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| 14:26 Uhr

Geheimnisse im Wendischen Museum
Bild entfacht Spürsinn des Praktikanten

 Elias Bisse ist der Ururenkel von Alwine Bisse, die im Jahr 1952 von der Cottbuser Malerin Elisabeth Wolf in wendischer Festtagstracht porträtiert wurde. Im Wendischen Museum begegnete er seiner Ururgroßmutter auf der Leinwand wieder.
Elias Bisse ist der Ururenkel von Alwine Bisse, die im Jahr 1952 von der Cottbuser Malerin Elisabeth Wolf in wendischer Festtagstracht porträtiert wurde. Im Wendischen Museum begegnete er seiner Ururgroßmutter auf der Leinwand wieder. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der 18-jährige Elias Bisse aus Cottbus entdeckt seine Ururgroßmutter auf einem Gemälde von Elisabeth Wolf. Damit beginnt für ihn die Arbeit eines Detektivs. Von Rene Wappler

Die Treppe hinauf, unter dem Dach. Dort steht das Kunstwerk, das einen Cottbuser Schüler zur Detektivarbeit verführt hat. Eine Frau posiert in sorbischer Tracht. Stolz ihr Blick, selbstbewusst ihre Statur.

Der 18-jährige Elias Bisse aus Sielow erforschte die Biografie der Frau. Er arbeitet derzeit als Praktikant im Wendischen Museum, wo sich das Gemälde befindet. Es zeigt seine Ururgroßmutter, gemalt von der Cottbuser Künstlerin Elisabeth Wolf im Jahr 1952.

Zum ersten Mal erfuhr Elias Bisse von dem Bild, als er ein Projekt namens „Zeitensprünge“ begleitete. Dafür befragte er den Kuratoren Werner Meschkank. Der Fachmann erzählte ihm, dass es im Museum ein Porträt einer Frau Bisse gibt. Das weckte seine Neugier.

in der Biografie gestöbert

In einem Buch hält der junge Mann alle Anhaltspunkte fest, die er über ihr Leben finden konnte. Gemeinsam mit Kuratorin Christina Kliem ergründet er ihre Biografie. Alwine Bisse, geboren im Jahr 1904 in Schlichow, arbeitete in einer Textilfabrik, heiratete einen Bäcker, lebte mit ihm im Haus Nummer 78 in Jänschwalde.

Elias Bisse sagt: „Ihr Schwager Martin war wohl ein Kunstliebhaber.“ So habe die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg ein paar Gemälde von Elisabeth Wolf gekauft. Daraus sei eine Freundschaft entstanden. Bei dem Bild, das seine Ururgroßmutter zeigt, handele es sich vermutlich um mehr als nur ein reines Auftragswerk.

Kuratorin Christina Kliem betrachtet das Gemälde. Sie sagt zu Elias Bisse: „Eure Augenbrauen ähneln sich.“ Sie schwärmt von den „wunderschönen Astern“, die den Hintergrund schmücken, von der Festtagstracht, in der Alwine Bisse vor der Künstlerin sitzt.

In Sonntagstracht nach Cottbus

Elias Bisse blättert in seinen Notizen. „Sie hat sich extra eine Sonntagstracht angezogen, um mehrmals mit dem Zug nach Cottbus zu fahren und sich von Elisabeth Wolf porträtieren zu lassen.“

Seine Ururgroßmutter starb am 30. Mai 1972 in Jänschwalde. Die Bäckerei gab es da schon lange nicht mehr. Eine Poststelle befand sich nun an dieser Adresse. Beim Begräbnis zitierte der Pfarrer Psalm 118.8, Vers 8, aus der Bibel nach Martin Luthers Übersetzung: „Es ist gut, auf den Herrn vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen.“ Das fand Elias Bisse heraus, als er in dieser Woche nach Jänschwalde fuhr, um die Kirchenbücher einzusehen.

Christina Kliem sagt: „Durch solche Nachforschungen finden Jugendliche auch zu ihren Wurzeln.“ Sie kennt Elias Bisse nach eigenen Worten schon seit zwei bis drei Jahren. Er sei ihr als interessierter Schüler aufgefallen, der sich offen für die museale Arbeit zeigt.

Allerdings will Elias Bisse einen anderen Berufsweg einschlagen. Er wird Bio- und Umweltverfahrenstechnik in Amberg studieren. Über die Forschung zum Gemälde der Künstlerin Elisabeth Wolf sagt er: „Das interessiert mich natürlich auch auf der persönlichen Ebene, weil ich jetzt einen stärkeren Bezug zu meiner Familiengeschichte habe.“

 Alwine Bisse (rechts), vermutlich in den 50er-Jahren fotografiert, gemeinsam  mit ihrer Schwiegertochter und ihrem Enkel.
Alwine Bisse (rechts), vermutlich in den 50er-Jahren fotografiert, gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter und ihrem Enkel. FOTO: Wendisches Museum / privat