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| 18:37 Uhr

Fridays for Future
Hunderte fordern neue Klimapolitik in Cottbus

Fridays for Future in der Lausitz FOTO: Sven Bock
Cottbus. Mehrere Hundert Menschen haben in Cottbus bei Fridays for Future mit einer bunten Demonstration ein Umdenken in der Klimapolitik gefordert. Damit reiht sich Cottbus in die weltweite Bewegung ein. Am Rande meldeten sich auch Gegner zu Wort. Von Peggy Kompalla

Schätzungsweise 400 Menschen versammeln sich am Freitag auf dem Heronplatz. Die von der Jugendbewegung Fridays for Future organisierte Demonstration bringt diesmal alle Generationen zusammen – neben Kindern, Jugendlichen, Lehrlingen und Studenten sind auch Eisenbahngewerkschafter und Kriegsgegner dabei, Unternehmer und Theaterleute, Politiker und Tierschützer, Wissenschaftler und Familien.

Strukturwandel jahrelang nur aufgeschoben

Sprecher und Organisator Konstantin Gorodetsky (16) fragt in die Runde: „Ist es radikal, Warnungen von Wissenschaftlern zu ignorieren? Ist es radikal, selbstgesteckte Ziele zu erreichen?“ Die Antwort gibt er selbst: „Ist es nicht.“ Der Strukturwandel sei jahrelang aufgeschoben worden und müsse nun endlich vorangebracht werden – verträglich für die Region. Die Haupt-Forderung bleibt trotzdem: „Hopp, hopp, hopp. Kohlestopp.“ Viele, aber nicht alle stimmen in den Chor ein.

Unwissenschaftliches Klimaquiz der AFD

Als der junge Organisator davon erfährt, dass am Rande der Demonstration der frisch gewählte Cottbuser AfD-Landtagsabgeordnete Lars Schieske ein nach seinen Worten „unwissenschaftliches Klimaquiz“ verteilt, macht er eine klare Ansage übers Mikro: „Diese Leute haben hier nichts zu suchen.“

Lars Schieske lässt sich davon genauso wenig abbringen, wie von Buh-Rufen und vereinzelten „Fuck AfD“-Schildern. Er diskutiert mit Nachdruck mit jungen Leuten. Er betont immer wieder: „Der Klimawandel ist nicht menschengemacht. Solche Veränderungen hat es in der Vergangenheit immer gegeben.“ Deshalb kann der Abgeordnete die aus seiner Sicht radikalen Forderungen der Fridays for Future-Bewegung nicht teilen. Matti Duhrer (15) hält leidenschaftlich dagegen. Er ist mit seinem Bruder und Freunden aus Peitz nach Cottbus zur Demo gekommen. Der Jugendliche betont: „Klimawandel ist doch längst da und die großen Parteien machen zu wenig dagegen.“ Die AfD leugne das Thema schlicht.

Mitten im Weltuntergang

Die jungen Protestler bekommen unverhofft prominente Unterstützung. Der renommierte Wissenschaftler Dr. Mark Benecke steht am Freitag mit seinen Koffern mitten im Demonstrations-Pulk auf dem Heronplatz. Der Biologe ist für Vorträge nach Cottbus gereist. „Ich erkläre den Menschen seit Jahren, dass sie vegan leben sollen“, sagt er. „Damit die Ressourcen der Erde nicht aufgebraucht werden. Geld können wir nicht essen.“ Seine Analyse ist knallhart: „Wir sind mitten im Weltuntergang.“

Der Mathematiker und Klimaforscher Thomas Hitziger (56) von der BTU erklärt den Demonstranten, dass Deutschland in diesem Jahr 40 Milliarden Euro im Verteidigungsetat stehen hat und nur zwei Milliarden für den Umwelt- und Naturschutz. „Wagen wir doch mal ein Gedankenexperiment und drehen die Zahlen um.“ Dafür gibt es Applaus. Aber der Wissenschaftler erklärt auch: „Es ist einfach, die Abschaltung der Kohlekraftwerke zu fordern, dann gehen irgendwann die Handys aus. Wir müssen uns viel mehr um die Forschung zu Energiequellen bemühen, die nachhaltig sind.“ Der Wissenschaftler nutzt gleich indirekt für Werbung für die Cottbuser Universität: „Die Ingenieure sollen die Probleme einmal lösen. Das ist doch eine Zukunft.“

Fridays for Future in der Lausitz FOTO: Sven Bock