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| 02:34 Uhr

Geld für Cottbuser Kinderhospiz fehlt

Im Kinderhospiz "Bärenherz" in Leipzig kuschelt Conny Niesar liebevoll mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Antonie. Das kleine Mädchen hat von Geburt an eine Hirnfehlbildung und ist schwerstbehindert. Ihre Eltern werden es nie als Erwachsene erleben, wohl auch nicht als Teenager. Kinder, die in das Hospiz kommen, haben nur eine begrenzte Lebenserwartung.
Im Kinderhospiz "Bärenherz" in Leipzig kuschelt Conny Niesar liebevoll mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Antonie. Das kleine Mädchen hat von Geburt an eine Hirnfehlbildung und ist schwerstbehindert. Ihre Eltern werden es nie als Erwachsene erleben, wohl auch nicht als Teenager. Kinder, die in das Hospiz kommen, haben nur eine begrenzte Lebenserwartung. FOTO: (dpa-Zentralbild)
Cottbus. Die Johanniter halten weiter an ihren Plänen für ein stationäres Kinderhospiz in Cottbus fest. Bisher sind allerdings alle Bemühungen an der nicht gesicherten Finanzierung gescheitert. Jetzt will sich die Politik einschalten. Sven Hering

Muskelschwund - die Erbkrankheit ist heimtückisch, nicht heilbar und endet tödlich. Schon im Kleinkindalter werden Becken- und Oberschenkelmuskulatur immer schwächer. Später dann werden auch Herz- und Atemmuskulatur abgebaut. Doch trotz des Todesurteils gebe es für die betroffenen Kinder noch ganz viel Leben, sagt Babett Brendel von den Cottbuser Johannitern.

Eltern und Kinder bei eben diesem Leben zu begleiten, dieser Aufgabe hat sich der ambulante Kinderhospizdienst verschrieben. "Wir helfen den Betroffenen, dass sie in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben können", sagt Babett Brendel. Ganz wichtig sei es, dass Familien wieder Zeit für Dinge finden, die die Erkrankung des Kindes in den Hintergrund stellt.

37 ausgebildete Hospizhelfer kümmern sich derzeit um acht Kinder in Cottbus, Senftenberg, Guben oder Finsterwalde. Gern würden die Johanniter dieses Angebot durch ein stationäres Kinderhospiz ergänzen. Das nächste gibt es erst wieder in Berlin oder Leipzig, für Brandenburg wäre ein solches Haus ein Alleinstellungsmerkmal. Laut Bundesverband Kinderhospiz haben in Deutschland etwa 22 500 Kinder und Jugendliche die Diagnose einer lebensbegrenzenden Erkrankung erhalten. Jährlich würden etwa 5000 Kinder sterben.

Ein passendes Gebäude für ein Hospiz wurde laut Johanniter auch schon gefunden, nur für die Finanzierung des Vorhabens gibt es bisher keine Lösung. "Uns fehlen mindestens 300 000 Euro pro Jahr", sagt Johanniter-Regionalvorstand Matthias Rudolf.

Die klamme Stadt fällt als Helfer aus. Zwei Jahre lang habe man sich in ernsthaften Verhandlungen befunden, sagt Sozialdezernent Berndt Weiße (parteilos). "Am Ende ist es am fehlenden Geld gescheitert", ergänzt er.

Die Johanniter wollen sich dennoch von der Vision eines Kinderhospizes nicht so schnell verabschieden, betont Rudolf. Doch wie könnte die Finanzierung aussehen? Am besten wäre eine durch die Krankenkassen abgesicherte Lösung, sagt Rudolf. Doch selbst herkömmliche Hospize würden nicht 100-prozentig ausfinanziert. "Bei Kinderhospizen sieht das noch etwas anders aus, die benötigen einen ganz anderen Betreuungsschlüssel", sagt Rudolf. In Hamburg würden sich zum Beispiel zwei Schwestern um ein Kind kümmern. Auch ein Stiftungsmodell sei denkbar. "Wichtig ist, dass wir Planungssicherheit haben, da sprechen wir von Zeithorizonten von 20 Jahren", so der Johanniter-Vorstand.

In diesem Jahr wollen sich die Johanniter verstärkt um Botschafter bemühen, die sich als Multiplikatoren für ein Kinderhospiz einsetzen.

Der Cottbuser Landtagsabgeordnete Jürgen Maresch (Linke), zugleich Vorsitzender des Sozialausschusses, bringt das Thema jetzt auf die politische Schiene und hat eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Maresch möchte wissen, ob das Land bereit wäre, ein stationäres Kinderhospiz zu unterstützen. "Außerdem würde ich gern als Botschafter für diese wichtige Sache arbeiten", erklärte er.