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Frauendarstellung im Dialog der Kulturen

Kerstin Heinze und Jonathan Ojara bei der gestrigen Ausstellungseröffnung.
Kerstin Heinze und Jonathan Ojara bei der gestrigen Ausstellungseröffnung. FOTO: U. Elsner
Cottbus. Konzentrieren wir uns auf die Gemeinsamkeiten, appellierte Kerstin Heinze bei der gestrigen Eröffnung der Gemeinschaftsausstellung "Frauen wie Eva" an die Gäste. Die Ausstellung ist bis zum 18. Juli im Lichthof des Gebäudes 10 auf dem Sachsendorfer Campus der BTU zu sehen. Ulrike Elsner

Eine junge verliebte Frau schwingt sich durch die Lüfte, umschwirrt von bunten Schmetterlingen und bedroht von Stacheldraht. Neben mehreren Tanzszenen gehört das zu den eindrucksvollsten Bildern, die die brandenburgische Künstlerin und Kunsttherapeutin Kerstin Heinze zur Ausstellung beigesteuert hat.

Krieg ist das Urerlebnis in der Kunst von Jonathan Ojara. In Uganda geboren, kam er als Kind nach Ruanda. Seine Bilder aber sind dem menschlichen Gegenpol gewidmet: Mutterschaft, Familie, Liebe, Ehrlichkeit.

Sie habe den Afrikaner vor zwei Jahren auf dem Sofa eines freikirchlichen Pfarrers erstmals gesehen, berichtet Kerstin Heinze, und erfahren, dass er wie sie Kunst macht und als Kunstlehrer tätig ist. Der Ausstellungsbesucher wird viele weitere Parallelen zwischen beiden Künstlern entdecken, die aus so unterschiedlichen Kulturkreisen kommen.

Für Prof. Dr. sc. Agnes Saretz vom Studiengang Soziale Arbeit der BTU ist die Ausstellung das erste interkulturelle Projekt künstlerischer Medienpädagogik. Für die Kunsttherapeutin Kerstin Heinze, die in dem Bereich als Lehrbeauftragte tätig ist, ergeben sich daraus vielfältige Anknüpfungspunkte für die Lehre.

Jonathan Ojara geht es um Verständigung zwischen den Völkern Afrikas und die Lösung von Konflikten auch im politischen und zwischenmenschlichen Bereich. Er zeigt genauso wie seine deutsche Mitstreiterin Wege, "wie man Konflikte heilen kann", und richtet den Blick auf die Frau.

Jonathan Ojara war als Kind Augenzeuge des Völkermords in Ruanda. Im RUNDSCHAU-Gespräch erzählt er darüber, wie Krieg und Gewalt ihn bis in seine Träume verfolgt haben. "Am Morgen bin ich aufgestanden und habe angefangen zu malen", erinnert sich der Künstler, der für die Werner-Kalka-Stiftung Görsdorf in Brandenburg und in Ostafrika für Verständigung wirbt.

Deutschland ist für ihn interessant wegen der geschichtlichen Parallelen. Sprengen doch die Naziverbrechen die menschliche Vorstellungskraft ebenso wie der Genozid in Ruanda. "Von Deutschland können wir lernen, aus einem solchen Abgrund wieder herauszukommen", ist sich Jonathan Ojara sicher. Allerdings könnten auch die Deutschen von den Afrikanern eine Menge lernen. Neben der Fähigkeit, entspannter zu leben, ist das seiner Auffassung nach vor allem die Pflege guter menschlicher Kontakte.

Hartmut Fischer, Kunstlehrer im Ruhestand, hat den künstlerischen Werdegang von Kerstin Heinze von Anfang an verfolgt. Sie sei hellwach und gleichermaßen sensibel und verletzbar. In jüngster Zeit hat sie sich immer mehr der Weiblichkeit und dem Verhältnis der Geschlechter zugewandt. Unter ihren Bildern finden sich "gnadenlose Selbstreflektionen" ebenso wie kritische Töne.

Die Ausstellung "Frauen wie Eva" zeigt Frauenporträts zu Themen wie Buße, Reue, Ungerechtigkeiten und Vergebung. Das Projekt zielt auf den Austausch von Ideen, Werten und Traditionen.

Ausstellung: bis zum 18. Juli, Lehrgebäude 10 der BTU, Lipezker Straße 47