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Gärreste im Naturschutzgebiet

Die Sachsendorfer Wiesen sind ein vom Menschen geformtes Ökosystem. Landwirtschaft ist für den Erhalt nötig, doch es gibt unterschiedliche Auflagen und Beschränkungen für das Gelände, in dem zwei Natur- und ein Wasserschutzgebiet liegen.
Die Sachsendorfer Wiesen sind ein vom Menschen geformtes Ökosystem. Landwirtschaft ist für den Erhalt nötig, doch es gibt unterschiedliche Auflagen und Beschränkungen für das Gelände, in dem zwei Natur- und ein Wasserschutzgebiet liegen. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Ein Landwirt bringt Düngung auf den Sachsendorfer Wiesen aus und verstößt damit gegen Umweltauflagen. Der anonyme Hinweis eines RUNDSCHAU-Lesers bringt die Behörden darauf. Peggy Kompalla

Die Sachsendorfer Wiesen sind ein wichtiges Naturschutzgebiet am Rande von Cottbus. Es setzt sich über den Hänchener Busch bis zur Putgolla bei Kolkwitz fort. Das sumpfige Gelände ist auf einen früheren Spreelauf zurückzuführen. Das schreibt die Cottbuser Naturschützerin Sieglinde Sack im Heimatkalender 2015. Demnach sähe das Gebiet ohne menschliche Eingriffe ganz anders aus. "Nur durch das Mähen wird uns diese artenreiche Wiesenlandschaft erhalten bleiben", erklärt sie.

Ohne Landwirtschaft geht es also nicht. Doch für den Geschmack eines RUNDSCHAU-Lesers geht dieser Vertragsnaturschutz viel zu weit. Er meldete sich anonym und beklagte das "tonnenweise" Ausbringen von Gärresten aus einer Biogasanlage in dem Naturschutzgebiet. Bei der Gelegenheit seien durch das schwere Gerät in den Wiesen "Furchen für die Ewigkeit" geschaffen worden. Er ist darüber aufgebraucht.

Offenbar zu recht. Das bestätigt Andreas Jäkel. Er ist im Cottbuser Umweltamt für Artenschutz und Schutzgebiete verantwortlich. "Leider sind zwei Flächen gedüngt worden, die überhaupt nicht gegüllt werden dürfen", sagt er. Das habe eine Überprüfung nach dem Hinweis ergeben. In beiden Fällen seien Feuchtwiesen betroffen, die sich durch regelmäßiges Düngen in der "Artenvielfalt vereinfachen" würden. "Wir haben das der Firma mitgeteilt und auch eine Zuarbeit an das Landwirtschaftsamt Spree-Neiße gemacht." In den nächsten Tagen soll es darüber hinaus ein Gespräch mit dem Agrarbetrieb und den zuständigen Behörden geben. Thomas Rätze vom Fachbereich Umwelt und Natur verspricht: "Wir klären genau, was passiert ist." Als Schlussfolgerung aus dem Vorfall wolle das Cottbuser Umweltamt dem Betrieb eine fachliche Begleitung für die Arbeit in den Sachsendorfer Wiesen anbieten.

Thomas Rätze zeigt eine Karte, die wie ein Mosaik anmutet. Er erklärt: "In den Sachsendorfer Wiesen gibt es zwei Naturschutzgebiete - den Fuchsberg mit einer Große von fünf Hektar und der Schnepfenried umfasst etwa 39 Hektar. Zusätzlich gehört ein Teil zum Wasserschutzgebiet des Wasserwerks Sachsendorf. Zwischendrin ist ganz normal Landwirtschaft möglich." Für jedes Schutzgebiet bestehen eigene Auflagen und Beschränkungen. Das mache die Bewirtschaftung kompliziert. Per se sei das Düngen mit Gülle in dem Gebiet jedoch nicht verboten.

Mit Blick auf die Hinweis- und Verbotsschilder in dem Naturschutzgebiet schreibt der Leser: "Es ist schon paradox, wie der einfache Bürger und Genießer der Wiesen zu Rücksichtnahme aufgefordert wird. Jedoch geht dieses Thema an den Landwirten komplett vorbei."

Thomas Rätze betont: "Wir brauchen aufgeklärte und engagierte Bürger." Das beweise der aktuelle Fall.

Zum Thema:
Die frühere Vorsitzende des Naturschutzbeirates Sieglinde Sack hat im Heimatkalender von 2015 über die Sachsendorfer Wiesen geschrieben. "Im Jahr 2001 wurden 223 Pflanzenarten erfasst, darunter etliche gefährdete Arten. Vielfältig sind auch die Biotoptypen. Feuchtbiotope wie Moore, Sümpfe, Nass- und Feuchtwiesen sind besonders wertvoll." Die Wiesen würden nur durch die Bewirtschaftung und das Mähen erhalten.