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| 02:34 Uhr

Frischer Atem für den Branitzer Park

Cottbus. Bei den Arbeiten zur Wiederbelebung des Vorparks sind in den vergangenen drei Jahren viele verlorene Orte entdeckt und wieder hergerichtet worden. Dazu gehört auch der alte Branitzer Dorffriedhof in der Nähe des Umweltzentrums. Doch ohne Pflege werden diese Orte nicht lang Bestand haben. Peggy Kompalla

Es ist nicht mehr als ein Trapez, abgesteckt mit schlichten Holzpflöcken und trotzdem ein Stück Geschichte. Rundherum stehen Bäume. Sie schirmen die Autos von der Pyramidenstraße ab. Seichte Erhebungen sind zu erkennen. "Wenn man weiß, was man sucht, dann sieht man es auch", sagt Parkleiter Claudius Wecke mit einem Lachen.

Denn der Dorffriedhof wurde nur zufällig entdeckt. Fast 100 Jahre lang war der Friedhof in Vergessenheit geraten. Obwohl Fürstin Lucie im Jahr 1854 als letzte Branitzerin dort in einer Gruft beigesetzt wurde. 30 Jahre später kam sie in die Seepyramide, der Friedhof wurde eingeebnet, aufgeforstet - und vergessen.

Trotz archäologischer Untersuchungen bleibt Lucies einstige Gruft unentdeckt. "Sie war etwa sieben Quadratmeter groß und mit Torfasphalt errichtet worden", weiß Wecke.

Noch vor einem Jahr erinnerte der Ort eher an einen Wald. Kiefern waren so dicht gewachsen, dass sie die Eichen entlang des Vorparkwegs zu ersticken drohten, wie es der Parkleiter nennt. Tatsächlich war der Altbaumbestand bereits halb eingewachsen. "Jetzt können sie wieder atmen." Diesen Satz sagt Claudius Wecke noch viele Male bei der kleinen Führung an die wieder entdeckten Orte des Vorparks.

Dieses Lichten tut nicht nur den Bäumen gut, sondern vor allem dem Blick. Durch das Entfernen des Wildwuchses sind wieder Sichtachsen von der Gustav-Herrmann-Straße zur Vorparkwiese entstanden. "Früher war das nur ein grüner Tunnel, der Park dahinter versteckt", sagt Landschaftsarchitekt Hagen Engelmann. Er hatte im Jahr 2007 den Anstoß für die Auslichtung entlang der Englischen Allee gegeben. Sie ist wieder ein Fenster zum Park. Für Kulturamtsleiter Bernd Warchold ist es deshalb auch, "der erste Schritt, wie sich der Park in Richtung Stadt bewegt".

Damit würdigt er die Arbeit der vergangenen drei Jahre. Ein elfköpfigen Team hat dabei insbesondere Wildwuchs beseitigt und Sträucher gepflanzt - was nicht immer konfliktfrei verlief. Doch nur so kann der alte Baumbestand gesichert, Sichtachsen wieder hergestellt und Pücklers Konzept der zonierten Annäherung an das Schloss umgesetzt werden. Bei der Gelegenheit wurden gar alte von Pückler angelegte Wege wiederentdeckt. Der renommierte Cottbuser Landschaftsarchitekt ermahnt den jungen Parkleiter Wecke deshalb: "Öffnen, öffnen, öffnen. Hier muss weiter gemacht werden."

Das sieht der genauso. "Das kann nur ein ein Zwischenstand sein." Das Problem: Das Vorpark-Projekt endet in einer Woche. Dann fehlen noch mehr Arbeitskräfte für die Pflege. "Wir bräuchten eigentlich schon jetzt acht zusätzliche Parkgärtner für unsere Aufgaben", erklärt Wecke.

Dabei plant die Stiftung auch den Vorpark und die südliche Umfahrung zu übernehmen. "Dann bräuchten wir zur Pflege mindestens 26 Leute." Die sind nicht in Sicht.

Dabei drängt die Zeit, denn werden die neu freigelegten Wege und Achsen nicht gepflegt wuchern sie innerhalb weniger Jahre wieder zu.

Der alte Branitzer Dorffriedhof am Vorparkweg ist mit Holzpfählen abgesteckt. Vor einem Jahr war die Fläche ein Kiefernwald. Foto: mih1
Der alte Branitzer Dorffriedhof am Vorparkweg ist mit Holzpfählen abgesteckt. Vor einem Jahr war die Fläche ein Kiefernwald. Foto: mih1 FOTO: mih1