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| 16:59 Uhr

Geheimnisverrat in der Polizeidirektion Süd
Beamter bleibt vorerst im Dienst

Nach einer Messerattacke am Cottbuser Blechen-Carré am Mittwoch, postete ein Polizeibeamter vertrauliche Daten aus dem Einsatzbericht auf Facebook. Am Freitag hatte die Polizei den Verantwortlichen ermittelt, informierte darüber in ihrem Twitterkanal.
Nach einer Messerattacke am Cottbuser Blechen-Carré am Mittwoch, postete ein Polizeibeamter vertrauliche Daten aus dem Einsatzbericht auf Facebook. Am Freitag hatte die Polizei den Verantwortlichen ermittelt, informierte darüber in ihrem Twitterkanal. FOTO: Screenshot / Polizei Brandenburg
Cottbus. Recht zügig hat die Polizei einen Beamten aus ihren eigenen Reihen ermittelt, der kurz nach der Messer-Attacke am Mittwoch beim Cottbuser Blechen Carré Teile des Einsatzberichtes als Screenshot bei Facebook gepostet hatte.

Am Freitag hat die Polizei Brandenburg via Facebook und Twitter mitgeteilt, dass ein „Tatverdächtiger zum Geheimnisverrat“ ermittelt werden konnte. Für die Aufklärung des Falls wurde laut Polizei eigens in der Polizeidirektion Süd eine Ermittlungsgruppe gebildet.

Bei Facebook war am Mittwoch kurz nach dem Messer-Angriff eines jungen Syrers auf einen 16-jährigen Deutschen ein Foto von einem offenbar abfotografierten Computer-Monitor aufgetaucht. Darauf befanden sich polizeiinterne Notizen zum Tathergang, inklusive Adress- und Telefondaten des Opfers und möglicher Zeugen.

Am Freitag nun verkündete die Polizei ihren Ermittlungserfolg und verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass das Ermittlungsverfahren weiterlaufe und Disziplinarmaßnahmen gegenüber dem Polizisten eingeleitet werden. Wie alt der Beamte ist, wollte der Sprecher der Brandenburger Polizei, Torsten Herbst, auf RUNDSCHAU-Nachfrage nicht sagen. „Wir treiben das Verfahren gegen den Beamten weiter voran. Die Ermittlungsgruppe bestehe daher weiter“, sagt Herbst. Sowohl auf der strafrechtlichen als auch der beamtenrechtlichen Ebene gibt es nun Untersuchungen rund um den Vorfall.

Die Ermittlung im Strafverfahren wegen des Geheimnisverrats übernimmt laut Torsten Herbst das Dezernat Amtsdelikte des Landeskriminalamts Brandenburg. Parallel dazu laufe im Stabsbereich 3 - Personal des Potsdamer Polizeipräsidiums ein Disziplinarverfahren. Es werde geprüft, ob der Vorfall für den verantwortlichen Beamten auch arbeitsrechtliche Konsequenzen haben wird, dazu zählen etwa eine Beurlaubung oder eine Suspendierung vom Dienst. Das LKA und der Stabsbereich Personal stünden dafür im regen Austausch. Zurzeit ist der Beamte laut Präsidiumssprecher Torsten Herbst weiter im Dienst, wurde auch nicht beurlaubt.

Durch das Posten der vertraulichen Polizeidaten haben die Facebooknutzer der entsprecheneden Seite unter anderem Namen, Adresse und Handynummer des Opfers der Messerattacke vom Mittwoch erfahren. Aus diesem Grund habe laut Torsten Herbst der Betroffene die Möglichkeit Anzeige zu erstatten, da hier gegen datenschutzrechtliche Vorgaben verstoßen wird. Bisher sei das aber nicht passiert, so Herbst weiter.