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| 16:53 Uhr

Prozess am Landgericht
Fünf Jahre Haft nach Flaschenattacke

 Der Fall des Afghanen, der seine Frau mit einer Flasche attackierte, wurde am Landgericht in Cottbus verhandelt.
Der Fall des Afghanen, der seine Frau mit einer Flasche attackierte, wurde am Landgericht in Cottbus verhandelt. FOTO: LR / Jan Augustin
Cottbus. Landgericht Cottbus spricht Urteil gegen Afghanen, der seine Frau schwer verletzte.

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ist ein Afghane am Dienstag vom Landgericht in Cottbus zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte seine Frau im Oktober 2018 mit einer Glasflasche am helllichten Tag in Forst attackiert und lebensgefährlich verletzt. Eine Mordanklage sei von der Kammer geprüft, aber verworfen worden, wie der Vorsitzende Richter Frank Schollbach erklärt.

Nach Ansicht des Gerichtes war der Angeklagte zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig. Selbst die Einnahme von Morphiumtabletten ändert daran nichts. Dafür sei die Dosis viel zu gering, wie die Analyse der Blutprobe ergab. Als reine Schutzbehauptung stuft das Gericht die Aussage des Angeklagten ein, er habe sich mit drei Freunden in Forst verabredet und seine Frau nur zufällig getroffen.

Vielmehr wird davon ausgegangen, dass Habib W. mit der Absicht nach Forst gefahren ist, die von ihm getrennt lebende Frau und die gemeinsamen Kinder zu sich zurückzuholen. Als dieses Vorhaben scheiterte, hat er eine offenbar herumliegende leere Wodkaflasche gegriffen und damit auf seine Frau eingeschlagen. Ihren möglichen Tod habe er dabei in Kauf genommen, so Schollbach.

Zwei Männer, die Zeugen des Vorfalls wurden, überwältigten den Afghanen und hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf. Seine Frau erlitt eine Gehirnerschütterung, Schnittverletzungen und Prellungen. Noch heute, mehrere Monate nach der Tat, leidet sie unter psychischen und physischen Beeinträchtigungen.

Als strafmildernd wertete das Gericht, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist und sich bei seiner Frau im Rahmen der Hauptverhandlung entschuldigte. Allerdings habe der Angeklagte sich ihr gegenüber bereits in der Vergangenheit über einen langen Zeitraum gewalttätig gezeigt, so der Richter. Ihm war es nach einem Vorfall im August 2018 untersagt, Kontakt mit der Frau aufzunehmen und sich ihr auf weniger als 100 Meter zu nähern.

Die Familie mit drei Kindern, die zuvor in Afghanistan und im Iran lebte, siedelte 2015 nach Deutschland über. Hier wurden zwei weitere Kinder geboren.

Der Haftbefehl gegen Habib W. bleibt aufrechterhalten und wird in Vollzug gesetzt, so Schollbach. Gegen das Urteil kann innerhalb einer Woche Revision eingelegt werden.

(sha)