Was der Frauendorfer Ortsbeirat durchzieht, schreibt die Kommunalverfassung nicht vor. Die drei Ortsbeiratsmitglieder und Dietmar Numrich, der für die Wählergemeinschaft Koppatz/Frauendorf in der Gemeindevertretung sitzt, wollen nun aber genau wissen, wie die Einwohner des Ortsteils der Gemeinde Neuhausen/Spree zu einem geplanten Solarpark stehen.

Bürgeranfragen haben sie deshalb in ihren vergangenen Sprechstunden gesammelt und sich um ein sachkundiges Gremium für die Einwohnerinformationsveranstaltung am vergangenen Montag bemüht: Carsten Wolff, der Planer, kam. An seiner Seite nahm die Biologin Christina Grätz Platz. Klaus Hoff von der Cottbuser Entwicklungsgesellschaft Procon war da und Bodo Pawlowski, der Geschäftsführer von Spreegas. Schließlich vertrat Torsten Schwieg, Hauptamtsleiter und Kämmerer, die Gemeindeverwaltung. 23 Fragen lang war der Katalog. Und es ging nicht nur um die Qualität des Ackerbodens, eventuelle Kriegsmunition und Wege, die erhalten bleiben sollen, sondern auch um die Befangenheit des Gemeindevertreters Jörg Gläser, der Landwirt ist.

In Frauendorf soll sich eine landwirtschaftliche Nutzfläche an der Bahnlinie in einen Solarpark verwandeln. Der Ortsbeirat war angehört worden und hatte zunächst keine Einwände, weshalb die Gemeindevertretung per Beschluss den Weg zur Aufstellung eines B-Planes freimachte. Am 12. November war der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes gefasst worden. Die Bekanntmachung dazu erfolgte im Amtsblatt, das Ende Januar 2016 erschien. Ab dem 8. Februar lag der Vorentwurf aus.

Zur ersten Einwohnerversammlung zum Solarpark im März dieses Jahres wurde deutlich, dass sich in der Bürgerschaft Widerstand gegen den Solarpark regt. In einer Unterschriftensammlung unterschrieben schließlich ganze 70 Prozent der Wahlberechtigten unter den rund 285 Einwohnern gegen die Solarparkpläne.

Das Planungsbüro besserte daraufhin nach. Statt beiderseits der Bahnstrecke liegt die gewünschte Fläche nun auf 21,2 Hektar nordöstliche der Schienen. Ein Großteil ist intensiv genutzter Sandacker. Dazu gehören eine Obstbaumreihe, Kiefernwald mit Birken, geschütztes Kleingewässer, der Landgraben, Ackerbrachen und der Entwässerungsgraben entlang der Bahnlinie. Nach der Diskussion in der zweiten Frauendorfer Einwohnerversammlung vertagten die Gemeindevertreter im Juni die Abstimmung über den Billigungs- und Auslegungsbeschluss.

Befangenheit übersehen

Jörg Gläser und die Verwaltung haben sich am Montag entschuldigt, dass sie keinen Grund gesehen hatten, die Befangenheit des Landwirts in Erwägung zu ziehen. Gläser ist Mitgesellschafter der Agrarproduktionsgenossenschaft, die die Fläche, die Solarpark werden soll, bewirtschaftet. Wie er bestätigt, stehe er dem Vorhaben auch wohlwollend gegenüber. "Allein von der Landwirtschaft wird keiner mehr reich", gibt er zu bedenken. Er sehe die Arbeitsplätze, die das Vorhaben sichert. Er wird sich aber aus der nächsten Abstimmung zum Solarpark raushalten müssen.

Aktiv im Strukturwandel

Neue Geschäftsfelder sucht auch Spreegas, wie Bodo Pawlowski erläutert. Sie sieht sie in der Solarenergie. Sie hat an Freiflächen-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur teilgenommen und sich einen Errichter gesucht. Während der Errichter viel Erfahrung mitbringt, ist Spreegas ein Unternehmen der Region. "Wir wollen so den Strukturwandel aktiv mitgestalten und hier investieren. Wir schätzen ein, dass es zu diesen Bedingungen machbar ist", sagt Pawlowski.

Das Umspannwerk zum Solarpark wird nicht in Frauendorf errichtet. Nicht einmal die kV-Leitung soll durch den Ort verlaufen, sondern von der Anlage nach Roggosen gehen, wo neben einem bestehenden Umspannwerk ein zweites, kleineres errichtet werden kann, erklärt Klaus Hoff von der Procon. Vorhandene Wege sollen bestehen bleiben, die Sicherung von Bedienwegen gehöre zur Entwicklung. Die Feuerwehr müsse rankommen, gegebenenfalls ein Löschteich, ein Brunnen errichtet werden, erklärt Planer Carsten Wolff.

Da der Boden im betroffenen Bereich mit Werten zwischen 17 und 30 - möglich sind bundesweit 100 (Schwarzerde) - derzeit intensiv bewirtschaftet wird, sind in der natürlichen Flora und Fauna kaum Beeinträchtigungen zu erwarten. Das bestätigt Christina Grätz, Biologin und Geschäftsführerin der Nagula Re GmbH. Als Bodenbrüter wurde die Feldlerche gefunden. Sie besiedele die Flächen von Solarparks in ähnlich hoher Dichte wieder wie davor die Brach- oder Ackerfläche. Als Nahrungsquelle nutzen den Bereich derzeit Stare, Buchfinken, Goldammern, Ringeltauben und Bachstelzen. Als Brüter in Gehölzen der Umgebung sind neben einem Baumfalkenpaar, das sein Nest 50 Meter entfernt von der anvisierten Solarparkfläche hat, unter anderem Buchfink, Mönchs- und Gartengrasmücken, Meise, Pirol und Zilpzalp. Zu Kranichen, die Frauendorfer beobachten, will sich Christina Grätz noch einmal erkundigen. "Die haben wir inzwischen in sehr vielen Bereichen hier", bestätigt sie.

Über Ausgleichsmaßnahmen sollten sich die Frauendorfer noch einmal Gedanken machen, rät Planer Wolff. Selbst Maßnahmen im Ort wie am Teehäuschen, am Mausoleum oder am Sportplatz könnten aufgelistet werden.

Geld für die Gemeinde

Und die wirtschaftlichen Vorteile des Solarparks? Da macht Spreegas der Gemeinde Neuhausen/Spree Hoffnung. Nicht nur der Wechsel von Grundsteuer A zu B mit dem höheren Hebesatz würde mehr Geld bringen. Auch gewerbesteuerlich soll sie so viel wie möglich von der Solaranlage haben. "Ob es allerdings schon im ersten Jahr 25 000 Euro werden, müssen wir sehen", sagt Pawlowski. Zudem will Spreegas eine Beteiligung der Gemeinde kommunalrechtlich prüfen lassen.

Auf eine hohe Beteiligung - mindestens ein Viertel der Wahlberechtigten in Frauendorf - hofft der Ortsbeirat nun bei der Befragung: Am heutigen Mitt woch, 18 bis 20 Uhr, sowie am Sonntag, 21. August, 10 bis 12 Uhr, können die Einwohner im Domizil der Feuerwehr Position beziehen. Das Ergebnis werde dann für den Ortsbeirat bindend sein.