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| 19:02 Uhr

Gefahr für Rehkitze in Cottbus
Kleine Tiere in Not

 Die kleinen Kitze müssen aufgepäppelt werden, bevor Susanne Schmidt sie wieder in die Freiheit entlassen kann.
Die kleinen Kitze müssen aufgepäppelt werden, bevor Susanne Schmidt sie wieder in die Freiheit entlassen kann. FOTO: Antje Mueller
Cottbus. Die Skadower Tierärztin Susanne Schmidt warnt vor falsch verstandener Tierliebe, die Rehkitze unnötig in Gefahr bringt. Von Andrea Hilscher

Es ist wieder soweit. Seit einigen Tagen klingelt es regelmäßig am Tor der Wildtierauffangstation in Skadow.  Tierärztin Susanne Schmidt betreut hier in Not geratene Fundttiere. Momentan muss sie zwei Neuzugänge versorgen: junge, vermeintlich verlassene Rehkitze.

„Es sind Tierfreunde, die es gut meinen und uns die Kitze vorbeibringen“, erzählt Susanne Schmidt. Sie finden die kleinen, erst wenige Tage alten Kitze am Wegesrand oder beim Spazierengehen im Wald. Die kleinen Kitze mit dem weiß-braun gepunkteten Fell wirken oft verlassen. „Doch meist hält sich die Ricke in der Nähe auf“, weiß die erfahrene Tierärztin. „Sobald das Muttertier an ihrem Kitz allerdings Menschengeruch wahrnimmt, lässt sie es im Stich.

 Die Ziegen aus dem Theaterstück „Onkel Wanja“ warten dringend auf Unterstützung.
Die Ziegen aus dem Theaterstück „Onkel Wanja“ warten dringend auf Unterstützung. FOTO: Antje Mueller

„Man sollte sich vorsichtig zurückziehen und die Lage beobachten“, sagt Susanne Schmidt. Meist würde dann das Muttertier auftauchen. „Natürlich kommt es auch vor, dass kleine Kitze bei der Wiesenmahd verletzt werden, dann sind sie bei uns gut aufgehoben“, sagt sie. „Oft aber liegen die Kitze zwar allein im Gras, die Mütter aber beobachten sie aus sicherer Entfernung.“

Die kleinen Rehkitze liegen bis zu einem Alter von drei Wochen bei Störungen dicht an den Boden gedrückt. Erst danach lösen Räuber, Lärm und Menschen das Fluchtverhalten aus.

Susanne Schmidt: „In neun von zehn Fällen hätten die Finder das Tier besser in Ruhe gelassen.“ Sie rät Tierfreunden, sich an einige einfache Verhaltenregeln zu halten.

Die Kitze liegen jetzt im Wald oder auf Wiesen im Gras und flüchten nicht vor dem Menschen. Niemals anfassen: Die Ricke würde den Menschengeruch sofort wahrnehmen und das Kitz im Stich lassen.

Wer ein Kitz entdeckt, sollte sich vorsichtig zurückziehen. Meist hält sich die Mutter in der Nähe auf und wartet, bis der Mensch verschwunden ist.

Wer Zweifel hat, ob die Ricke noch lebt, sollte den zuständigen Jäger oder Förster informieren. Auch bei verletzten Jung- oder Muttertieren sollte der Förster gerufen werden.

Stört ein Kitz beim Mähen einer Wiese, sollte der Bauer es umfahren. Noch besser: Erst mähen, wenn Kitz und Ricke weitergezogen sind. Susanne Schmidt: „Inzwischen gibt es sogar naturnahe Landwirte, die ihre Flächen vor der Maht mit einer Drohne abfliegen, um so Jungtiere aufzuspüren und zu schützen.“

Findet man ein schwaches, deutlich abgemagertes und fiepsendes Jungtier, wurde die Mutter sehr wahrscheinlich getötet. Die Wildtierauffangstation oder der zuständige Jäger sind hier die richtigen Ansprechpartner.

„Auf keinen Fall sollte sich ein Laie an das Experiment einer Handaufzucht wagen“, rät Susanne Schmidt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde das Kitz sterben oder lebenslang unter schweren Fehlprägungen leiden. Bei ihr in der Auffangstation werden die Tiere artgerecht aufgezogen und mit Spezialmilch gefüttert. Um die Prägung auf den Menschen zu verhindern, leben Jungtiere möglichst mit älteren Vertretern ihrer Art zusammen. „Viele Tiere müssen bis zu einem Jahr bei mir bleiben, bis ich sie auswildern kann.“

Rehkitze und andere Fundtiere betreut die Ärztin seit Jahren ehrenamtlich. „Finanzielle Unterstützung bekomme ich dafür nicht“, sagt sie. Jedes neue Tier ist eine Belastung für die Station. „Leider haben wir auch für unsere Theaterziegen noch keine Paten gefunden.“ Die weißen Ziegendamen hatten über zwei Jahre hinweg an insgesamt 15 Vorstellungen des Dramas „Onkel Wanja“ mitgewirkt und genießen nun ihren Ruhestand in Skadow.


Wer Susanne Schmidt und ihren Tieren helfen möchte, kann spenden: an die Wildtierauffang- und Pflegestation, IBAN:
DE 28 1805 0000 0190 0092 50.