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| 08:35 Uhr

Jugendproteste
Erste Schülerdemo für das Klima

 Noah Reißner (16) engagiert sich bei Fridays for Future in Cottbus.
Noah Reißner (16) engagiert sich bei Fridays for Future in Cottbus. FOTO: Privat
Cottbus. Die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future schwappt nach Cottbus. An diesem Freitag, 15. März 2019, um 13 Uhr, ist die erste Schüler-Kundgebung geplant. Die Organisatoren sagen, es gehe ihnen nicht ums Schulschwänzen. Von Andrea Hilscher

Greta Thunberg ist in ihrer Heimat Schweden zur Frau des Jahres gekürt worden: Die 16-Jährige hat mit ihren Klimaprotesten weltweit für Aufsehen gesorgt und Tausende Jugendliche zu „Fridays-for-Future“-Demonstrationen angeregt.

Jetzt wollen auch Cottbuser Schüler auf die Straße gehen: Am Freitag, 15. März 2019, ist um 13 Uhr eine Kundgebung am Stadtbrunnen geplant.

Noah Reißner (16) gehört zu den Organisatoren der Demo. Der Steenbeck-Schüler ist eher durch Zufall zu „Fridays for Future“ geraten. „Ich hatte auf Instagram einen heftigen Dialog mit einem Kohlebefürworter“, erzählt der Cottbuser. Daraufhin erhielt er eine Einladung der Cottbuser Fridays-Gruppe.

Auf einem Bürgerdialog mit Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach Reißner öffentlich über das Anliegen der Gruppe – und erntete mächtigen Gegenwind. „Ideologisierte grüne Klimaschwänzer“, so lautet der Vorwurf, der Jugendlichen wie Reißner oder Thunberg gemacht wird.

Cottbuser Schüler: Menschen in Cottbus klammern sich an die Kohle

„Cottbus ist dabei ein besonders schwieriges Pflaster“, weiß der Schüler. Ein Diskurs sei kaum möglich, die Menschen würden sich sehr stark an die Kohle klammern, so zumindest sein Eindruck. „Dabei sind unsere Forderungen ja gar nicht so radikal, wir wollen einfach nur eine sachliche Debatte führen können und Wege für den Klimaschutz ausloten.“

Die Heftigkeit der Anfeindungen hat nach den Einschätzungen der Schüler mehrere Ursachen.Der Generationenkonflikt: Die Älteren haben Angst vor einer plötzlich politisierten und starken Jugendbewegung. Die Lindner-Überheblichkeit: Erwachsene glauben, allein durch ihre Lebenserfahrung mehr über wirtschaftliche Zusammenhänge zu wissen und sprechen der Jugend die Fähigkeit zum Nachdenken ab. Diesen Gedanken hatte FDP-Chef Christian Lindner in die Debatte eingebracht. „Dabei finde ich es seltsam, dass Menschen über 60 darüber entscheiden, wie eine Zukunft aussehen wird, die wir Jugendlichen erleben – sie selbst aber nicht“, so der 16-Jährige.

Friday for Future in Cottbus: Schüler werben auf Instagram

Bei der Klima-Demo am Freitag wird Noah Reißner zu den Hauptrednern gehören, an seiner Argumentation feilt er noch. „Mein Vater arbeitet bei der Leag“, erzählt der Schüler, dennoch bekomme er Rückhalt für seine Vorhaben. „Ich glaube, mein Vater ist froh, dass er in den Diskussionen einen ordentlichen Gegner hat.“

Über Soziale Medien und mit Plakaten werben die Schüler für ihre erste Freitags-Demo. Wie viele Teilnehmer sie damit erreichen, ist völlig ungewiss. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat jedenfalls schon im Vorfeld gemahnt, dass die Schulpflicht auch an Freitagen gelte. „Bildung ist uns so wichtig, dass wir nicht wollen, dass kostbare Unterrichtsstunden für Demonstrationen geopfert werden“, so die Ministerin.

Klima-Demo in Cottbus: Schüler sagen, es gehe nicht ums Schwänzen

Um das Schwänzen geht es den Jugendlichen nicht. „Wir ziehen unsere Kraft aus unserer Jugend“, sagt Noah Reißner. „Und daraus, dass wir ein gemeinsames Ziel verkörpern, dass uns alle angeht.“ Dafür engagieren er und seine Mitstreiter sich bei Treffen mit Jugendorganisationen und Schülervertretern – in der Freizeit.

Infos auf Instagram bei Fridays for future Cottbus.

Lesen Sie auch den Kommentar auf LR Online zur geplanten Schülerdemo Fridays for Future in Cottbus am 15. März 2019