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Geflügelpest im Tierpark

Um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern, bleibt der Tierpark bis mindestens Dienstag geschlossen.
Um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern, bleibt der Tierpark bis mindestens Dienstag geschlossen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der Verdacht auf Fälle von Geflügelpest im Tierpark hat sich bestätigt. Nach Mitteilung des Veterinäramtes wurde bei drei toten Enten, die am Dienstag im Außenbereich des Geländes gefunden worden waren, der gefährliche H5N8-Virus nachgewiesen. Andrea Hilscher

Die Sorge um seinen Tierbestand ist ihm anzusehen: Was Tierparkchef Dr. Jens Kämmerling seit einigen Tagen befürchtet hat, ist seit gestern amtlich: Bei drei Enten, die tot am Rande eines Teiches der Anlage 5 gefunden worden waren, konnte der H5N8-Virus nachgewiesen werden. Jens Kämmerling: "Es handelt sich um eine Brautente aus unserem Bestand sowie um eine europäische Pfeilente und eine wilde Schnatterente, die als Wildvögel gelten." Der Tierpark bleibt bis mindestens Dienstag für den Besucherverkehr geschlossen.

Im Tierpark wird der Vogelbestand schon seit einigen Wochen in zwei unterschiedlichen Bereichen gehalten: 305 Tiere sind aufgestallt, 300 weitere leben im Freiland. Kämmerling: "Wir müssen um jeden Preis verhindern, dass infektiöses Material von einem in den anderen Bereich übertragen wird." 25 Seuchenstationen mit Desinfektionswannen sorgen für Sicherheit, ebenso separate Küchen für Wildvögel und aufgestallte Vögel. Die Dienstpläne wurden so geändert, dass das Personal nur in jeweils einem Bereich eingesetzt wird. Konsequenter Wechsel der Arbeitskleidung und die Verwendung von Einwegmaterial sind Pflicht.

In den kommenden Tagen werden umfangreiche Proben von allen Vögeln des Tierparks genommen und analysiert. Danach entscheiden die Veterinäre, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Derzeit ist nicht von Tötungen innerhalb des Bestandes die Rede. "Im Wildvogelbereich macht es keinen Sinn", so Kämmerling. "Dort leben Enten und Gänse, die so lange und tief tauchen, dass wir sie gar nicht fangen könnten."

Sollten allerdings bei den aufgestallten Vögeln kranke Tiere gefunden werden, würde neu nachgedacht. "Wir sind extrem vorsichtig, wollen auch die Beprobungen sehr gut vorbereiten, um unsere Tiere optimal zu schützen", so Kämmerling. Ein Befall etwa im Stelzvogelhaus würde den Tierpark schwer treffen.

Bei aller Vorsicht müssen die Experten allerdings abwägen, wie sinnvoll ein Aufstallen der verschiedenen Arten ist. Die Pinguine etwa dürfen vorerst in ihrem angestammten Revier bleiben. "Auch unsere tauchenden Säger - eine Gänseart - kann ich nicht wochenlang auf dem Trockenen halten, ohne ihnen zu schaden", sagt Kämmerling. Andererseits habe gerade bei einem ausgesprochen seltenen Schwarzschnabel-storch die Aufstallung zu derartigen Stresssymptomen geführt, dass sich der Vogel ein Schädeltrauma zugezogen hat und gestorben ist.

Um den Tierpark sind eine Sperrzone mit einem Radius von einem Kilometer sowie eine Beobachtungszone mit einem Radius von drei Kilometern eingerichtet. Welche Auflagen hier gelten, wird derzeit vom Veterinäramt erarbeitet. Für die Haltung von Hunden und Katzen gibt es derzeit keine zusätzlichen Einschränkungen. Wann der Tierpark wieder öffnet, ist unklar. Jens Kämmerling: Die Geflügelpest wird uns noch Wochen beschäftigen.