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Landleben
Gegen eine größere Biogasanlage

Mehr als 50 Bürger der Großgemeinde Kolkwitz protestierten in dieser Woche gegen die Erweiterung der industriellen Landwirtschaft in Kolkwitz in der Gemeindevertretung Kolkwitz.
Mehr als 50 Bürger der Großgemeinde Kolkwitz protestierten in dieser Woche gegen die Erweiterung der industriellen Landwirtschaft in Kolkwitz in der Gemeindevertretung Kolkwitz. FOTO: Marion Hirche / Hirche Marion
Kolkwitz. Neue Kolkwitzer Bürgerinitiative  wendet sich gegen Erweiterung der industriellen Landwirtschaft im Ort. Von Marion Hirche

Die Biogasanlage in Krieschow soll erweitert werden. Dazu wurden der Gemeindevertretung Pläne vorgelegt, im Juni stimmten die Abgeordneten dem Abwägungs- und Auslegungsbeschluss Bebauungsplan ‘Erweiterung Biogasanlage Krieschow’   mehrheitlich zu.  Allerdings äußerte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Hans-Georg Zubiks schon damals Bedenken gegen diesen Beschluss und erwirkte vor der Abstimmung die Streichung einer wichtigen Passage. „Da der B-Plan aber auch für die Zukunft Erweiterungen ermöglichen soll, sind Spielräume im Interesse der Wirtschaft und nicht zuletzt der Umwelt erforderlich“, dieser Satz wurde gestrichen.  Dadurch wird noch verhindert, dass  im Zuge der Biogasanlagenerweiterung auch die Kapazitäten für die Rinderhaltung  ohne zusätzliche Zustimmung erweitert werden.

In der Einwohnerfragestunde bei der Gemeindevertretersitzung in dieser Woche legte eine vor 14 Tagen gegründete Bürgerinitiative gegen die Erweiterung der industriellen Landwirtschaft in der Gemeinde Kolkwitz ihren Standpunkt zu diesem Thema dar. „Wir wenden uns gegen die  Erweiterung der industriellen Landwirtschaft in der Gemeinde Kolkwitz. Mit dem Bau von zwei gasdichten Gärrestlagern soll auch die Erweiterung der Milchviehanlage der Agrar GmbH Cottbus-West verbunden werden. Die Zahl der Tiere soll von jetzt 1120 auf 1840 steigen, die Rindergülle steigt von 11 500 Tonnen auf mehr als 28 000 Tonnen. Die Folgen dieser Erhöhungen sind katastrophal für unsere Umwelt“, betonte Dr. Werner Richter vom Naturschutzverein Kolkwitz als einer der Sprecher der Bürgerinitiative. Christa George aus Krieschow mahnte an, dass kein Bürger in Krieschow über diese Vorhaben informiert wurde. Sie sprach die Folgen für die Wasserqualität und für die Natur an: „Für uns wird es noch reichen, aber für unsere Kinder und Enkel sicher nicht mehr. Es ist noch Zeit, die richtige Entscheidung zu treffen. Ich bitte sie, liebe Abgeordnete, diesbezüglich ihre Entscheidung zu überdenken.“ Jutta  Ulrich-Wildemann sprach über das zusätzliche Wasser, was für die größere Zahl der Tiere gebracht wird und  beschrieb, dass es aus diesem Grund zu Austrocknungen in der Natur kommen kann und betonte: Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geborgt. Ich möchte mir von den Kindern nicht vorwerfen lassen, dass ich nicht gehandelt habe.“ Weitere Redner sprachen in der halbstündigen Diskussion. Es ging um Entschädigung für die Wert geminderten Grundstücke, um das Artensterben, insbesondere um Insekten und Schwalben. Die rund 50 Einwohner nutzten die Fragestunde, um ihrem Unmut über dieses Thema mit sachlichen Argumenten Luft zu machen.

Einige ihrer Behauptungen fielen bei den Abgeordneten durch.  Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Hans-Georg Zubiks bedankte sich für die Meinungsäußerungen und verwies darauf, dass dieses Thema nicht auf der Tagesordnung steht, dass es aber zeitnah eine Veranstaltung in Kolkwitz geben wird, die sich ausschließlich diesem Inhalt widmen wird. Der Termin wird im Amtsblatt bekannt gegeben. Danach verließen fast alle Einwohner die Gemeindevertretersitzung. Der CDU-Abgeordnete Lutz Brücher brachte danach seinen Unmut darüber zum Ausdruck, dass es so wenig Interesse der Bürger an der Kommunalpolitik gibt: „Wenn sie schon mal da waren, dann hätten sie ja auch mal weiter zuhören können. Oft sitzen wir hier allein gelassen und wir machen es doch für die Bürger.“