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| 14:44 Uhr

Cottbus
Die Geschichte der Pückler-Brücke

Cottbus gestern & heute:..Pückler-Brücke
Cottbus gestern & heute:..Pückler-Brücke FOTO: Dora und Heinrich Liersch / Liersch Dora und Heinrich
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Pückler-Brücke 1932. Dabei nutzt sie eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause und stellt ihr ein aktuelles Foto gegenüber.

Den Begriff Pückler-Brücke gibt es heute nicht mehr, eine Pücklerstraße schon, aber die befindet sich heute im Dorf Branitz. Doch im Cottbuser Zentrum gab es nach 1892 eine Pücklerstraße. Sie befand sich zwischen der Briesmannstraße und reichte bis zu den Tuchfabriken auf der Mühleninsel.

Man kann es sich heute gar nicht vorstellen, dass es Jahrhunderte lang nur eine Spreebrücke gab, über die der gesamte Fußgänger-, aber besonders auch Fuhrwerksverkehr von der Stadt ostwärts beziehungsweise auch umgekehrt möglich war. Diese älteste Übergangsmöglichkeit bot nur die Sandower Brücke.

Im Zuge der industriellen Entwicklung in Cottbus musste über den Bau einer zweiten, besonders für Fahrzeuge benötigten Brücke über die Spree nachgedacht werden. Bei der Sitzung der Stadtverordneten am 1. Dezember 1926 sprachen zwei Stadtverordnete dieses Thema, den Bau einer zweiten Spreebrücke, an. Allerdings hatten Magistratsmitglieder bereits weiter gedacht. Vorarbeiten für den Bau einer solchen Brücke seien schon aufgenommen worden. Dabei denke man an die Verbindung der Pücklerstraße über die blaue Brücke, die Mühleninsel und über die Spree nach Sandow zur der Gildenstraße zu fuhren. Man plane, den Brückenbau 1927 auszuführen und 1928 in Betrieb zu nehmen.

Im Jahre 1927 wurde zuerst die blaue Brücke über den Mühlgraben erneuert und verbreitert. Fast gleichzeitig begann die Stadt Cottbus auch mit dem Bau der neuen, zweiten Spreebrücke. Über die allgemeinen Brückenbautätigkeiten berichtete seinerzeit der Cottbuser Anzeiger ausführlich. Besonders aufschlussreich ist der Bericht vom 4. November 1927. Darin heißt es unter anderem: „... Befriedigt über den Stand der Arbeiten, verläßt der Spaziergänger (der sich die Brückenbaustelle an der Uferstraße angeschaut hatte / D.L.) den Stadtpark, um sich der Pücklerstraße zuzuwenden. Hier zeigt sich die blaue Brücke, die gleichfalls über den Mühlgraben führt, in ihrer neuen, sehr modernen Gestalt. Praktisch und architektonisch schön wirkende Beleuchtungsanlagen, die abends reichlich Licht spenden, ragen weit über das Brückengeländer hinweg. Wenn man die Brücke passiert, zeigt sich im Zuge der Pücklerstraße östlich eine neue Baustelle im Blickfeld. Auch hier wieder Bretter und Balken, Eisengerüste und riesige Sandhaufen. Seit Anfang September ist man dabei, eine Brücke über die Spree zu errichten, die den Namen Pücklerbrücke erhalten soll. Schon sind die Grundpfeiler verankert und eine Reihe von Querbalken befestigt. Die Brücke wird eine 8 Meter breite Fahrbahn erhalten. Die über sie hinweg führenden Bürgersteige werden je 3,50 Meter breit werden. Im Bedarfsfälle kann dann später, wenn etwa einmal bei der weiteren Entwicklung unserer Stadt eine Straßenbahnlinie an dieser Stelle führen sollte, die Fahrbahn auf Kosten der Bürgersteige auf eine Breite von 10 Metern gebracht werden. Man rechnet damit, daß die Witterungsverhältnisse die Fertigstellung der Brücke noch vor Weihnachten ermöglichen werde. Gleichwohl wird die Pücklerbrücke dann noch nicht dem Verkehr übergeben werden. Man will vielmehr erst die dahinterliegende Straße, die jetzt den Namen D 86 trägt und zur Förster Straße hinüber führt, ausbauen und pflastern. Die Straße soll eine Breite von 24 Metern erhalten. ... Man denkt daran, die gesamte Pücklerstraße mit der blauen und der Pücklerbrücke zu einem Hauptzufahrtsstrang für unsere Stadt auszugestalten und trifft daher alle Maßnahmen, durch breite Fahrdämme Raum für regen Fuhrwerksverkehr zu schaffen. Mit dem praktischen Zweck der Pücklerbrücke verbindet sich auch ein ideeller: die geschmackvoll ausgeführten Brücken über den Mühlgraben und über die Spree werden unserem Stadtbilde zur Zierde gereichen.“

Die neu geschaffene Verbindungsstraße in Sandow wurde beidseitig mit Säulenpappeln bepflanzt. Eine lange Lebenszeit ist diesen schönen Stahlbetonbrücken nicht geschenkt worden. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs, im April 1945, sind sowohl die Sandower Brücke wie auch die Pücklerbrücke von Deutschen gesprengt worden, um den Vormarsch der Roten Armee aufzuhalten. Der Fotografenmeister Heinrich Lucia hat mit den Fotografien der gesprengten Brücken diesen Kriegswahnsinn zur Erinnerung und Mahnung festgehalten. Holzstege statt der einstigen Pücklerbrücke dienten den Fußgängern zur Überquerung der Spree an dieser Stelle. Eine ziemlich wacklige Angelegenheit. (Die Sandower Brücke hatte zunächst einen stabileren Holzbrückenersatz bekommen.)

Es sollten noch einige Jahre vergehen, bis die LAUSITZER RUNDSCHAU am 18. Dezember 1954 berichten konnte: „Neue Brücke dem Verkehr übergeben. Gestern wurde von einem Vertreter des Staatssekretariats, Kraftverkehr Berlin, und in Anwesenheit des stellvertretenden Bürgermeisters Kollegen Schaub die neue Brücke über die Spree in der Franz-Mehring-Straße dem Verkehr übergeben. Damit wurde wieder eine der zahlreichen Wunden, die auch unsere Stadt durch den faschistischen Krieg erlitten hatte, geheilt. Die Kollegen von der Firma Beuchelt & Co., Berlin, und vom Kreisbaubetrieb Cottbus haben hier in fleißiger Arbeit ein Werk geschaffen, das von dem friedlichen Aufbauwillen unserer Republik Zeugnis ablegt.“

Es war wieder eine Stahlbetonbrücke mit leicht geschwungenen Brückenteilen, auf älteren Postkarten sind diese gut zu sehen. Diese Brücke ist inzwischen auch Vergangenheit. Eine 2001/2002 neu gebaute verbreiterte Brücke steht nun als dritter Brückenbau an der Stelle der alten Pücklerbrücke.

Die Pücklerbrücke im Jahr 1932.
Die Pücklerbrücke im Jahr 1932. FOTO: Sammlung Hans Krause
2c Cottbus Früher Heute
2c Cottbus Früher Heute FOTO: Schubert, Sebastian / LR