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| 20:00 Uhr

RUNDSCHAU-Sommertour in Cottbus
Gaumenschulung in der Bierbrauerei

Auf der RUNDSCHAU-Sommertour in der Cottbuser Brauerei Labieratorium probierten die Teilnehmer drei verschiedene Biere. Fotos: Helbig
Auf der RUNDSCHAU-Sommertour in der Cottbuser Brauerei Labieratorium probierten die Teilnehmer drei verschiedene Biere. Fotos: Helbig FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Auf der RUNDSCHAU-Sommertour im Labieratorium Cottbus wird am Malz geknabbert und Bier genippt. Von Josephine Japke

„Es ist der schönste Job der Welt“, sagt Labieratorium-Chefin Anja Braun mit einem Blick auf die Gäste der RUNDSCHAU-Sommertour und Mitarbeiter André Roßeck. Bei strahlendem Sonnenschein sitzt die kleine Gruppe vor der Brauerei in der Karl-Liebknecht-Straße in Cottbus, nippt genüsslich am Bier und fachsimpelt etwas über die verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Labieratorium-Mitarbeiter André Roßeck zeigt den Biertestern die verschiedenen Röstungsgrade von Malz.
Labieratorium-Mitarbeiter André Roßeck zeigt den Biertestern die verschiedenen Röstungsgrade von Malz. FOTO: Michael Helbig

„Hmmm, das schmeckt aber lecker“, seufzt Barbara Leuschner aus Cottbus zufrieden, als sie den ersten Schluck vom Cottbuser Vollbier nimmt. André Roßeck hat es sich am Mittwoch zur Aufgabe gemacht, die Gaumen der acht Teilnehmer für drei verschiedene Biersorten zu sensibilisieren: Pilsener, Altbier und Weizen.

„Dabei gibt es mehr als 150 Biersorten und über 220 Hopfensorten auf der Welt“, erklärt der Experte. Im Labieratorium stellen sie mittlerweile 14 verschiedene Sorten Bier her, sieben davon gibt es frisch gezapft in der eigenen Craftbeer-Bar „Labyrinth“ am Altmarkt zu kosten. Das Pilsener zählt auch dort zu den beliebtesten Bieren.

Das folgende Bier, das Rauchbier „Alte Welt“, ist da schon deutlich herber im Geschmack. Vor allem die Männer in der Runde sind davon angetan. „So ein Bier könnte es auch schon im Mittelalter gegeben haben, denn das Korn, das wir dafür verwenden, wurde über Buchenholz geräuchert“, erklärt André Roßeck. Was damals eine weit verbreitete Zubereitungsart war, ist heute beinahe ausgestorben. Nur noch in Bamberg wird so Bier hergestellt – und jetzt auch wieder in Cottbus.

Das dritte Bier im Bunde, das Weizen, schmeckt samtig frisch, mit einem Hauch von Banane. „Es ist komisch, denn das Bier wird in Bayern am liebsten getrunken. Dabei entspricht es genau genommen nicht dem Deutschen Reinheitsgebot“, erklärt André Roßeck. Denn da steht seit über 500 Jahren geschrieben, woraus reines Bier bestehen soll: Wasser, Hopfen und Gerstenmalz.

Im Mittelalter soll es in Cottbus und Umgebung etwa 300 Häuser gegeben haben, die ein Braurecht hatten. Vor 700 Jahren brachen deshalb regelrechte Bierkriege in der Lausitz aus, in denen über Handelsrouten und Getreide gestritten wurde.

„Es ist schön, dass es endlich wieder eine Brauerei in Cottbus gibt“, sagt Barbara Leuschner und erinnert an die Merkur-Brauerei, die 1992 zugemacht hat. Für sie war das auch ein Grund, bei der Sommertour dabei zu sein. „Ich hab schon öfter an Sommertouren teilgenommen, zum Beispiel am Ostsee oder vor einem Jahr im Biohof Auguste. Aber die Brauerei wollte ich mir nicht entgehen lassen“, erklärt sie begeistert.