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Gedenkstätte erinnert an Todesopfer des Eisernen Vorhangs

Cottbus. Mahnmal wird am Sonntag zum 56. Jahrestag des Mauerbaus im Cottbuser Menschenrechtszentrum eingeweiht. Auch eine Plakatausstellung öffnet. red/pos

Am kommenden Sonntag, 13. August, jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 56. Mal. Aus diesem Anlass weiht das Menschenrechtszentrum Cottbus (MRZ) um 13 Uhr ein Mahnmal für die Todesopfer an den Grenzen des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer ein, informiert Gedenkstättenleiterin Sylvia Wähling.

Tausende DDR-Bürger versuchten nach dem Mauerbau, zu Land, zu Luft und zu Wasser in die Freiheit zu gelangen. Vielen gelang die Flucht, andere scheiterten und mussten mehrere Jahre im Gefängnis verbringen. Hunderte Fluchtwillige ließen ihr Leben. "Diesen Menschen möchte das Menschenrechtszentrum in dem Ort gedenken, der früher das Republikfluchtgefängnis der DDR schlechthin war und heute von ihm als Gedenkstätte betrieben wird", so Sylvia Wähling.

Das MRZ hatte zum 50. Jahrestag des Mauerbaus die Gedenkaktion "1 Ziegel für 1 Maueropfer" gestartet. Bürger konnten seit dem 13. August 2011 einen Ziegel mit dem eingebrannten Namen eines Todesopfers für 20 Euro als Spende erwerben. Mit allen Ziegeln hat der Künstler Gino Kuhn im Gelände der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ein neues Kunstwerk geschaffen, das die Umrisse der DDR symbolisiert. Gino Kuhn hat eine persönliche Beziehung zum Mahnmal, denn er musste als westdeutscher Fluchthelfer wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels" 20 000 Stunden (knapp 2,5 Jahre) DDR-Gefängnisse kennenlernen.

Bereits am 10. Dezember 2011, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, konnte der erste Abschnitt des Mahnmals mit den Opfern an der Berliner Mauer eröffnet werden. In diesem Jahr beendete der Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin seine Erforschung der Namen der Todesopfer an der innerdeutschen Grenze, sodass nun das Mahnmal in der Cottbuser Gedenkstätte mit diesen neuesten Erkenntnissen beendet werden kann. Es werde jedoch nicht aller Todesopfer gedacht, weist Sylvia Wähling, sondern lediglich der Menschen, die infolge einer Fluchtabsicht zu Tode gekommen sind.

Insgesamt haben aus ganz Deutschland und dem Ausland 272 Einzelspender für circa 200 Todesopfer mit 24 000 Euro die Gedenkaktion unterstützt. Unter ihnen befinden sich mehrere ehemalige Häftlinge des Zuchthauses Cottbus, Spender, die mehrere Ziegelsteine "kauften", sowie Personen, die mit einer Geldspende ihre Solidarität mit der Gedenkaktion zum Ausdruck bringen wollten. "Wir sind froh und dankbar, dass dieses Mahnmal ein echtes Bürgermahnmal ist, in dem kein einziger Cent an öffentlicher Förderung eingeflossen ist und komplett aus Spenden finanziert wurde", so die geschäftsführende Vorsitzende des Vereins, Sylvia Wähling.

Im Anschluss an der Einweihung des Mahnmals wird die Plakatausstellung "Grenzen verstehen. Die Berliner Mauer 1961-1989" im Menschenrechtszentrum Cottbus eröffnet, die bis zum 17. September zu sehen ist.