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Früherer Messe-Chef vor Gericht

Im Amtsgericht Cottbus hat am Dienstag der Prozess gegen den früheren CMT-Chef Bernd K. (r.) begonnen. An seiner Seite ist Anwalt Hans-Joachim Hartung.
Im Amtsgericht Cottbus hat am Dienstag der Prozess gegen den früheren CMT-Chef Bernd K. (r.) begonnen. An seiner Seite ist Anwalt Hans-Joachim Hartung. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Am Amtsgericht Cottbus hat die Hauptverhandlung im Korruptionsprozess gegen den früheren Chef der Messegesellschaft CMT begonnen. Peggy Kompalla

Die Anklage wirft Bernd K. Bestechlichkeit in sechs Fällen vor. Dabei geht es um einen Gesamtwert von 7200 Euro. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Die Verhandlung wurde am Dienstag nach einer Stunde ausgesetzt. Der Grund: Die Prozessbeteiligten wollen Akten einsehen und weitere Zeugen laden.

Dem früheren CMT-Geschäftsführer Bernd K. wird von der Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit vorgeworfen. In sechs Fällen soll er Aufträge ohne Ausschreibung an Firmen vergeben und dafür Geschenke oder Sachleistungen angenommen haben. Bernd K. Anwalt Hans-Joachim Hartung erklärte dazu: "Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe."

Die Vorfälle haben sich laut Anklageschrift zwischen 2008 und 2011 ereignet. Das Prozedere ähnelt sich in allen Fällen, die die Staatsanwaltschaft auflistet. Konkret geht es um die Vergabe von zwei Aufträgen an eine IT-Firma zur Datensicherung und Erneuerung der Server. Vergleichsangebote sollen nicht eingeholt worden sein. Dafür gab es laut Anklage für den Chef als Bonus eine Digitalkamera und einen Laptop. Beide Geräte haben einen Gesamtwert von rund 2500 Euro.

Ein Malerbetrieb strich demnach die Privatwohnung des Angeklagten in Wandlitz. Kostenpunkt: rund 1000 Euro. Eine Rechnung gab es angeblich für den Messechef nicht. Dafür erhielt die Firma einen Auftrag bei der CMT im Wert von rund 10 000 Euro.

Eine Fleischerei lieferte angeblich kostenfrei das Büfett für eine private Geburtstagsparty in Wandlitz - inklusive eines Spanferkels. Im Gegenzug servierte die CMT laut Staatsanwaltschaft dem Betrieb mehrere Aufträge im Gesamtwert von 25 000 Euro.

Ein Beleuchtungshaus erhielt demnach ohne Ausschreibung einen Auftrag im Wert von rund 17 000 Euro für die Messegesellschaft. Im Gegenzug kümmerte sich das Unternehmen angeblich um die Beleuchtung in der Privatwohnung von K. Kostenpunkt: 2200 Euro. Der damalige CMT-Chef soll dafür allerdings lediglich eine Rechnung in Höhe von 180 Euro bezahlt haben.

Zwei Zeugen wurden am Dienstag gehört - die frühere Sekretärin des Angeklagten und der Geschäftsführer des IT-Unternehmens mit Hauptsitz in Chemnitz, der nach eigener Aussage durch Zufall auf Ungereimtheiten in der Abrechnung des Kundenbetreuers gestoßen war.

Zu weiteren Vernehmungen kam es nicht. Die Richterin setzte die Verhandlung aus, damit alle Prozessbeteiligten Akten zu weiteren Verfahren in der Sache einsehen können. Damit wächst sich das Verfahren zu einem Mammutprozess aus. Mehr als 20 Zeugen müssen gehört werden. Wann die Verhandlung wieder aufgenommen wird, blieb offen.

Das Amtsgericht Cottbus hat im Jahr 2015 das Verfahren wegen des Umfangs an das Landgericht abgeben wollen. Im vergangenen Jahr wurde es jedoch wieder an das Amtsgericht zurückverwiesen.

Bernd K. war von 2003 bis 2016 Geschäftsführer der CMT. Der Aufsichtsrat hielt trotz der Korruptionsvorwürfe, die im Jahr 2011 laut wurden, an dem 61-Jährigen fest. K. führte die Geschäfte der Messegesellschaft bis zum Ablauf seines Vertrages im Jahr 2016.