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| 17:49 Uhr

Spannungsfeld zwischen Kultur und Politik
Intendant bangt um Kunstfreiheit

Gerhard Printschitsch von der Theaternative C zieht nach 30 Jahren eine sorgenvolle Bilanz.

Inzwischen schaut er mit ähnlicher Verwunderung auf die Stadt Cottbus wie auf sein Heimatland Österreich. Gerhard Printschitsch leitet seit 30 Jahren die Theaternative C. Gerade bereitet er sich auf die Premiere der „Pension Schöller“ vor, einer Komödie, die ab Freitag in seinem Haus läuft.

Allerdings trägt er sich derzeit eher mit Sorgen. Niemals hätte er geglaubt, dass die Alternative für Deutschland, die AfD, in Cottbus so erfolgreich werden könne, stellt er bei einer Zigarre im Hof des Theaters fest. „Es hat mich überrascht, so vielen Intellektuellen zu begegnen, die sagen, sie wählen diese Partei aus Protest.“

Nachdenklich zeigt sich Gerhard Printschitsch auch, weil es nach seinen Worten einen anderen Cottbuser Theaterleiter gibt, der die Zeichen richtig deutete. Er bezieht sich auf Reinhard Drogla. Viel früher als er habe der Chef des Piccolo-Theaters geahnt, wie stark sich die politische Landschaft in Cottbus verändern würde.

Warnsignal im Landtag

Dabei gab es ein Warnsignal im Potsdamer Landtag, wie Gerhard Printschitsch einräumt. Eine Anfrage des AfD-Politikers Andreas Kalbitz vom Oktober 2018 widmete sich dem Stück „KRG“ am Piccolo-Theater, das die Gefahr eines neuen Faschismus beschreibt. Andreas Kalbitz wollte aufgrund dieser Inszenierung von der Landesregierung erfahren, woran die finanzielle Förderung des piccolo-Theaters geknüpft ist. Eine Frage des AfD-Politikers lautete: „Wie viele Stücke mit dezidiert aktuellem gesellschaftlichen und oder politischem Bezug ähnlich dem Theaterstück ,KRG’ wurden in den Jahren dieser Legislaturperiode im piccolo-Theater aufgeführt?“

Diese Anfrage stimmt Gerhard Printschitsch von der Theaternative C immer noch fassungslos. „Hier hat eine Partei mehr oder weniger subtil den Versuch unternommen, sich in den Spielplan eines Theaters einzumischen.“ Mittlerweile sei es also wieder denkbar, dass in Deutschland die Freiheit der Kunst beschnitten werde.

So plant Gerhard Printschitsch eine Lesung aus dem Buch „Alles kann passieren“ von Florian Klenk und Doron Rabinovici, das den Aufstieg der Populisten in Europa beleuchtet. Verdrossen äußert er sich über das politische Klima in seinem Heimatland Österreich. Der geheime Videomitschnitt, nach dem der FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache seinen Rücktritt einreichte, „das hat ja fast schon was von Shakespeare“, sagt Gerhard Printschitsch. „Der stellt sich jetzt hin als Unschuldiger, der hintergangen wurde, und damit wird er durchkommen.“ Ebenso werde der österreichische Kanzler Sebastian Kurz von einer Neuwahl profitieren und die absolute Mehrheit erlangen.

Premiere des Tatortreinigers

Zu den Sorgen des Intendanten passt eine weitere Premiere der Theaternative C, geplant für den August: „Der Tatortreiniger“ nach der gleichnamigen deutschen Fernsehserie, für die Bühne in der Petersilienstraße inszeniert von Roland Heitz. Eine Episode daraus lässt Gerhard Printschitsch nicht mehr los. In „Schottys Kampf“ trifft der Protagonist auf einen Rechtsextremen, der zu ihm sagt: „Gucken Sie, was in Europa vor sich geht, da müssen Sie doch zu uns kommen.“

Vielleicht führt der politische Druck auch dazu, dass Künstler stärker zusammenhalten. Das räumt Gerhard Printschitsch ebenso ein wie Reinhard Drogla, mit dem er sich heute nach eigenem Bekunden besser versteht als in der Vergangenheit. Reinhard Drogla merkt dazu an: „Oft wurde eine Konfliktsituation in unsere Häuser hineininterpretiert, die wir alle gar nicht wollten.“ Jeden Versuch, die Theater gegeneinander auszuspielen, bezeichnet der Piccolo-Chef als „unerträglich“. Vielmehr habe jedes künstlerische Konzept seine Berechtigung.

 Theaterchef Gerhard Printschitsch.
Theaterchef Gerhard Printschitsch. FOTO: Marko Ziesemer