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| 19:58 Uhr

Menschenrechtszentrum
Gefangen in zwei Diktaturen

Bei der Vorstellung der neuen Ausstellung „Vergangen, nicht vergessen“ auf dem Gelände des Zuchthauses folgten die Besucher interessiert den Erklärungen der Macher.
Bei der Vorstellung der neuen Ausstellung „Vergangen, nicht vergessen“ auf dem Gelände des Zuchthauses folgten die Besucher interessiert den Erklärungen der Macher. FOTO: LR / Julian Münz
Cottbus. Die neue Ausstellung „Vergangen, nicht vergessen“ des Menschenrechtszentrums erzählt die Geschichte des Cottbuser Gefängnisses. Von Julian Münz

Ein Ort, in dem Menschenrechte gelebt werden – das war das ehemalige Gefängnis von Cottbus in seiner 158-jährigen Geschichte selten. Gerade deshalb ist das seit 2012 zur Gedenkstätte erklärte Gelände aber auch ein besonders guter Platz, um sich dieser unveränderlichen Rechten eines jeden Menschen bewusst zu werden. Mit der nun eröffneten Dauerausstellung „Vergangen, nicht vergessen – Das Zuchthaus Cottbus im Spiegel der Zeiten“ hat sich das Menschenrechtszentrum Cottbus nun genauer der Geschichte seines heutigen Zuhauses gewidmet.

„Oft fragen Besucher, was denn dieses und jenes Gebäude früher war“, erzählt Sylvia Wähling, die geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums Cottbus, bei der Eröffnung der Ausstellung. Dies sei der Grund gewesen, weshalb man sich nun ausführlicher mit der Gefängnisgeschichte befasst habe.

Vor allem die schwierigen Haftbedingungen im DDR-Gefängnis sind dabei ein Thema, doch auch die Geschichte des Nationalsozialismus und die Nachwendezeit finden ihren Platz. „Dies ist der Ort, an dem 2014 die Oper Fidelio aufgeführt wurde“, erklärt Jennifer Rietz etwa an einer Infotafel. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Menschenrechtszentrums und sprach in der einjährigen Vorbereitung der Ausstellung mit vielen Zeitzeugen.

Die Erfahrungen der politischen Gefangenen auch für kommende Generationen lebendig zu erhalten, sei ebenfalls ein Ziel des Projektes gewesen, sagt Sylvia Wähling. „Durch diese Ausstellung möchten wir auch die Stimme der Häftlinge sprechen lassen“, so Wähling.

Neben den Zeitzeugen haben sich Jugendliche, die die Vorwendezeit nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen, an dem Projekt beteiligt. In mehreren Workshops hatten sie die Gelegenheit, mit ehemaligen Häftlingen ins Gespräch zu kommen. Aus diesen Treffen entstanden Texte, Gedichte oder Bilder, die die Ausstellung untermalen.

Die Umsetzung des Projektes präsentiert Jennifer Rietz bei einem ersten Rundgang durch die Vorstellung selbst. An 16 Stelen sind auf dem ganzen Gelände Informationen zu einzelnen Stellen oder Gebäuden festgehalten. Zusätzlich dort angebrachte drehbare Würfel erzählen unter anderem detailliert die Erfahrungen einzelner Häftlinge. So widmet sich einer dieser Würfel der Ausbruchsgeschichte des ehemaligen Häftlings Edgar Eisenkrätzer, der im Jahr 1982 nur wenige Tage nach seiner Ankunft im Gefängnis floh. Und auch die Selbstverbrennung des Gefangenen Werner Greiffendorf im November 1978 wird thematisiert.

Nicht zufällig gewählt ist auch das Datum der Ausstellungseröffnung. So erinnert der 10. Dezember als Tag der Menschenrechte an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die vor genau 80 Jahren von den Vereinten Nationen formuliert wurde.

Finanziert wird die Ausstellung durch die Stiftung für Aufarbeitung der SED-Diktatur. „Weder Demokratie noch Menschenrechte sind heute selbstverständlich“, mahnt deren Geschäftsführerin Anna Kaminsky mit Blick auf das Weltgeschehen. Die Ausstellung „Vergangen, nicht vergessen“ trägt dazu bei, dass sich die Bürger dessen wieder mehr bewusst werden.