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| 19:16 Uhr

Wissenschaft
Fraunhofer macht BTU attraktiver

Der erste Fraunhofer Institutsteil ist am Donnerstag am  Zentralcampus der BTU Cottbus-Senftenberg an den Start gegangen: Das Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft für diesen Erfolg haben Ministerin Martina Münch (SPD), BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach, Prof. Harald Schenk, Leiter des Fraunhofer IPMS in Dresden und Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft (v.r.) gewürdigt.
Der erste Fraunhofer Institutsteil ist am Donnerstag am Zentralcampus der BTU Cottbus-Senftenberg an den Start gegangen: Das Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft für diesen Erfolg haben Ministerin Martina Münch (SPD), BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach, Prof. Harald Schenk, Leiter des Fraunhofer IPMS in Dresden und Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft (v.r.) gewürdigt. FOTO: btu/Sebastian Rau / LR
Cottbus. Mikrolautsprecher, Hörgeräte – auf Cottbuser Campus etabliert sich mehr angewandte Forschung. Von Christian Taubert

Fünf Jahre haben sie gebraucht: Jetzt aber hat es die Projektgruppe um Professor Harald Schenk, den Leiter des Fraunhofer IPMS in Dresden geschafft, in Cottbus das erste Fraunhofer-Institutsteil „Integrated Silicon Systems“ ISS (Integrierte Siliziumsysteme) eröffnen zu dürfen. Die BTU Cottbus-Senftenberg gehört damit zur Fraunhofer-Familie der außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Und das, nachdem die Universität vor fünf Jahren erst neu gegründet wurde. Aber das Team um Schenk, der an der BTU eine Professur für Mikro- und Nanosysteme hat, initiierte 2012 die Zusammenarbeit zwischen Dresden und Cottbus, baute die Fraunhofer-Projektgruppe „Mesoskopische Aktoren und Systeme“ (MESYS) an der BTU in Cottbus auf und legte damit den Grundstein für den neuen Institutsteil.

Als es sich am Donnerstagvormittag Politik, Wissenschaft und Wirtschaft nicht nehmen ließen, Genugtuung und Ansporn dieser Forschungsetappe zu formulieren, verdeutlichte Prof. Schenk „die enorme Leistung der zurückliegenden Jahre“. So sei es gelungen, „eine komplett neue Klasse elektrostatischer Mikroaktoren zu entwickeln und zu patentieren“. Bei Aktoren handelt es sich um Antriebselemente, die elektrische Signale und Strom in mechanische Bewegung transformieren. Schenk erläutert, wie diese durch den Einsatz von Silizium noch leistungsfähiger gemacht werden konnten. Momentan gebe es noch acht weitere angemeldete Patentfamilien.

Ganz praktisch ermöglichen es die neuartigen Aktoren, in nur wenigen Millimeter großen Mikrolautsprechern einen perfekten Klang zu erzeugen. So können sie etwa in medizinischen Hörgeräten eingesetzt werden. Aber auch Mikrodosiereinheiten für Insulinpumpen seien Gegenstand der Forschungsarbeiten. All dies wird durch die neuartigen Aktoren und Sensoren ermöglicht, die am Fraunhofer IPMS-ISS entwickelt werden und auf einem völlig neuen, in den Vorjahren erforschten Antriebsprinzip für mikromechanische Bauelemente beruhen.

Aus Sicht von BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach müsse jetzt die Chance ergriffen werden, die Lausitz zu einem „Zentrum für Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik“ zu entwickeln. Dass dies keineswegs zu schnell oder abwegig sei, schrieb Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, den Lausitzern ins Stammbuch: „Sie sind keine Nussschale auf dem Ozean, sondern ein großer, schneller Flottenverband.“ Es komme jetzt darauf an, nicht nur international beachtet, sondern nachgefragt zu sein. Denn es müsse auch die Fraunhofer-Philosophie umgesetzt werden, wonach lediglich eine Grundfinanzierung für Projekte von 30 Prozent zur Verfügung stehe. „Der Rest muss eingeworben werden“, verwies Neugebauer dennoch darauf, dass sich nach Untersuchungen jeder bei Fraunhofer eingesetzte Euro zwanzigfach im Bruttosozialprodukt niederschlage.

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) lässt daran nicht deuteln. Deshalb sollen in Brandenburgs Landesetat 2019/20 zehn Milllionen Euro für Forschungsansiedlung bereitstehen: Fraunhofer mache auch die BTU Cottbus-Senftenberg attraktiver.