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| 18:27 Uhr

Führungswechsel bei der Kleinen Komödie Cottbus
Rolle rückwärts bei der Theaternative

Cottbus. Nach dem Rücktritt von Hauke Tesch als Leiter der TheaterNative C wird dessen Vorgänger auch zu seinem Nachfolger. Von Ulrike Elsner

Nach der Krise des Staatstheaters ist jetzt auch die TheaterNative C in schwieriges Fahrwasser geraten. Hauke Tesch, vor fünf Monaten als Nachfolger des langjährigen Theaterleiters Gerhard Printschitsch angetreten, hat am Donnerstagabend sein Amt niedergelegt. Noch am gleichen Abend nahm die Theatergesellschaft C, Träger des kleinen Theaters, Gerhard Printschitschs Angebot an, den Chefposten bis zur Neubesetzung kommissarisch zu übernehmen.

Die Nachricht über den Rücktritt Hauke Teschs erreichte die Theatergesellschaft C kurz vor Beginn ihrer planmäßigen Vorstandssitzung, die damit zur Krisensitzung wurde. Anschließend berichtete der Vorstandsvorsitzende Michael Stein über „unüberbrückbare Differenzen bei der Führung des Theaters“ sowie bei der Gestaltung des Sommertheaters, alljährlicher Höhepunkt im Spielplan.

Die ursprünglich für Anfang Juli geplante Eröffnung sei aber durch offene Fragen zu Stückwahl, Aufführungsrechten und Besetzung gefährdet gewesen, sagt Gerhard Printschitsch, der auch nach seinem Abschied vom Chefposten im Januar weiter als Regisseur und Schauspieler aktiv war. Für ihn gehört das Sommertheater zur Identität der Kleinen Komödie. Im RUNDSCHAU-Gespräch aber wirft Printschitsch seinem Nachfolger vor, dem Sommertheater nicht die gleiche Bedeutung beigemessen zu haben.

Diesen Vorwurf weist Hauke Tesch zurück. „Dass die Planung des Sommertheaters hängt“, erläutert er, „hat auch mit unseren unterschiedlichen Auffassungen zu tun.“ Gutes Sommertheater benötige nicht unbedingt eine große Besetzung. Dennoch sei von ihm verlangt worden: „Das Sommertheater muss repräsentativ sein.“ Für ein Stück mit zehn Darstellern plus zwei Musikern habe er aber die wirtschaftliche Verantwortung nicht übernehmen können.

Sein Plan, kleine Stücke wie Ephraim Kishons Musical „Es war die Nachtigall“ auf die Bühne zu bringen, habe der Vorstand nicht akzeptiert. „Ich bin dem Vorstand verpflichtet und ihm gegenüber rechenschaftspflichtig“, räumt Hauke Tesch ein. Der Vorstand könne Rechenschaft über die Verwendung der Gelder verlangen. Allerdings habe es zunehmend Interventionen im Hinblick auf die künstlerische Ausrichtung des Theaters gegeben. „Aber die Kunst ist frei“, so Hauke Tesch. „Und wenn ich als Theaterleiter in künstlerischer Richtung nicht frei entscheiden darf, dann bin ich im falschen Haus.“

Jetzt heiße es, nach vorn zu schauen, betont Michael Stein. Es gehe darum, „dass Cottbus auf seinen Theatersommer nicht verzichten muss“. Dafür trete Gerhard Printschitsch als kommissarischer Theaterleiter bis zur Neubesetzung des Postens an. Printschitsch plant als Sommerpremiere die musikalische Komödie „Millionen für Penny“ sowie als Wiederaufnahme unter anderem „Der eingebildete Kranke“. Für die Hauptrolle habe er in beiden Fällen die Schauspielerin Viola Kuch gewinnen können. Insgesamt gestalte sich die Besetzung aber schwierig, weil die meisten Darsteller ihre Sommerengagements schon unter Dach und Fach haben. Deshalb gebe es noch keine konkreten Termine für den voraussichtlich Mitte Juli beginnenden Theatersommer.

Doch Michael Stein verspricht: „Cottbus darf sich auf einen schönen Theatersommer freuen.“ Gleichzeitig räumt er jedoch ein: „Ich bin enttäuscht, dass der Generationswechsel misslungen ist“. Voraussetzung für den Erfolg wäre gewesen, dass „beide Seiten lernen, dass man aufeinander Rücksicht nimmt und sich gegenseitig akzeptiert“.