ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:36 Uhr

Premiere in Cottbus
Vorhersehbarer Spaß mit Überraschungen

 Ende gut, alles gut auf der Bühne der Kleinen Komödie Cottbus: Mit der Inszenierung "Pension Schöller" begeisterte die Theaternative C das Premierenpublikum in der romantischen Kulisse des Innenhofs in der Petersilienstraße.
Ende gut, alles gut auf der Bühne der Kleinen Komödie Cottbus: Mit der Inszenierung "Pension Schöller" begeisterte die Theaternative C das Premierenpublikum in der romantischen Kulisse des Innenhofs in der Petersilienstraße. FOTO: Ingrid Hoberg
Gerhard Printschitsch bringt den Schwank „Pension Schöller“ auf die Sommerbühne der Kleinen Komödie Cottbus.

In der Petersilienstraße, vor der Kleinen Komödie Cottbus, wird am Freitagabend erst einmal ein Auto abgeschleppt – was wie ein Teil des Stückes „Pension Schöller“ wirkt, ist der normale Parkplatz-Wahnsinn in der Innenstadt. Unbeeindruckt von dem Trubel auf der Straße begrüßt der Kellner die Gäste der Premiere und wünscht einen angenehmen Abend.

Schnell füllen sich die Plätze im Innenhof, die Glocke läutet, Spot an, die Vorstellung kann beginnen. Wie manche Idee, die aus Geldmangel geboren wird, etwas Irrwitziges hat, so ist es auch der Einfall, den der klamme Alfred (Bernd Reichelt) mit seinem Freund Kissling (Dieter Gericke) ausheckt. Onkel Klapproth (Wolfgang Linnenbrügger), einem wohlhabenden Gutsbesitzer, soll die Pension Schöller als Heilanstalt für Geisteskranke „verkauft“ werden. Ein Besuch in einem solchen Hause ist der größte Wunsch des Provinzlers, wenn er die große Stadt Berlin besucht. Damit kann er am Stammtisch prahlen. Der Schwank, den Carl Laufs und Wilhelm Jacoby im Jahr 1890 herausbrachten und im Berlin ihrer Zeit spielte, hat seither unzählige Theater-, Film- und Hörspielinszenierungen erlebt.

Nun hat also Theaterchef Gerhard Printschitsch eine Fassung für das Cottbuser Sommertheater geschrieben und mit einem aus ganz Deutschland zusammengekommenen Ensemble inszeniert. „Alle terminlich unter einen Hut zu bringen, war die größte Herausforderung“, sagt er. „Seinen“ Sprachfehler, von dem er als Möchte-gern-Schauspieler Eugen geplagt ist, hat er im Gespräch gleich nach dem Premierenapplaus nicht mehr – obwohl es schon eine Herausforderung sei, sich den Text mit dem N statt dem L einzuprägen, wie er zugibt. Immerhin ist die klassische Bühnenliteratur von Shakespeare bis Schiller zu zitieren. Dass jetzt nach langen Jahren die „Pension Schöller“ wieder auf dem Sommerspielplan der Theaternative C steht, hat einen Grund. „Achim Mentzel spielte vor 25 Jahren in dieser Komödie – damals noch in der Stadthalle“, sagt Gerhard Printschitsch und erinnert damit an den Gallinchener, der erster Vorstandsvorsitzender der im Jahr 1992 gegründeten Theatergesellschaft C war.

Schlager und Evergreens

Von Nostalgie ist bei der Neuinszenierung nicht die Rede – das Stück verträgt immer wieder neue zeitliche Verortung. Schlager und Evergreens blitzen auf. Schauspieler und Musicaldarsteller Wolfgang Linnenbrügger eröffnet „Mit 66 Jahren“ von Udo Jürgens aus dem Jahr 1977 das turbulente Treiben, das musikalisch begleitet wird. So interpretiert Sängerin und Schauspielerin Miriam Distelkamp als Friederike unter anderem die „Jugendliebe“ von Ute Freudenberg (1980). Diese und weitere Lieder verfehlen neben den witzigen Dialogen nicht die Wirkung beim Publikum. Zur Pause stimmen an einem Tisch Zuschauer an: „Fröhliche Weihnachten“. Was war da wohl in den Cocktails?

Ein paar Regentropfen sorgen dafür, dass die Besucher zu den Schirmen greifen, die vom Theater vorgehalten werden. Doch keine Panik, der Abend geht trocken über die Bühne im Innenhof. Schließlich steht ja noch der Gegenbesuch der vermeintlich Geisteskranken auf dem Klapproth’schen Gut an. Und da dreht der gute Onkel selbst am Rad („Ich werd‘ verrückt!“). Eugen steckt er für alle Fälle in den Schrank. Der Major a. D., die überspannte Schriftstellerin, der Löwenjäger – alle geben ihrem Affen Zucker, und der Hausmeister soll’s richten. Ein Wolf wird schnell noch durch die Lausitz gejagt, aber alles geht gut – auch die Liebespaare finden zueinander. „Das ist der ganz normale Wahnsinn, der macht das Leben bunt!“, singt die elfköpfige Truppe, am E-Piano begleitet von Michael Mattusch. Der Musiker von der Liveband Naund hat die musikalische Leitung bei diesem Irrsinn.

„Ich komme auf jeden Fall noch einmal her“, sagt Dieter Gericke jr. (29). Der Musiker, der bei anderen Produktionen der Theaternative C selbst schon als Akteur dabei war und diesmal als Zuschauer den Abend genießt, ist von der Leistung der Darsteller, von der Inszenierung beeindruckt. Und das sicher nicht nur wegen der Gesangs- und Tanzeinlagen seines Vaters Dieter Gericke sen. als Kissling und Bernhardy.

Der komödiantische Dauerbrenner hat auch in der Kleinen Komödie Cottbus gezündet. Mit viel Applaus verabschieden die Zuschauer alle Akteure dieses überdrehten Abends, auf den noch weitere folgen. Bereits am Samstag und Sonntag hatte die Pension Schöller wieder Besucher empfangen. Weitere Vorstellungen stehen am Dienstag (16. Juli), Mittwoch (17. Juli) und Dienstag (23. Juli) jeweils um 20.30 Uhr auf dem Spielplan. Informationen zum gesamten Sommertheater-Spielplan gibt es unter: www.theaternative-cottbus.de.