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Geh aus, mein Herz, und suche Freud …

Katharina Köhler, Pfarrerin im Pfarrsprengel Dissen
Katharina Köhler, Pfarrerin im Pfarrsprengel Dissen FOTO: Katharina Köhler
Es ist Sommer und viele Paare, Familien und Individualreisende suchen andere Orte auf, um sich zu erholen. Flachländer fahren ins Gebirge, von den Bergen kommen sie ans Meer.

Als Erstes können wir die Uhr ablegen, denn jetzt müssen wir nicht pünktlich sein. Dann können wir überlegen, was wir tun wollen. Oder wollen wir erst einmal gar nichts tun? Nur die Seele baumeln lassen? Dazu wäre es auch gut, noch das Telefon auszuschalten. Lassen wir uns nicht unterbrechen beim Ausruhen und Erholen! Später ist immer noch Zeit für die neuesten Nachrichten. Donald Trump twittert wieder? Ja, und um mich herum zwitschern Vögel! Geh aus, mein Herz, heißt es in einem beliebten Sommerlied, das in unseren Gesangbüchern steht. Geh hinaus, Mensch, geh nicht nur mit den Füßen, lass auch dein Herz mitkommen und deine Seele. Hebe deinen Blick vom Bildschirm und schau dich um, wie wunderbar die Welt gemacht ist. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben. 140 Zeichen reichen dafür nicht. Paul Gerhardt braucht 15 Strophen, um all das Wunderbare zu beschreiben, das er sieht. Und er kommt am Ende zu der Einsicht: In Gottes Garten möchte ich selbst ein Baum sein, eine schöne Blume Gottes. Mein Geist möge weit werden, dass ich Platz habe für Gott, für gute Gedanken, für neue Begegnungen. Ich möchte meine Aufmerksamkeit nicht nach zwei Sätzen abschalten, ich möchte weiter sehen, mehr hören, tiefer denken und auch glauben. Gott: Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd, ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.