Am 12. Dezember laden in Cottbus Kirchengemeinden, Hilfsorganisationen, das Carl-Thiem-Klinikum und weitere Organisationen zur Gedenkandacht für verstorbene Kinder. Zum inzwischen vierten Mal findet die Veranstaltung in der Marienkirche am alten Busbahnhof statt. Für viele Familien, die Kinder verloren haben, ist es schon ein Ritual geworden.
Der Termin kurz vor Weihnachten sei bewusst gewählt, sagt Benjamin Kaschula von der Notfallseelsorge Cottbus/Spree-Neiße. Er ist einer der Organisatoren, die das Angebot 2018 ins Leben gerufen haben. Das Weihnachtsfest sei für viele Angehörige, die einen lieben Menschen verloren haben, ein besonders schwerer Moment. Da könne es helfen, mit anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, zusammenzukommen.

Gemeinsame Trauer mit anderen Betroffenen hilft

„Man verarbeitet das ganz anders. Hier kann man eine Träne vergießen. Hier kann ich über meine Trauer reden“, sagt Nicole Queißert. Die Mutter aus Forst hat ihren kleinen Sohn 2018 nach einem Unfall und längerer Krankheit verloren. Die Trauer begleitet sie bis heute. Zuhause zündet sie eine Kerze an, wenn sie an ihren Jan-Leon denkt.
Gedenkfeier für verstorbene Kinder in Cottbus „Ich denke jeden Tag an Jan-Leon“

Cottbus/Forst

In der Kirche werden in diesem Jahr Steine eine Rolle spielen. „Der Stein kann ein Symbol für die Schwere der Trauer sein. Man kann ihn aber auch gestalten und umfunktionieren als Stein der Erinnerung“, sagt Benjamin Kaschula. Am Ende der Andacht, die sich bewusst nicht nur an christliche Eltern und Angehörige richtet, soll ein Gedenkstein an den „Baum der Erinnerung“ vom letzten Jahr gelegt werden.

Gedenkfeier für verstorbene Kinder soll Angehörigen etwas mitgeben

Nach dem Treffen werden Ballons in den Himmel steigen, mit Grüßen an die verstorbenen Kinder. Auch das ist so ein Ritual, das Eindruck macht, das aber auch hilft, zu verarbeiten. „Wir wollen den Teilnehmern etwas mitgeben, etwas das Kraft gibt“, sagt Benjamin Kaschula. Ganz bewusst arbeitet die Gedenkveranstaltung mit Licht und Musik. Bei gefühlvoller Musik rollen dann die Tränen. „Das darf sein, das tut gut“, sagt Kaschula.
Eingeladen sind ausdrücklich alle, die ein Bedürfnis dazu haben: Eltern und Zugehörige, Mitfühlende und sich Solidarisierende. Aufgrund der aktuellen Coronalage ist eine Registrierung via App oder manuell nötig. Die Teilnehmerzahl ist auf 100 Menschen begrenzt und das Tragen eines Mund-Nasenschutz-Maske nötig. Die Gedenkfeier beginnt am 12. Dezember um 15.30 Uhr in der Marienkirche in der Adolph-Kolping-Straße 17.