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| 17:43 Uhr

Hitze-Stress auf Friedhöfen
Friedhofs-Pfleger im Hitze-Einsatz

Friedhofsgärtnerin Martina Bornemann vom Unternehmen  Grün- und Parkanlagen der Stadt Cottbus bewässert die Grünanlagen auf dem Südfriedhof.
Friedhofsgärtnerin Martina Bornemann vom Unternehmen  Grün- und Parkanlagen der Stadt Cottbus bewässert die Grünanlagen auf dem Südfriedhof. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. In Cottbus steht die Bewässerung der Grabstätten derzeit im Vordergrund. Von Josephine Japke

49,5 Hektar nehmen Friedhöfe im Stadtgebiet Cottbus ein. Mit 25 Hektare ist der Südfriedhof der größte der Stadt. Die parkähnliche Anlage mit zahllosen Gräbern und Grünflächen braucht besondere Pflege - diese zu gewährleisten ist wegen der anhaltenden Hitze nur noch schwer möglich.

„Gegenwärtig erfolgen auf den Friedhöfen fast ausschließlich Wässerungsarbeiten. Die Pflege wird etwas zurückgestellt“, erklärt Diana Ziesche, Leiterin der städtischen Friedhöfe. Bei den Temperaturen ist es den wenigen Mitarbeitern nicht möglich die Grabstätten zu pflegen, Wege zu harken, Wiesen zu mähen und Büsche zu schneiden. „Unser Fokus liegt neben der Bewässerung auf der Wahrung der Verkehrssicherungspflicht“, sagt sie. Heißt: Bäume und Trockenhölzer werden geschnitten, um die Wege frei zu halten. Mehr ist nicht machbar.

Für 19 Friedhöfe ist die Friedhofsverwaltung um Diana Ziesche verantwortlich. Der Nordfriedhof in Schmellwitz und der Südfriedhof südlich der Innenstadt werden im Eigenbetrieb von sechs Mitarbeitern bewässert. Um alle anderen kümmern sich Vereine, Drittfirmen, private Gartenbaubetriebe und Angehörige.

Eine von ihnen ist Inge Jellack aus Cottbus. Die 67-Jährige hat viel Arbeit in die Bepflanzung des Grabes ihres Mannes gesteckt und tut alles, um es vor der Austrocknung zu bewahren. „Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag hier stehen und den Wasserschlauch drauf halten. Aber dafür ist es auch mir zu warm“, erklärt sie.

Diana Ziesche betont, dass „die richtige Bewässerung eine Wissenschaft für sich ist“. Eine Gießkannenladung Wasser oder ein paar Minuten mit dem Wassersprenger reichen nicht. „Man muss so lange bewässern, bis die Erde gesättigt ist, denn die Tiefenwurzeln müssen erreicht werden“, erklärt die Leiterin. Ihre Mitarbeiter wässern von sechs Uhr morgens bis in die Mittagszeit. „Doch bei der Größe des Friedhofs müssten wir eigentlich wieder von vorne anfangen, sobald wir einmal durch sind, weil alles wieder getrocknet ist“, sagt sie.

Für Menschen, die die Gräber ihrer Angehörigen auf den Cottbuser Friedhöfen selber pflegen, verrät sie einen simplen Trick: „Einfach mal den Finger in die Erde bohren und schauen, wie tief die Feuchtigkeit wirklich gesickert ist.“ Gerade in den Abendstunden bietet sich das Wässern der Grabstätten an. Dann ist es nicht mehr so heiß und über Nacht verdampft das Wasser nicht wieder direkt. „Doch wenn viele Abnehmer gleichzeitig den Hahn aufdrehen, kann es schon mal vorkommen, dass wenig Druck auf den Leitungen ist“, erklärt Diana Ziesche und bittet die Angehörigen um Geduld.

Helga Schiemang aus Cottbus versucht zweimal täglich das Grab ihres Mannes zu bewässern. „Ich komme morgens und abends her und dazwischen hoffe ich auf Regen“, sagt sie mit einem Zwinkern. Die Gießkannen mehrmals vom Hahn zum Grab zu Tragen sei für die 76-Jährige Cottbuserin schwere körperliche Arbeit, die sich bei den Temperaturen kaum lohne. „Die Natur ist so tief ausgetrocknet, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, sagt sie.

Auch in den kommenden Tagen sollen die Temperaturen nicht unter 30 Grad Celsius fallen. Für Friedhofsleiterin Diana Ziesche ist diese Hitze allerdings nichts besonderes mehr. Natürlich würde sie sich über Regen freuen, aber bis dahin ist sie entspannt und sagt: „So etwas kommt alle paar Jahre mal vor. Besonders ist viel mehr, dass wir es uns leisten können das Wasser einfach laufen zu lassen. In der DDR war das noch anders.“