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| 18:47 Uhr

Fürs Gaglower Blümchen schlägt's 13

Das Gaglower Blümchen will Dietmar Woidke seinen Stuhl anbieten.
Das Gaglower Blümchen will Dietmar Woidke seinen Stuhl anbieten. FOTO: Johannes Koziol
Cottbus-Groß Gaglow. Wenn sich am heutigen Samstag in der Cottbuser Stadthalle wieder die geballte Kraft des närrischen Frohsinns trifft, darf einer nicht fehlen: Wilfried Hillebrand, das Gaglower Blümchen, geht zum 13. Mal zur Gala "Heut' steppt der Adler" in die Bütt. Annett Igel-Allzeit

Flink schließt Wilfried Hillebrand das Groß Gaglower Bürgerhaus auf. Etwas in seiner Aktentasche schellt fröhlich bei jedem Schritt. Er weiß einen Moment nicht, wohin in dem leeren Saal. Wenn er montags herkommt, proben hier die Sternchen - die jüngsten Tänzer des Gaglower Carneval Clubs (GCC). Vor elf Jahren hatte er erzählt, dass er noch fünf, sechs Jahre auf der Bühne stehen will. Da muss er närrisch gewesen sein. "Die Bütt lässt mich nicht los und der Karneval so wieso nicht - also gucke ich jetzt von Jahr zu Jahr, ob es noch geht", sagt der 66-Jährige. Ja, es gehe ihm derzeit gut. "Die Enkel - sieben, sechs und vier Jahre - halten mein Staubbeutelchen und mich jung", sagt Wilfried Hillebrand. Mit Staubbeutelchen meint er seine Frau Gislinde. Auch als "ehemalige Verlobte" taucht sie in seinen Reden auf. Das mögen die Leute. Nein, Gislinde tobt nicht mit ihm durch den Karneval. "Sie ist so eine liebe Stille, lässt mich machen und lässt mich in Ruhe, wenn ich schreibe, überlege und lerne. Und sie sitzt bei meinen wichtigen Auftritten immer im Publikum."

Gislinde Hillebrand hat ihrem Blümchen die bunt karierte Jacke mit dem breiten Revers genäht. Der Hut kam dazu. Die große Blume, eine fröhlich-gelbe Sonnenrose, muss ins Knopfloch. Besonders glücklich ist er über die Schuhe. "Hohe Plateauschuhe. Die habe ich meinem Sohn abgeluchst. Der hatte sie kurz nach der Wende gekauft, sie eine ganze Weile stolz getragen. Aber dann waren sie ihm eines Tages doch zu schwer." Und nun gehören sie zum Gaglower Blümchen wie die rote Knollnase und der überdimensionale Stuhl.

Vor einem Jahr wollte er Matthias Platzeck auf seinen roten Stuhl holen. Das klappte aber nicht, der damalige Ministerpräsident musste wegen gesundheitlicher Probleme absagen. Aber bei Nachfolger Dietmar Woidke ist er sich heute sicher. "Dem biete ich meinen Stuhl an, der ist auch Karnevalist." Das Gaglower Blümchen geht heute unter dem Motto "Jetzt schlägt's 13!" in die Bütt. Weil es sein 13. Mal ist und weil in der Bundesrepublik, in Brandenburg und in Cottbus allerhand kurz vorm Überlaufen ist. Blümchen bedauert die Autofahrer, guckt zum Flughafen BER, auf die Leistungen des FC Energie, nach "Wowi". Und Postkutscher Kai-Uwe Geske steht neben ihm und bläst "Über sieben Brücken".

In diesen Wochen hat Hillebrand seine Bütt bis zu 20-mal am Tag aufgesagt - beim Spaziergang, wenn Gislinde in der Küche klappert, vorm Einschlafen. Und der rbb hatte diesmal kaum Anmerkungen. "Viele Tipps fürs Lernen habe ich aus einem Interview mit Heinz Rühmann. Ich war als Schüler keine Leuchte im Auswendiglernen. Nicht mal den Erlkönig soll ich ordentlich hinbekommen haben."

Aber sobald er im Blümchen-Kostüm steckt, verwandelt er sich. Er ist ein Urgestein des Gaglower Karnevals, hat den Verein gleich nach der Wende mit gegründet. Hillebrand bildet den Büttenrednernachwuchs mit aus und entwickelte mit Schülern die Moderation für die erste Kindergala "Heut' steppt der Spatz" am 3. März in Cottbus.

Das Gaglower Blümchen liebt Blumen. Und die Frauen. "Ich wurde zweimal zwangseingemeindet - erst von der Schwiegermutter von Branitz nach Groß Gaglow, dann von der einstigen Oberbürgermeisterin Karin Rätzel mit ganz Groß Gaglow nach Cottbus." Bei so viel Frauen-Power genießt er es, auf Dorffesten wie Galas sommers wie winters Reden schwingen zu dürfen. Und in der Aktentasche hat er tatsächlich Narrenschellen.

Übertragen wird "Heut' steppt der Adler" im rbb-Fernsehen am 2. März um 20.15 Uhr.