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Generationenporträt, das Nerv des Publikums trifft

Die Protagonistin Anita Lasker-Wallfisch besucht mit Workshopteilnehmern das Gefängnis Wroclaw.
Die Protagonistin Anita Lasker-Wallfisch besucht mit Workshopteilnehmern das Gefängnis Wroclaw. FOTO: Karin Kaper Film
Cottbus. "Wir sind Juden aus Breslau" widmet sich auf ungewöhnliche Weise dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. 14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Dokumentarfilms von Karin Kaper und Dirk Szuszies. Ulrike Elsner

Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich und begegnen dort einer deutsch-polnischen Jugendgruppe.

"Es war von Anfang an unsere Absicht, nicht ein individuelles Schicksal oder das einiger weniger in den Fokus zu rücken", sagt Karin Kaper. Vielmehr sei es darum gegangen, ein Generationenporträt derjenigen zu zeigen, die 1933 Kinder und Jugendliche waren. Sie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das Schicksal der Verfolgung: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das KZ Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie und bauten sich in den USA, England, Frankreich, Israel oder auch in Deutschland ein neues Leben auf.

"Die Jugendlichen haben die Lebensläufe der Zeitzeugen studiert und sich Fragen überlegt", erläutert Karin Kaper. "Die Protagonisten waren überrascht von so viel Wissbegier und sind regelrecht aufgeblüht." Die intensive Auseinandersetzung zwischen den Generationen, die der Film zeigt und in die Kinos trägt, hält die engagierte Filmemacherin gerade in der aktuellen Situation für außerordentlich wichtig. Der Film setze ein eindringliches Zeichen gegen stärker werdende nationalistische und antisemitische Strömungen in Europa. Er zeige auf, wohin eine katastrophale Abschottungspolitik gegenüber Flüchtlingen führt.

Karin Kaper ist in den vergangenen Monaten viel im Land unterwegs gewesen, um vor allem mit jungem Publikum über das Gesehene zu diskutieren. Sie sagt: "Man spürt, dass der Film einen Nerv trifft." Die anschließenden Diskussionen hätten sich nicht nur mit Geschichte befasst, sondern rasch der aktuellen Situation zugewandt.

Der Film läuft am Sonnabend, 23. September, 19 Uhr, im Cottbuser Obenkino. Ein Gespräch mit der Regisseurin Karin Kaper schließt sich an. Es moderiert Dr. Grit Lemke. Reservierungen: Telefon 0355 3802430 oder E-Mail

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