Von Silke Halpick

Üppige Lupinen- und prachtvolle Ritterspornstauden, seltene Rosenarten und Blütenarrangements mit filigranen Wildblumen haben das Herz von Gartenliebhabern wieder höher schlagen lassen. Das Gartenfestival in der Branitzer Schlossgärtnerei zog am Wochenende Tausende Besucher aus der gesamten Region an. Während die einen das einzigartige Ambiente genossen, lauschten andere gespannt den zahlreichen Fachvorträgen.

„Der Zaun hier ist ganz neu“, sagt Holger Terno von der Gärtnerei der Stiftung Park und Schloss Branitz. Er führt interessierte Festivalgäste auf das Gelände der Baumuniversität. Das Gitter soll die Wildschweine davon abhalten, die frisch gepflanzten Bäume, Sträucher und Bodendecker zu fressen. Nach historischem Vorbild werden hier genetisch identische Bäume gezogen und verschult, die später in den Branitzer Park gepflanzt werden sollen.

„Viele der Sorten sind verschollen und in den Baumschulen nicht mehr zu haben“, begründet Terno. Ziel sei, den Bestand zu sichern und ausreichend Gehölze für den eigenen Bedarf bereitzuhalten. „Das ist eine spannende Aufgabe“, betont er. Trockenheit und Sturm haben auch dem Branitzer Park zugesetzt. Im Sommer 2018 sei der Boden bis zu einer Tiefe von 1,8 Metern ausgetrocknet, so Terno. Astabbrüche und Totalausfälle seien aber auch bei alten Bäumen keine Seltenheit.

Mindestens fünf Jahre alt ist ein zartes Stileichen-Bäumchen, zu dem sich Holger Terno herabbeugt. „Eichen haben eine lange Pfahlwurzel, die in den ersten Jahren vorsichtig verschult werden muss“, erklärt er. Verschulen bedeutet, dass die Pflanze mit dem Spaten umstochen wird, damit das Wurzelwerk fürs spätere Umsetzen „beherrschbar“ bleibt. Schon Pückler hattegroße Bäume mithilfe eines Baumpflanzwagens umgesetzt. „Eine enorme Leistung“, wie Terno findet.

Ein ganz anderes Format hat der 50-jährige Feldahorn von Nadine Folger. Er ist nur knapp 50 Zentimeter hoch: ein Bonsai. „In Europa werden viele Pflanzen aus der Natur entnommen“, erzählt sie. Ihre Prachtexemplare bekommen jeden Tag Dünger, wenn auch in ganz geringen Mengen. Nadine Folger ist eine von rund 50 Ausstellern, die mit ihren ganz unterschiedlichen Angeboten vertreten sind. Mit hohen Umsätzen rechnet sie allerdings nicht. „Hier sind keine Bonsaianer“, begründet sie. Dennoch komme sie gern nach Branitz – wegen der „netten Atmosphäre“. Ein zweitägiger Anreiseweg von „kurz vor der holländischen Grenze“ liegt hinter ihr.

Zu den Stammgästen des Gartenfestivals gehört auch Gabriele Arndt aus Beeskow, die sich gemeinsam mit ihrem Mann auf einer Bank ausruht. Im Einkaufskorb stehen bereits Tomatenpflanzen. 75 verschiedene Sorten wachsen im heimischen Garten, wie sie erzählt. An Branitz schätzt sie vor allem das Angebot an seltenen und kostbaren Pflanzen. Einer ihrer regelmäßigen Anlaufpunkte ist die Rosenschule aus Radekow (Uckermark), eine von nur drei mit Biosiegel in ganz Europa. Selbst wenn Gabriele Arndt nichts kauft, berichtet sie zumindest, wie gut die Pflanzen selbst im Lausitzer Sandboden wachsen.

„Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist, hat ihn nicht verdient“, sagt Fernsehgärtner Hellmuth Henneberg. Mit diesem frechen Spruch des Landschaftsgärtners Karl Försters und zahlreichen eigenen Anekdoten unterhält er sein Publikum im Wissens-Pavillon bestens. Gleich nebenan können die Besucher ihr Votum für das beste Blumengesteck abgeben.Die Arrangements bezaubern durch ihre zarten Wild- und Wiesenblumen. Siegerin ist Doreen Kockot von „Die Binderei“ aus Cottbus vor „Kreative Floristik“ aus Kiekebusch und Floralia aus Groß Gaglow.

Zahlreiche Zuschauer hat auch der Luckauer Konditor René Klinkmüller, der im Genuss-Pavillon Törtchen mit frischen Erdbeeren garniert und anschließend verteilt. Normalerweise fährt er samstags Hochzeitstorten aus, wie er erzählt. Klinkmüller hat als Chefpatissier der deutschen Nationalmannschaft schon zwei Weltmeistertitel mit der Mannschaft geholt. Besonders stark sei die Konkurrenz aus den skandinavischen Ländern. „Die zeigen uns momentan, wo der Hammer hängt“, sagt er.

Mit dem Gartenfestival, das unter dem Thema „Pückler und die wilde Mark“ läuft, ist auch Bettina Möbes von der Veranstaltungsagentur Poolproduction zufrieden. „Es läuft alles prima“, sagt sie. Wer eine Auszeit braucht, kann sich in eine der Gondeln setzen und den Branitzer Park samt Pyramiden aus der Wasserperspektive erleben.

Bildergalerie Das Gartenfestival Park & Schloss Branitz lockte am Wochenende Tausende Besucher in den Branitzer Park. Erstmals gab es Führungen durch die Baumuniversität. Zu den Höhepunkten gehörte der Blumensteckwettbewerb unter Schirmherrschaft von Elke Gräfin von Pückler.