergeben worden. Das Besondere war das Material für die Dacheindeckung: Schindeln aus Espenholz. Die Klempnerarbeiten erhielt die Cottbuser Klempnerfirma Richard Kittel für 870 Mark. Das Kanalwerk bekam für den Regenrohranschluss 87 Mark erstattet. Die Malerarbeiten erledigte Malermeister Otto Quitzke für rund 159 Mark. Nur der farbige Plattenbelag im Innern des Pavillons war zusätzlich das Geschenk des Vereinsmitglieds Otto Schüßler,  Inhaber der Zementwaren- und Maschinenfabrik in Klein-Ströbitz. Die Oberbauleitung lag in den Händen der Hochbauleitung des Stadtbauamtes.

Die Übergabe der neuen Schmuckanlage mit dem Pavillon erfolgte am Montag, 26. November 1906. Sehr umfangreich berichtete der „Cottbuser Anzeiger“ vor allem auch über den Pavillon, „ .. dessen äußerer Aufbau und Farbgebung sich ziemlich streng japanischen Formen – mit Außnahme der Säulen – anschließt. Die Japaner kennen keine Säulen im Sinne des Worts. Es sind daher nach eingehenden Erwägungen die für diese Schmuckanlage als am geeignetsten erscheinenden Palmettenkapitäle mit Säulen gewählt worden, wie sie ähnlich der ägyptische Stil aufweist. Besonders durch die Farbgebung wurde ein dem japanischen Stil entsprechender Übergang geschaffen. Charakteristisch herausgearbeitet sind die geschweiften, weit überstehenden Dachformen ...“

Die Kriegs- und Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs war am japanischen Pavillon nicht spurlos vorüber gegangen. Als die Mitglieder des Verschönerungsvereins 1920 zu einer Generalversammlung zusammen kamen, wies der Stadtrat Michaelis auf den schlechten Zustand des Pavillons hin. Der Verein bot der Stadtverwaltung an, den Pavillon auf Vereinskosten zu streichen, was gern angenommen wurde. 2360 Mark kostete die Renovierung. Neu gestrichen wurde der Pavillon noch öfter. Anfang der 1960er-Jahre erhielt das Podest, auf dem der Pavillon stand, eine Umfassungsmauer, verschwanden Treppen, Wege und auch die Findlinge. Einige überalterte Bäume, meist Kastanien, mussten beseitigt werden. Es gab eine Neugestaltung des Umfeldes und neue Pflanzungen, dazu gehörten Stauden und Gehölze, die ihren Ursprung in Japan haben.

Größe Veränderungen brachten die Bauarbeiten für das neue Stadtzentrum mit der Verlegung der Straßenbahntrasse auf die westliche Seite der Stadtmauer. Dabei wurden am Berliner Platz die Gleise Richtung Schmellwitz weiter nach Osten und höher verlegt.

Inzwischen gibt es im Umfeld des japanischen Pavillons wieder schmückende Steine, wieder zwei Treppenanlagen, und auch der Pavillon selbst wurde denkmalpflegerisch saniert (2001/02). Er hat sein Geländer, seine Farbgebung und seine Holzschindelbedachung zurück erhalten (zu DDR-Zeiten waren es Preolitschindeln). Schon bei der Einweihung der kleinen Schmuckanlage mit dem Pavillon vor fast 112 Jahren bat man die Cottbuser um Unterstützung zum Erhalt und zum Schutz dieser architektonischen Kostbarkeit – und das ist auch heute noch dringend nötig.