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Jubiläum
Geburtstag feiert „Möhrchen“ in der Loipe

Gerhard Stolz, vielen besser bekannt als „Möhrchen“, gibt mit 65 seinen Laden in Ströbitz auf, hat aber noch viele Pläne.
Gerhard Stolz, vielen besser bekannt als „Möhrchen“, gibt mit 65 seinen Laden in Ströbitz auf, hat aber noch viele Pläne. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Gerhard Stolz wird heute 65. Der Extremsportler denkt noch lange nicht lange nicht an den Ruhestand.

(ski) Wie in all den Jahren zuvor wird Gerhard Stolz seinen Geburtstag heute auf den Pisten des tschechischen Isergebirges erleben. „Das ist nicht etwa eine Miss­achtung der Leute an meiner Seite. Eher gehe ich hier meiner Leidenschaft, dem Skilanglauf, nach“, sagt der Mann, der auf dem Weg ins Rentenalter schon Großes geleistet hat.

Speziell, als der ehemalige Schwimmer 1977 aus Rostock kommend, in Cottbus schnell Fuß gefasst hat und hier alsbald Anschluss an die Hobby-Radler des „Veloteams“ gefunden hat. Und er zudem schnell Freundschaft mit Sportgeräten schloss, die wichtig für seinen beruflichen Weg werden sollten. Zunächst leitete er das bis 1989 in der damaligen Sachsendorfer Leninallee beheimatete Sportgeschäft, um nach dessen Aus in den Fahrradhäusern von Lutz Heßlich und Wolfgang Hübner als Fahrrad-Mechaniker sein Können zu beweisen. Nach einem Zwischen-Stopp beim „Rückenwind“ des Macht Los e.V. machte er sich Ende 1999 auf die Suche nach etwas Eigenem. „Da hatte ich wirklich einiges Glück, den damaligen Ortschef von Ströbitz, Wolfgang Fischer, zu treffen, der mir den Weg zu einem gerade leer stehenden Laden im Zentrum dieses Stadtteils geebnet hat. Dort habe ich dann am 19. Februar 2000 Möhrchens Fahr-Rad-Laden eröffnet“, erinnert sich der Mann, der aufgrund seines ungewöhnlichen grauen Zopfes nicht nur in Ströbitz recht bald bekannt war.

Dass er nicht nur dort aktiv ist, zeigt eine Aktion aus dem Vorjahr. „Die Pfarrerin aus Sielow, wo ich ja wohne, hatte angefragt, ob ich nicht ein paar abgelegte Räder aufarbeiten könnte, um sie anschließend für aus der Heimat geflüchtete junge Burschen zur Verfügung zu stellen. Rund 50 Räder, die von den Leuten an den Sammelpunkten abgegeben wurden, habe ich aufbereitet und damit zur Mobilität der Cottbuser Neu-Bürger beigetragen. Eine für mich sehr schöne Aufgabe, zumal ich längst enge private Kontakte zu einigen jungen Flüchtlingen geknüpft hatte“, erklärt Stolz.

Bekannter ist er unter seinem Spitznamen „Möhrchen“. Verpasst bekam er diesen von früheren Kolleginnen, die sich über seinen täglichen Verzehr kleiner Mohrrüben lustig gemacht hatten.

Unter dem Namen „Möhrchen“ kennt man ihn auch in der Sport­szene. Seine sicher bedeutendste Leistung stammt aus dem Jahr 1999, als er gemeinsam mit Heinz Noack 24 Stunden lang die Cottbuser Radrennbahn umrundete. Der dabei aufgestellte Weltrekord von 650,233 Kilometern, erreicht in stets gemeinsamer Fahrt, ist bis heute im „Guinness-Buch der Rekorde“ geführt. Auch die „Fichkona“-Fahrt im Jahr 2008 sucht seinesgleichen. Elf Rad-Amateure hatten sich gemeinsam mit Gerhard Stolz in den Morgenstunden des 28. Juni am Fichtelberg auf den Weg nach Kap Arkona gemacht. 601 Kilometer waren da bis zu den Morgenstunden des Folgetags zu absolvieren. Auch das hat „Möhrchen“ geschafft. Genau wie den berühmten Wasa-Lauf, einen  90-Kilometer-Ski-Langlauf in Schweden.

Gegenwärtig beschäftigt ihn allerdings eine andere Sache weit mehr als das Blättern in seinen Erfolgsannalen. „Meinen Laden hier in Ströbitz werde ich demnächst aufgeben. Aber es gibt da jemanden, der Interesse an der Weiterführung hat. Ihn werde ich nach Kräften in der Vorbereitung der Geschäftsübernahme unterstützen“, sagt er. „Und wenn alles gerichtet ist, werde ich wohl 2018 meiner Leidenschaft auf Mallorca nachgehen. Bei Easy-Tours möchte ich dann für einige Monate im Jahr als Fahrradmechaniker tätig sein“, berichtet er über seine weitreichenden Pläne.

(ski)