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| 15:00 Uhr

Früher & heute
Geschichte der Sandower Brücke

Spreepartie mit Sandower Brücke auf einer historischen Postkarte.
Spreepartie mit Sandower Brücke auf einer historischen Postkarte. FOTO: archiv
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Sandower Brücke anhand einer historischen Postkarte. Sie stammt aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

In dem Buch „Stadt und Herschaft Cottbus im 30jährigem Kriege“ von Fritz Schmidt lesen wir in dem Abschnitt, Wallenstein rückt heran: „Am 27. Juli 1626 teilte der Amtshauptmann von Cottbus den geheimen Räten in Berlin mit ... Aus Luckau habe er erfahren, daß die Friedländische Armee am 26. Juli aus der Dessauer Schanze aufgebrochen sei, auch die Artillerie solle durch Cottbus gehen. Aber die hiesigen Brücken so beschaffen wären, daß sie eine so schwere Last nicht tragen könnten, möchte dies den Kommissarien mitgeteilt werden, damit die Artillerie vielleicht einen anderen Weg einschlagen könnte ... Die Brücken und Wege sollten schleunigst repariert werden, damit nicht die Armee zum Verdrusse des Kurfürsten und seiner Untertanen mehrere Tage liegen bliebe. Zur Besichtigung der Cottbuser Brücken schickte der Kurfürst seinen Mühlmeister von Cölln. Die Herbeischaffung des nötigen Holzes wurde dem Amtshauptmann besonders ans Herz gelegt. Im Notfälle sollte er den Adel und die Stadt dabei heranziehen und auch Schiffe bereit halten, damit das Kriegsvolk auch über einen Fluß ohne Brücke gehen könne...“

So erfahren wir auch, dass die Brücke vor dem Sandower Tore eine hölzerne Brücke war und in den folgenden Monaten verstärkt wurde. Gewiss sind diese und weitere Holzbrücken an dieser Furt über die Spree immer wieder erneuert, oder ausgebessert worden. Auf den Zeichnungen und Aquarellen des Cottbuser Malers Heinrich Vester aus der Zeit um 1840 ist die hölzerne Sandower Brücke sehr anschaulich dargestellt.

Die letzte Holzbrücke war 1812 erbaut worden. Allerdings mussten die hölzernen Brückenpfeiler bereits 1879 durch steinerne Pfeiler ersetzt werden, der Holzbohlenbelag war sowieso im Laufe der Jahre mehrfach erneuert worden. Nun sollte eine eiserne Brücke dem vermehrten Verkehrsaufkommen länger Stand halten. Der „Cottbuser Anzeiger“ Nr. 150 vom August 1879 berichtete über das neue Bauwerk: „Die ganze von Eisen konstruierte Brücke ist im Eisenhüttenwerk Lauchhammer hergestellt, besteht aus 3 Joch von je 11 Meter Länge, welche ihre Stützpunkte in den beiden Strom- und den beiden Landpfeilem finden, sodaß die Gesamtlänge der Brücke 33 Meter beträgt, die Gesamtbreite 8,50 Meter und das Gesamtgewicht des Eisens zirka 700 Zentner. Die Breite des für den Wagenverkehr bestimmten Fahrdammes beträgt 5,50 Meter. Für den Personenverkehr ist auf beiden Seiten ein etwas erhöhter Damm von 1,50 Meter Breite hergestellt. Die eisernen Träger erhalten auf dem Fahrdamm einen doppelten Belag von starken Bohlen, die Zimmermeister Simon liefert. Die Brücke erhält ein hübsches eisernes Geländer, an das ein polierter Holzbelag kommt.“ Diese eiserne Sandower Brücke war die erste, die neben der Fahrbahn beidseitig etwas erhöhte Bürgersteige bekam.

Die bisherigen Holzbrücken hatten stets nur eine gemeinsame Verkehrsebene für Fahrzeuge und Fußgänger, die deshalb oft nur unter Lebensgefahr die Brücke über die Spree nutzen konnten. Unsere alte Ansichtskarte zeigt diese eiserne Brücke. Hergestellt wurde die Postkarte im Cottbuser Verlag Alfred Nitschke im Jahre 1910.

Diese eiserne Brücke war so stabil gebaut, dass ab 1904 auch die Straßenbahn fahren konnte, allerdings war damit die Brücke zu schmal geworden.

Doch es vergingen noch mehr als 25 Jahre, bis an einen neuen, breiteren Brückenbau gedacht werden konnte. Vor allem ragte auf der Sandower Uferseite das alte Hospitalgebäude weit in den benötigten Straßenbereich hinein. Deshalb musste dieses geschichtsträchtige Haus leider abgerissen werden.

In den Jahren 1930/1932 wurde die neue Sandower Brücke gebaut. Beauftragt war damit die Bau- und Industriegesellschaft unter der Leitung des Maurermeisters Johannes Günther. Die Brücke sollte eine Stahlbetonkonstruktion werden und dazu noch vier Meter breiter als ihre Vorgängerin. Leider war diesem vorbildlichen Brückenbau, der eine knappe Viertelmillion Reichsmark gekostet hatte, keine lange Lebensdauer beschieden.

Zum Ende des Krieges, im April 1945, wurde diese Brücke gesprengt. Mühsam, wieder mit einer Holzbohlenbrücke, begann der Wiederaufbau der Sandower Brücke als wichtiger Teil der Verkehrsader nach dem Cottbuser Osten. Am 3. Oktober 1957 konnte der Cottbuser Oberbürgermeister Bomski die neuste Sandower Brücke, ein Stahlbetonbau, der rund 1,25 Millionen Mark kostete, einweihen.

Spreepartie mit wiederaufgebauter Brücke heute.
Spreepartie mit wiederaufgebauter Brücke heute. FOTO: Dora Liersch
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: LR / Schubert, Sebastian