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| 16:01 Uhr

Fünfte Protest-Demo an Cottbuser Uni gegen geplante Fusion

Studierende und Mitarbeiter der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) demonstrieren am Mittwoch (18.07.2012) während ihrer Mittwochsdemo für den Erhalt der Lausitzer Hochschullandschaft
Studierende und Mitarbeiter der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) demonstrieren am Mittwoch (18.07.2012) während ihrer Mittwochsdemo für den Erhalt der Lausitzer Hochschullandschaft FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Mehr als 500 Studenten und Mitarbeiter haben am Mittwoch in Cottbus erneut gegen die geplante Fusion der Technischen Universität (BTU) mit der Hochschule Lausitz protestiert. Sie wehren sich gegen Pläne des Wissenschaftsministeriums, die beiden Hochschulen aufzulösen und 2013 in einer Neugründung zu vereinen. dpa/boc

Mit Trillerpeifen und Vuvuzelas gegen die Brandenburger Reform der Hochschulen: Mehr als 500 Studenten und Wissenschaftler haben am Mittwoch in Cottbus erneut gegen eine geplante Fusion der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) und der Hochschule Lausitz protestiert. Redner riefen die Demonstranten auf dem Campus-Gelände auf, sich gegen Pläne des Wissenschaftsministeriums zu wehren, die beiden Hochschulen aufzulösen und 2013 in einer Neugründung zu vereinen.

„Es lohnt sich, für den Erhalt der BTU weiterhin Gesicht zu zeigen“, sagte der akademische Mitarbeiter Stefan Uhlich unter Beifall sowie dem Lärm von Pfeifen und Tröten. Falls der Protest der BTU keinen Erfolg habe, müsse der Landtag in Potsdam das neue Hochschulgesetz und die Fusion stoppen. Die fünfte Protestaktion der BTU seit dem 20. Juni lief unter dem Motto „Gesicht zeigen“. „An einer Bilderwand sollen künftig Fotos von den Demonstrationen und den Teilnehmern gezeigt werden“, kündigte die BTU-Sprecherin Susett Tanneberger an.

Während die BTU, an der 6700 Studenten lernen, eine Fusion ablehnt, hat die Hochschule Lausitz, die rund 3300 Studenten hat, ihre Zustimmung signalisiert. Eine Volksinitiative „Hochschulen erhalten“ hat bisher mehr als 40 000 Unterschriften in der Region gegen eine Fusion gesammelt.

Die märkischen Hochschulen sollen sich künftig grundlegend verändern. Das hat eine Expertenkommission der Landesregierung ins Stammbuch geschrieben. Demnach sollen zwar bis 2025 wie bisher etwa 50 000 Studenten in Brandenburg lernen. Ob es dann aber noch neun Universitäten und Hochschulen in der Mark geben wird und dann noch mit dem bisherigen Profil, scheint unwahrscheinlich. Neben der Lausitz brodelt es auch an der Universität Potsdam, denn dort soll die Jura-Fakultät geschlossen und die Juristen-Ausbildung an die Viadrina-Universität Frankfurt (Oder) verlagert werden. Als diese Pläne bekannt wurden, gingen auch in Potsdam Hunderte Studenten auf die Straße.

Kritiker werfen der Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) vor, autoritär und mit dem „Holzhammer“ ihre Pläne zu verfolgen und letztlich ein Sparkonzept durchsetzen zu wollen - was die Ministerin mehrmals zurückwies. „Das Fusionskonzept beruht nicht auf einem Sparzwang“, sagte ihr Sprecher Martin Sand am Mittwoch in Potsdam. „Ministerin Kunst hat klar gesagt, dass sie den Haushalt der BTU und der Hochschule Lausitz auch in der neuen Struktur nicht beschneiden will.“ Ziel sei, beide Hochschulen mit insgesamt 10 000 Studenten angesichts sinkender Bevölkerungszahlen bundesweit schlagkräftiger und attraktiver zu machen.

BTU Cottbus-Präsident Walther Ch. Zimmerli hat mehrfach betont, dass es seit Jahren eine gute Kooperation mit der Hochschule Lausitz gebe, die aber verbessert werden könne. Allerdings müsse dies besser ausfinanziert werden. Um ihr Profil zu schärfen, legte die BTU-Leitung Anfang Mai den Entwurf eines Strukturkonzepts vor. Es konzentriert sich auf die Themen Energie, Landnutzung und Klimawandel.

Widerstand gegen eine Fusion kommt auch aus der Stadt Cottbus. So forderten die Fraktionschefs der Cottbuser Stadtverordneten und Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) in einer Resolution an Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) einen Runden Tisch zur Zukunft beider Lausitzer Hochschulen. Auch die märkischen Parteien sind in dieser Frage zerrissen. Während Teile der oppositionellen CDU-Fraktion eine Hochschulfusion ablehnen, steht die SPD-Fraktion hinter der Ministerin.

Seit einiger Zeit kursiert der Referentenentwurf einer „Technischen Universität Lausitz - Holding“, das der Hochschul-Landesbeauftragte Thomas Grünewald im Dialog mit den Beteiligten erläutert. Mehr als 100 Gespräche soll er dazu schon geführt haben. Das wird ein schwieriges Unterfangen bleiben und auch künftig für Konfliktstoff sorgen, wie von Beteiligten zu hören ist.