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| 16:48 Uhr

Cottbuser Stadtgeschichte
Theaterchef zieht Bilanz

 Gerhard Printschitsch blickt auf die vergangenen 30 Jahre zurück, in denen er die Theaternative C in Cottbus leitete.
Gerhard Printschitsch blickt auf die vergangenen 30 Jahre zurück, in denen er die Theaternative C in Cottbus leitete. FOTO: TheaterNative C
Cottbus. Gerhard Printschitsch leitet das Haus in der Cottbuser Petersilienstraße seit 30 Jahren.

Bis hierher war es ein wunderbares Leben. So urteilt Gerhard Printschitsch über die vergangenen 71 Jahre, von denen er drei Jahrzehnte die Theaternative C begleitet hat. Ein wunderbares Leben, im Negativen wie im Positiven.

Gerhard Printschitsch sagt, ein Theater aufzubauen, sei schon ein extremer Schritt. Er hätte ja auch einfach nur Schauspieler bleiben und sich so viel Ärger ersparen können. Doch im August 1989, kurz bevor die DDR zusammenbrach, war ihm klar, dass Cottbus ein alternatives Theater braucht. So erinnert er sich heute an den Anstoß, selbst ein Haus zu gründen. Das erste private Theater der DDR, wie Gerhard Printschitsch sagt. Die ersten drei Inszenierungen habe er aus eigener Tasche bezahlt, bis seine Frau sagte, es sei kein Geld mehr auf dem Konto.

Der damalige Chef der Stadthalle, Dieter Nehmzow, erfuhr damals vom Theater. Das komme ihm gelegen, sagte er zu Gerhard Printschitsch. Die kleine Kammerbühne in der Stadthalle sei nämlich nicht ausgelastet, und so könne sie doch als Bühne dienen.

Frischer Wind in der Szene

Der Leiter der Theaternative C sagt: „Wir wollten damals Stücke spielen, die vorher in der DDR nicht aufgeführt werden durften.“ Eine Zeitlang habe das Konzept auch funktioniert. Im Jahr 1992 kam Christoph Schroth als Intendant an das Cottbuser Staatstheater, der nach den Worten von Gerhard Printschitsch „die tollen Inszenierungen“ auf die Bühne brachte und die Szene in der Stadt aufwirbelte. Da sei der Mannschaft der Theaternative C klar geworden, dass sie sich ein neues Konzept suchen müsse, wenn sie weiter bestehen wolle.

Sie versuchte es mit Musik. Als einen „Riesenerfolg“ bezeichnet Gerhard Printschitsch das „Café Wahnsinn“, aufgeführt in der Stadthalle. Dann folgte ein Einschnitt. Dem Umbau der Stadthalle fiel die Kammerbühne zum Opfer und somit die feste Spielstätte. Innerhalb von 24 Stunden erhielt die Theaternative C jedoch 15 Angebote für eine neue Adresse. Die Mitarbeiter entschieden sich für die Karl-Liebknecht-Straße 102. Im Jahr 2002 zogen sie schließlich dorthin weiter, wo sie bis heute ihre Stücke aufführen, in die Petersilienstraße.

Kurz darauf kam ans Licht, dass die Staatssicherheit Gerhard Printschitsch vom Jahr 1979 bis Anfang 1989 als Inoffiziellen Mitarbeiter geführt hatte. Dazu sagt er heute: „Über diese Zeit möchte ich mich nicht mit wenigen Sätzen äußern, weil das Thema zu komplex ist.“

 Einen „Wahnsinnigen Theaterabend“ mit Heidemarie Stärk, Regine  Lehmann Lauenburg, Andrea Kulka und Martin Eitner (v.l.) servierte die Theaternative C in den Neunzigern.
Einen „Wahnsinnigen Theaterabend“ mit Heidemarie Stärk, Regine  Lehmann Lauenburg, Andrea Kulka und Martin Eitner (v.l.) servierte die Theaternative C in den Neunzigern. FOTO: printschitsch

Ende ließ sich abwenden

Im Jahr 2011 kam es zu einer weiteren Krise. Eine Summe von 500 000 Euro musste die Stadt Cottbus bei freiwilligen Zuweisungen sparen. Das bedeutete: Häusern wie dem Konservatorium, der Stadt- und Regionalbibliothek, dem Tierpark und dem Glad-House stand plötzlich weit weniger Geld zur Verfügung. 19 000 Euro weniger erhielt die Theaternative C, der damit 50 000 Euro blieben. Gerhard Printschitsch sagte damals: „Die Schließung unseres Hauses steht im Raum.“

Das Ende ließ sich dann doch noch abwenden, indem das Theater genau so eisern sparte wie die Stadt. Inzwischen erhält es wieder 75 000 Euro pro Jahr, von denen 15 000 Euro in Miete, Strom und Gas fließen.

Nicht nur der finanzielle Rahmen hat sich in den vergangenen 30 Jahren geändert. Auch das steigende Tempo im Alltag der Menschen wirkt sich auf das Theater aus. Früher inszenierten Gerhard Printschitsch und seine Mitstreiter Stücke, die drei oder gar vier Stunden dauerten. Heute erwartet das Publikum, dass eine Geschichte in zwei Stunden erzählt wird. So passt sich das Haus der Moderne an. „Dass es das Theater noch immer gibt, ist den tollen Schauspielern und den fleißigen Mitarbeitern hinter der Bühne zu verdanken“, sagt Gerhard Printschitsch.