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| 10:45 Uhr

Klima-Allianz fordert Komplett-Abschaltung von Jänschwalde
Fraunhofer-Studie: Kohleausstieg wäre bis 2030 möglich

Blick auf das Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Umweltverbände wollen es mal wieder komplett abschalten.
Blick auf das Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Umweltverbände wollen es mal wieder komplett abschalten. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Berlin/Cottbus. Am Sonntag soll Block F des Kraftwerks Jänschwalde abgeschaltet werden und in die Sicherheitsreserve gehen. Im Vorfeld gibt es neue Forderungen und Studien zum Kohle-Ausstieg. Von Bodo Baumert

Ein Kohleausstieg schon zum Jahr 2030 ist nach Ansicht des Fraunhofer-Instituts möglich, ohne die Stromversorgung zu gefährden. Auch das bereits aufgegebene deutsche Klimaziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu verringern, könnte so noch erreicht werden, berechnen die Forscher in einer am Freitag veröffentlichten Studie im Auftrag von Greenpeace. „Deutschland kann sich ab 2030 sicher und kohlefrei mit Energie versorgen“, erklärte Norman Gerhardt vom Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft. Die verfügbare Kohlemenge werde außerdem bis dahin reichen, auch ohne den Hambacher Forst im Rheinland roden zu müssen.

Berechnungen der Bundesnetzagentur ergaben dagegen, dass bis 2030 lediglich die Hälfte der Kohlemeiler vom Netz könnte, ohne dass Versorgungssicherheit in Gefahr gerät. Allerdings müsse dazu unter anderem der Netzausbau planmäßig vorankommen.

Die Klima-Allianz Deutschland und die Grüne Liga sind unterdessen am Freitag mit einer Forderung vorgeprescht, das gesamte Kraftwerk Jänschwalde im Zuge des Kohleausstiegs bald abzuschalten. „Auch die übrigen Blöcke müssen demnächst vom Netz. Nur so kann die Bundesregierung ihre eigenen und die internationalen Klimaziele erreichen”, sagt Stefanie Langkamp von der Klima-Allianz zum geplanten Wechsels des Blocks F in die Sicherheitsreserve.

„Ein Weiterbetrieb des Kraftwerkes Jänschwalde bedroht die Zukunft des Dorfes Proschim, wo Menschen seit Jahren in Angst vor einer Zwangsumsiedlung leben müssen“, kritisiert René Schuster von der Grünen Liga. Er kritisiert zudem, dass die Brandenburgische Landesregierung der Region keine langfristige Vorbereitung auf die Kraftwerksabschaltung ermöglicht habe. „Ministerpräsident Woidke sollte endlich aufhören, den Lausitzern Sand in die Augen zu streuen“, so Schuster.

Der Bundesrechnungshof sieht unterdessen bei der Umsetzung der Energiewende erhebliche Defizite und macht dem zuständigen Bundeswirtschaftsministerium schwere Vorwürfe. Die Energiewende werde schlecht koordiniert und gesteuert, entscheidende Verbesserungen seien „unumgänglich“, heißt es in einem Prüfbericht der Finanzkontrolle.