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| 18:30 Uhr

Cottbus
Fundamente verraten alten Stadtplan

Jeder Stein wird vom ABBU-Team genau dokumentiert.
Jeder Stein wird vom ABBU-Team genau dokumentiert. FOTO: LR / Peggy Kompalla
Cottbus. Auf dem Oberkirchplatz legen Archäologen alte Mauerwerke frei. Für die Fachleute ist das keine Überraschung. Trotzdem bergen sie Geheimnisse. Von Peggy Kompalla

Die besten Zuschauerplätze bietet das Restaurant Shiva. Während Lamm Curry serviert wird, bietet sich den Gästen der freie Blick auf das Grabungsfeld auf dem Oberkirchplatz. Dort legen die Mitarbeiter des Unternehmens Archäologische baubegleitende Untersuchungen (ABBU) alte Fundamente frei und dokumentieren jeden einzelnen Stein. So offenbart sich den Zaungästen ein vergessener Stadtplan von Cottbus.

Grabungsleiterin Cathérine Korluß schlägt einen Aktenordner auf. Unter all dem Papier befindet sich auch die Kopie eines Stadtplans aus dem Jahr 1800. Der Grundriss der Oberkirche – dem größten Gotteshaus Südbrandenburgs – ist selbst für das ungeübte Auge schnell auszumachen. Etwas schwieriger gestaltet es sich mit den Linien rundherum. Die Finger der Archäologin gleiten über die zarte Zeichnung. „Hier“, sagt sie. „Das ist das Grabungsfeld. Hier steht sogar das Wort Schule. Nördlich davon liegt die Gasse.“ Von der Karte wandert der Blick über die freigelegte Fläche. Das Pflaster ist schnell ausgemacht, auch die Mauern der einstigen Lateinschule. „Das war war eine Sackgasse. Nördlich schloss sich weitere Bebauung an.“ Die schwarz-weißen Linien auf dem Papier liegen als Ziegel und Steine direkt zu Füßen.

Heiko Budach legt die ältesten Fundamente der einstigen Lateinschule frei.
Heiko Budach legt die ältesten Fundamente der einstigen Lateinschule frei. FOTO: LR / Peggy Kompalla

Aber warum dann noch einmal diese Arbeit? „Es gibt zwar alte Stadtpläne, die variieren aber voneinander. Außerdem kennen wir bislang nicht die genauen Grundrisse der Gebäude“, erklärt Cathérine Korluß. Doch genau die verraten alles über die Geschichte der Häuser – im Speziellen der Schule. „Erst jetzt bekommen wir exakte Hinweise darauf, wie das Gebäude ursprünglich aussah.“ Schließlich wurde es im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt. Darüber hinaus können die Fachleute durch die Untersuchungen sämtliche Umbauten in den späteren Zeiten nachvollziehen. „So bekommen wir ein vollständiges Bild von der Geschichte.“ Das Ende ereilte die Schule im Jahr 1945, als ein Feuer von der Oberkirche auf die Schule übergriff. Sie und die angrenzenden Häuser wurden nicht wieder aufgebaut. So verschwand ein ganzer Straßenzug.

Ausgrabungen Oberkirchplatz - Scherben und Nägel
Ausgrabungen Oberkirchplatz - Scherben und Nägel FOTO: LR / Peggy Kompalla

„Der Platz wurde zu DDR-Zeiten zwar noch einmal erneuert“, berichtet Cathérine Korluß. „Aber die Fundamente wurden gut konserviert. Wir sind schon nach 30 Zentimetern auf Mauerwerk gestoßen.“ Nun dokumentieren die Fachleute alles genauestens. Es werden Zeichnungen gefertigt, Fotos gemacht und die Geodaten erfasst. Denn ein Großteil der gerade freigelegten Fundamente muss bis auf eine Tiefe von zwei Metern abgetragen werden. Es soll Platz geschaffen werden für die Wurzeln des Baumhains. Dort findet auch das Denkmal von Ludwig Leichhardt seinen Platz. Der Australienforscher legte im Jahr 1831 sein Abitur am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium ab, wie die Lateinschule später hieß.

Die Kopie eines historischen Stadtplans von Cottbus aus dem Jahr 1800. Die Archäologen wussten damit, dass sie an der Stelle Fundamente freilegen würden.
Die Kopie eines historischen Stadtplans von Cottbus aus dem Jahr 1800. Die Archäologen wussten damit, dass sie an der Stelle Fundamente freilegen würden. FOTO: LR / Peggy Kompalla