Die schwierigsten Momente sind die ersten fünf Minuten. Denn nachdem die Eiskreationen von Gelod aus dem Tiefkühler kommen, brauchen sie Zeit, um ihren Schmelz zu entwickeln. Erst dann entfalten die Schoko-Bombe und die Erdnusskuppel ihren vollen Geschmack.

Dabei sehen die Eistörtchen nicht nur aus wie Petit Fours, sie folgen auch deren klassischen Komposition. So sitzt die Schokoladenbombe auf einem Schokoboden mit Nougatkern. Die Erdnusskuppel wölbt sich über einem Biskuit mit Zitrus-Karamell-Crunch.

Markus Natusch öffnet die Tür zu dem mannshohen Tiefkühler. Darin stapeln sich die Eiskreationen von Gelod. Sechs verschiedene Törtchen hat die Eismanufaktur in der alten Brauerei an der Görlitzer Straße im Startangebot. Weitere werden demnächst hinzukommen sowie eigene Eiskreationen im Becher.

Corona macht schlechte Laune

Der Cottbuser hat eigentlich gerade ziemlich schlechte Laune. Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie bereiten dem Geschäftsmann hohe Verluste. Das Hauptgeschäft als Caterer unter dem Namen Soljawo bricht ein. Das Telefon klingelt. Die nächste Absage. Die Jugendweihe fällt aus. Das Fest wird auch nicht nachgeholt. „Da macht man als Unternehmer alles richtig, investiert und wächst und dann kommt so was.“

Sechs Angestellte hat er in seinem Unternehmen. Einen Teil muss er ab nächster Woche in die Kurzarbeit schicken. Derzeit läuft nur noch der Mittagstisch mit Lieferdienst. „Der rettet uns“, sagt er. Aber auch bei dem Angebot sind die Aufträge zurückgegangen, da viele Leute im Heimbüro sitzen.

Markus Natusch schüttelt den Kopf, nimmt einen Löffel und sticht ihn in ein Quark-Leinöl-Eistörtchen. Das beruhigt die Nerven und weckt sofort die Leidenschaft. „Wir wollten etwas Neues probieren“, erzählt er. Ein Eis-Catering ist in diesen Zeiten vielleicht genau das Richtige. „Wir haben viel Erfahrung mit Backen, Torten und Desserts.“

Nach einem Eiskurs und einem Arbeitsbesuch in Italien war dem Unternehmer klar: „Wir müssen das selbst probieren. Und weil wir keine Lust auf einen Eiswagen und Kugeln haben, sind wir auf die Eistörtchen gekommen.“

Die Kreationen stammen von seiner Lebensgefährtin Jana Scheck, der Pa­tis­si­è­re des Unternehmens. Eistörtchen als Lieferdienst – das gibt es bislang bundesweit nicht. Genau da will Gelod hin.

Name steht für die Philosophie

Dabei steht der Name für die Philosophie des Unternehmens. Er setzt sich aus zwei Worten zusammen: gelato – italienisch für Eis und lod – sorbisch für Eis. Die Marke nennt sich dann auch selbstbewusst Gelod di Lusatia – quasi Eis-Eis aus der Lausitz. Das ist auch nicht hochgestapelt.

Denn die Cottbuser setzen bei ihrem Geschäft auf die Region. Für ihr Eis verwenden sie die Biomilch vom Gut Ogrosen. Das Leinöl kommt aus der Cottbuser Mühle vom Ölfreund. Selbst die Lausitzer Traditionen lassen sich an den Eiskreationen ablesen. So sind die Blaubeer-Eis-Macarons mit einem Muster handbemalt, das an hiesige Ostereier erinnert.

Bislang erkämpft sich die Eismanufaktur in der geräumigen Küche von Soljawo neben den Töpfen und Schüsseln ihren nötigen Platz. „Wir bauen eine eigene Eismanufaktur auf“, erzählt Markus Natusch und führt auf die Rückseite des Fabrikbaus.

Die Handwerker kommen in den nächsten Wochen. Drei bis vier Monate wird der Umbau dauern. Im Kopf des Geschäftsmannes ist schon alles fertig. Inklusive Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach. Mit dem Strom werden die beiden Elektro-Lieferautos betankt.

Bundesweiter Versand in Zukunft geplant

Für die Eismanufaktur kann der Unternehmer auf eine gut gewachsenes Liefersystem von seinem Catering zurückgreifen. „Wir hatten schon die ersten Eisbestellungen“, sagt er. Dabei hat er es sich nicht nehmen lassen, bei den ersten Kunden beim Auspacken selbst dabei zu sein. „Die Leute haben einen Moment gebraucht, um zu verstehen, dass das Eis ist“, berichtet er. „Danach war die Überraschung aber um so größer.“

Zunächst werden die Cottbuser Eistörtchen nur in Cottbus und Spree-Neiße ausgeliefert. Aber der Unternehmer will viel mehr. Ihm schwebt ein bundesweiter Versand vor. Das ist möglich mit Trockeneis. An den Verpackungen feilt Markus Natusch bereits. Die Törtchen kommen in Kartons aus Biopappe und Biokunststoff zum Kunden.

Kreation hauseigener Sorten steht an

In den nächsten Wochen beginnt die Arbeit an der Kreation für die hauseigenen Sorten, die es dann im Becher geben soll. „Bald kommt der erste Rhabarber“, sagt er. „Da werden wir uns etwas einfallen lassen. Wir wollen regional und saisonal arbeiten. Auch beim Eis.“

Die Eiskreationen können nach Bestellung per E-Mail auch direkt an der Görlitzer Straße abgeholt werden.