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| 02:33 Uhr

Geschenk für den Altmeister

Hier wird eine Blickbeziehung vom Hardenbergplatz zum Branitzer Schloss wiederhergestellt.
Hier wird eine Blickbeziehung vom Hardenbergplatz zum Branitzer Schloss wiederhergestellt. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Das wichtigste Werkzeug des Landschaftsgärtners im Winter ist die Axt. Dieser Satz ist beim gestrigen Branitzer Parkseminar zu Ehren des Cottbuser Garten- und Landschaftsarchitekten Helmut Rippl vielfach gefallen. Wenngleich bei der praktischen Demonstration meist die Motorsäge den Part der Axt übernahm. Ulrike Elsner

Ein schöneres Geschenk hätten ihm seine Weggefährten, Schüler und Bewunderer nicht machen können: Prof. e.h. Helmut Rippl, der in der Lausitz als Parkdenkmalpfleger, Stadt- und Grünplaner seine Spuren hinterlassen hat, ist kürzlich 90 Jahre alt geworden. Sein Wunsch, wichtige Pücklersche Sichtachsen wieder freizulegen und damit die ganze Schönheit des Branitzer Parks erlebbar zu machen, wurde am Mittwoch - als nachträgliches Geburtstagsgeschenk - erfüllt.

Während ein paar junge Buchen am Hardenbergplatz fallen, um die Blickbeziehung zum Schloss wiederherzustellen, führt der 90-Jährige höchstpersönlich mit erstaunlicher Energie interessierte Gäste durch den Park.

"Die Säge ist wichtig, aber es müssen jetzt auch mehr junge Bäume gepflanzt werden", sagt Rippl. In der Baumuniversität an der Schlossgärtnerei warten indes schon junge Graupappeln darauf, in den Park gepflanzt zu werden. Pücklers Alterswerk, für dessen Erhalt er selbst unschätzbar viel geleistet hat, sieht der 90-Jährige in den allerbesten Händen.

Parkleiter Claudius Wecke, für 12 000 Bäume in Branitz verantwortlich, hält als Seminarleiter die Fäden in der Hand. Es gehe darum, "Parkbilder durch gezielte Entnahme störender wildgewachsener Gehölze zurückzugewinnen und damit den Park in seinem Erscheinungsbild zu bewahren", sagt er.

Das ist eine ständige Aufgabe der Branitzer Gärtner. In diesem Jahr liegt der Fokus aber auf dem schlossnahen Raum, wo sich die Cottbuser am besten auskennen und wo deshalb auch besonders deutlich wird, welche Effekte mit Axt und Säge zu erzielen sind.

Dabei ist dem Parkleiter durchaus klar, dass Bäumefällen bei den Menschen mit Emotionen verbunden ist. Genauso stehe jedoch fest, "dass wir den Pücklerpark nur bewahren können, wenn wir gezielt Altbäume freistellen". Grundlage dafür ist eine kürzlich fertiggestellte Karte, die den Park in allen Entstehungsphasen zeigt. Genauso wichtig sei es jedoch auch, den Pücklerschen Geist in allen späteren Veränderungen aufzuspüren. Was auch dank des Wissens von Zeitzeugen wie Helmut Rippl gelingt.

Inzwischen sind die Arbeiten soweit fortgeschritten, dass die Pokallinde auf der Schlosswiese wieder ins Zentrum des Blickes rückt, wenn sich der Betrachter am Wegekreuz zwischen Mondbergen und Schlossbrücke befindet. Auch vom Rehgarten aus, wo der Fürst einst zahme Hirsche gehalten hat, und vom Hardenbergplatz ist die Blickbeziehung zum Schloss wiederhergestellt. Besonders von den Brücken im Park aus - das ist ein Tipp für die Besucher - werden heute wieder wie zu Pücklers Zeiten wunderbare Sichten erlebbar.

Dass das so ist, dafür arbeiten auch Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann und der frühere Oberförster bei Vattenfall Dr. Karl Preußner an diesem Tag. Für beide war es selbstverständlich, beim Parkseminar zur Axt zu greifen, um den Altmeister Helmut Rippl zu ehren. "Ich habe bei der Rekultivierung von Bergbaufolgeflächen häufig überlegt: Wie würde Helmut Rippl das machen?", erinnert sich Karl Preußner. Und Hagen Engelmann stellt fest: "Er war immer mein Lehrer. Wir haben häufig diskutiert, warum man was wie macht."