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| 17:44 Uhr

Soziale Arbeit
Geld für ein Mehr an Demokratie

Der Begleitausschuss setzt sich zusammen aus Vertretern unterschiedlichster Institutionen, die Demokratie und Toleranz stärken wollen.
Der Begleitausschuss setzt sich zusammen aus Vertretern unterschiedlichster Institutionen, die Demokratie und Toleranz stärken wollen. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. Cottbuser Projekte profitieren von einem Förderprogramm des Bundes. Von Andrea Hilscher

Es vergeht kaum eine Woche, in der in Cottbus nicht mehr oder weniger große Projekte starten, die die Stadt und ihre Einwohner in der Demokratie verankern sollen. Die regelmäßigen Demonstrationen des Cottbuser Aufbruchs und anderer Akteure am 15. Februar gehören dazu, der Christopher-Street-Day, Kinder- und Jugendkonferenzen im Stadthaus oder „Laut gegen Nazis“-Konzerte auf dem BTU-Campus. Sie alle werden finanziell durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt. Wie genau diese Förderung funktioniert, hat sich die RUNDSCHAU angesehen: bei einer Sitzung des Begleitausschusses „Demokratie leben“.

Ein Montag im Oktober, 16 Uhr. Ein Sitzungsraum der BTU füllt sich langsam mit Menschen. Vertreter von Uni und IHK, Stadtverwaltung und Polizei, verschiedenen Trägern und Kirchen treffen sich einmal im Monat, um als Mitglieder des Begleitausschusses zu entscheiden, welche Initiativen in der Stadt für ihre Vorhaben Geld bekommen – und welche eben auch nicht. Immerhin 120 000 Euro können die Ausschussmitglieder in diesem Jahr ausreichen. „Damit lässt sich viel Gutes tun“, freut sich Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU), der den Ausschuss leitet und das Projekt seit Jahren pflegt.

Bevor es ans Eingemachte, sprich: an die aktuellen Förderanträge, geht, wird die Situation in der Stadt reflektiert. Wo gibt es Probleme, Erfolge, neue Entwicklungen? Bettina Handke vom Cottbuser Aufbruch freut sich, dass an der Stadthalle ein Banner mit den Worten „Cottbus ist bunt“ aufgehängt wurde. „Ein schönes Signal.“ Es verweist auf ein Fußballspiel zwischen FCE und BTU, das am 10. November vor einem Drittligaspiel für Toleranz werben soll. Gerlinde Zickert von der Sachsendorfer Oberschule erzählt von einer erfolgreichen Sozialraumkonferenz, Ralf Fischer vom Bürgerverein Sandow berichtett, dass niemand versteht, warum die Reparatur der Käthe-Kollwitz-Brücke mehrere Monate gedauert hat. „Da müssen wir uns doch über Politikverdrossenheit nicht wundern.“

Genau um diese Politikverdrossenheit zu bekämpfen, unterstützt „Demokratie leben“ verschiedenste Projekte in ganz Deutschland. Allerdings erst, nachdem sie ein strenges Antragsverfahren durchlaufen haben. Und genau darum geht es jetzt. Vier Anträge liegen dem Gremium in diesem Monat vor, sorgsam wird jeder von ihnen besprochen, anschließend können die Antragsteller ihre Vorhaben genauer erläutern.

Das Humanistische Jugendwerk möchte Studenten und angehende Erzieher zu Teamern ausbilden, die an Schulen Projekte gegen Islamfeindlichkeit und Vorurteile anbieten. Die Schulungen dafür sollen 4150 Euro kosten.

Ein Film über einen Massenselbstmord in Demmin nach Ende des Zweiten Weltkrieges soll im Obenkino gezeigt werden, eine Diskussion mit dem Regisseur soll darüber aufklären, wie diese Katastrophe von Rechten zu Propagandazwecken missbraucht wird. Für den Abend werden 717,50 Euro gebraucht.

Die neuen Quartiersläufer in Ströbitz sollen bekannt gemacht werden, für ihre Arbeit werden ein Moderationskoffer und ein Flipchart gebraucht. 1140 Euro Finanzbedarf.

Der Bürgerverein Sachsendorf will Moderatoren für Stadtteilgespräche und Themenwerkstätten ausbilden lassen. Kostenpunkt: 3450 Euro.

„Warum so teuer“ ist die Frage, die an diesem Abend am häufigsten gestellt wird. Werden die Gelder wirklich nachhaltig und sinnvoll eingesetzt? Und was genau machen eigentlich Quartiersläufer?

Die Vertreter der anwesenden Bürgervereine erzählen von guten Erfahrungen, geben Tipps. Andere Teilnehmer zweifeln an der Sinnhaftigkeit einiger Ausgaben. Gregor Vorwald ist als Vertreter des Jugendforums dabei, er hat sich schon als junger Schüler in die Stadtpolitik eingebracht. Für ihn ist Ehrenamt ein mühsames Geschäft. „Du butterst unendlich viel Energie da rein. Aber irgendwann kommt immer der Tag, da weißt Du, dass es sich lohnt.“

Debattiert wird an diesem Abend intensiv, am Ende aber können die Antragsteller einen Erfolg für sich verbuchen: Sie bekommen ihr Geld. Die Ehrenamtler des Ausschusses sind müde. Trotzdem verabreden sie sich für das nächste Treffen. Sie hoffen, dass ihre Arbeit Früchte trägt. Irgendwann.

Die Werbung für „Cottbus ist bunt“ an der Stadthalle wird im Begleitausschuss als Erfolg im Ringen um demokratische Strukturen gewertet.
Die Werbung für „Cottbus ist bunt“ an der Stadthalle wird im Begleitausschuss als Erfolg im Ringen um demokratische Strukturen gewertet. FOTO: Michael Helbig