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Gerberhäuser versteckt hinter Grün

Historischer Schatz versteckt: Hinter dem Wildwuchs verbergen sich die Gerberhäuser. Sie sind im Land Brandenburg einmalig.
Historischer Schatz versteckt: Hinter dem Wildwuchs verbergen sich die Gerberhäuser. Sie sind im Land Brandenburg einmalig. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Die Gerberhäuser auf der Cottbuser Mühleninsel sind ein Kleinod – nicht aus Sicht des Denkmalschutzes, sondern auch der Stadtgeschichte. Die kleine Häuserzeile wurde in den 1990er-Jahren von Privatleuten saniert und damit gerettet. Peggy Kompalla

Doch zu sehen ist diese Pracht kaum. Sie verschwindet hinter einer Wand aus Wildwuchs am Mühlengraben. Das soll sich Anfang September endlich ändern, wie Stadtsprecher Jan Gloßmann verspricht.

Alfred Roggan ärgert sich über den Zustand des Ufers. Er war einst der oberste Denkmalpfleger der Stadt und lebt selbst in einem der Häuser. "Den Touristen wird etwas erzählt, was sie nicht sehen können", sagt er. "Es muss doch im Interesse der Stadt sein, zumal in die Sanierung viel Fördergeld geflossen ist."

Das Landesamt für Umwelt ist für die Unterhaltung des Mühlgrabens verantwortlich. Dabei steht allerdings die Verkehrssicherung im Vordergrund. Es werden also Bäume beräumt, die in den Fluss fallen oder die angrenzenden Flächen gefährden. Thomas Avermann vom Landesumweltamt erklärt: "Ein obligatorisches Freihalten des Ufers von Gehölzen ist aus den vom Land wahrzunehmenden Aufgaben der Gewässerunterhaltung weder erforderlich noch begründbar. Soweit aus Gründen des Denkmalschutzes zum Beispiel zur Schaffung von Blickachsen Gehölze zu fällen oder zu beschneiden sind, wäre dies von der Stadt Cottbus als zuständiger Denkmalbehörde zu veranlassen."

Eine solche Entscheidung gibt es offensichtlich nicht. Stadtsprecher Jan Gloßmann erklärt, dass bei der besonderen Pflege Altmarkt und Sprem als Herz der Stadt im Fokus stehen. "Der Wildwuchs im Böschungsbereich wird bei Bedarf beräumt. Das wurde beauftragt und wird Anfang September erfolgen."

Die Gerberhäuser sind für Brandenburg einmalig. Die Bauten stellen durch die Entstehungsjahre 1727, 1760 und 1860 gleich drei Epochen des Gerberhandwerks dar. Im Jahr 1999 erhielten die Bauherren im Rahmen des Brandenburgischen Architekturpreises eine Anerkennung. Ein Jahr später gab es einen Bauherrenpreis.