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| 17:23 Uhr

Burger Fußball
Aus der Haft aufs Spielfeld

 Daniel Müller ist seinem ehemaligen Präsidenten Michael Wahlich bis heute sehr dankbar.
Daniel Müller ist seinem ehemaligen Präsidenten Michael Wahlich bis heute sehr dankbar. FOTO: Georg Zielonkowski
Burg. Beim Treffen der Aufstiegsfußballer in Burg erzählt der ehemalige Präsident Michael Wahlich, wie er 2003 Stürmer Daniel Müller aus der Haft in Schwarze Pumpe freigekauft hat. Von Georg Zielonkowski

Nach langer Pause haben sich am Wochenende jene Fußballer getroffen, die am Anfang der 2000er-Jahre für den spektakulären Aufstieg der SG Burg sorgten. In der Saison 1998/99 gerade noch dem Kreisliga-Abstieg entronnen, ging es danach Spielklasse um Spielklasse bis in die Verbandsliga. Dieser Aufstieg hatte einen Namen: Michael Wahlich. Der setzte als Präsident nicht zuletzt auch finanziell alles daran, eine Mannschaft zusammenzuführen, die zu Höherem taugt.

So landete auch ein Daniel Müller im Spreewald, der nach seinen 13 Jahren daheim bei Pirna-Copitz auf einige Oberligaeinsätze beim Dresdener SC gekommen war. Daniel Müller war neben seinen außergewöhnlichen fußballerischen Fähigkeiten auch ziemlich „besonders“. So trug er aus seiner Bundeswehrzeit eine finanzielle Strafe mit sich herum, die er nicht bezahlte. Kurz danach wurde ihm der Führerschein entzogen, dennoch fuhr er weiter Auto. „Was sollte ich machen, ich war Handelsvertreter für Brillen, ich brauchte das Auto. Einen Monat ohne ging gar nicht“, blickt der heute 44-Jährige zurück, der damals zwischendurch auch als Stripper etwas dazuverdient hatte.

Ohne Führerschein erwischt und ein volles Strafregister

Wie sollte es anders sein: In Königs Wusterhausen wurde er ohne Papiere erwischt und aufgrund seines gut gefüllten Strafregisters und seiner Zahlungsunfähigkeit inhaftiert. Cottbus, Königs Wusterhausen, Neuruppin und Schwarze Pumpe hießen die Haftstationen. „Eines Tages kam in Pumpe ein Wärter und fragte, ob ich Herrn Wahlich kenne, er will mich freikaufen. Klar kenne ich unseren Präsidenten, habe ich gesagt, und zwei Stunden später stand ich vor dem Tor“, erinnert sich Müller.

Die ersten zwei Tore wieder in Freiheit

Von einer terminlichen Punktlandung könnte man sprechen, wenn es um den Termin der Freilassung im Jahr 2003 geht. Wartete doch vor dem Tor Fußball-Kollege Enrico Jank, der aufs Tempo drückte: „Wir fahren jetzt von Schwarze Pumpe schnell nach Burg, um aus Deiner Wohnung die Sachen zu holen. Dann geht’s gleich wieder zurück nach Spremberg, da steht unser Pokalspiel an“, so die Marschroute der ersten Stunden in Freiheit. Die endeten mit einem 2:0-Sieg, dekoriert mit zwei Müller-Toren. Burgs Stürmer hatte danach noch viele Sozialstunden abzuleisten. Die Malerarbeiten im alten Burger Sportlerheim halfen beiden Seiten.

9000 Euro eingezahlt

Michael Wahlich, der bis zum Herbst 2018 auch die Geschicke des FC Energie Cottbus lenkte, machte beim Treffen seiner ehemaligen Spieler am Wochenende in Burg kein großes Theater um seine damalige Großzügigkeit: „Es war halt so. Wir hatten sportlich viel vor und haben mit den vielen überdurchschnittlichen Spielern von Torjäger Jörg Handrick über Ronny Zeiß bis zu Frank Preuß tatsächlich auch den Aufstieg bis zur fünften Liga Deutschlands geschafft. Und in dem Gefüge war Daniel Müller eben ganz wichtig. Den haben wir dank seiner Schlitzohrigkeit und seines Tordrangs dringend gebraucht. Darum war es für mich wichtig, ihn mit der Einzahlung von 9000 Euro wieder in die Freiheit und zur SG Burg zurückzuholen.“

Dass Daniel Müller ein weiteres Mal seinem damaligen Präsidenten dankte, muss nicht sonderlich erwähnt werden.